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„Deadly Class“ bei SyFy : Die Meuchler von der ersten Bank

  • -Aktualisiert am

Der nächste Streich sitzt bestimmt: Marcus (Benjamin Wadsworth, rechts) hätte sich beinahe einen Stockschlag von Master Lin (Benedict Wong) eingefangen. Bild: Syfy

Nachhilferufe: Die Serie „Deadly Class“ erzählt die Geschichte einer Schule für junge Assassinen. Rick Remender, Schöpfer der Comic-Vorlage, hatte es mit der Umsetzung jedoch nicht leicht.

          Es herrscht Stille am Set von „Deadly Class“ in Burnaby, einem Vorort von Vancouver. Gedreht wird „Episode 108“ des Kult-Comics von Rick Remender über eine Eliteschule zur Ausbildung jugendlicher Attentäter. Benedict Wong, der den Gründer und Direktor der King’s Dominion, Master Lin, spielt, muss einen überraschenden Stockschlag gegen einen unaufmerksamen Schüler choreographieren, während er über die Grundsätze des Attentäter-Daseins doziert: „Ein Killer kennt keine Freunde, keine Familie, keine Liebhaber.“ Hinter seinem Rücken wandert ein Zettelchen über die Bänke zu Marcus (Benjamin Wadsworth). Freilich hat Lin auch im Rücken Augen: Sein Gehstock schnellt hervor. Nur ein fixer Reflex von Maria (María Gabriela de Faría), die ihn mit ihrem Fächer pariert, verhindern das Schlimmste für Marcus. „Danke!“, ruft der Regisseur, aber Wong ist nicht zufrieden. „Können wir das noch mal machen?“, fragt er und ruft den Stunt-Koordinator, um den genauen Winkel des Schlags und seine Stärke erneut abzustimmen.

          Später erzählt Wong, der in den vergangenen Jahren mit Filmen wie „Der Marsianer“ und „Dr. Strange“ sowie TV-Serien wie „Black Mirror“ zum heimlichen Star wurde, wie er an Bord kam. „Ich habe einen Anruf von Joe Russo bekommen, da sagt man natürlich nicht nein.“ Die Regisseure und Autoren Joe und Anthony Russo, die mit Wong in „Avengers“-Filmen zusammenarbeiteten, produzieren die Serie.

          Damals war Nerd-Sein überhaupt nicht cool, es war gefährlich

          Die Welt, die Rick Remender in den Comics entwirft, ist ein Universum für sich: Marcus, der sich nach dem bizarren Tod seiner Eltern und der Flucht aus einem grässlichen Heim als Obdachloser in San Francisco durchschlägt, wird von einer mysteriösen jungen Frau auf einem Motorrad aus einer verzwickten Lage gerettet. Saya (Lana Condor) bringt ihn in die geheime Schule, in der ihm Master Lin ein erfülltes Leben in Aussicht stellt: Hier kann er die nötigen Fertigkeiten erlernen, um Rache zu nehmen.

          Klingt nach einer wütenden Teenager-Phantasie, doch ebendort ist die Geschichte auch geboren: Rick Remender entwarf sie in den achtziger Jahren als junger Skate-Punk und Comic-Fan in Phoenix, Arizona. „Damals“, sagt Remender, „war das überhaupt nicht cool. Es war gefährlich.“ Er sei ein klassischer Nerd, und er habe oft genug auf die Schnauze bekommen. Hinter ihm an der Tafel steht: „Das Verständnis des menschlichen Wesens ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Mission, zur Dominanz über die Zielperson und zum Erfolg in King’s Dominion.“

          Das Klassenzimmer ist düster und altmodisch. Neben einer Taschenuhr stehen auf dem Lehrerpult ein präparierter Krokodilskopf und eine Reihe von Fläschchen mit unbekanntem Inhalt. Schwere Buchbände über Alchemie, Kampfkünste und Philosophie lagern auf den Regaltischen in den Ecken, und auf den Pulten der Schüler liegen Ausgaben der Encyclopaedia Britannica. Im „Schulflur“ auf der Bühne nebenan sind Notizen angeschlagen wie diese: „Sparring-Club – alle Stile erlaubt“, aber auch Warnschilder: „Rennen, Kämpfen und Fluchen verboten!“

          „Ich werde Ronald Reagan ermorden“

          150 Mitarbeiter beschäftigt das Set-Design. Sie errichteten unter anderem ein Häuserdach voller Graffiti, das man sorgfältig aus den Achtzigern kopierte. Das ist der Treffpunkt der Kids, auch wenn nicht alle der zahlreichen Cliquen hier Zutritt haben. In der Nähe eines Lüftungsschachts steht ein kleiner Schrein – Erinnerung an Klassenkameraden, die im Überlebenskampf auf der Strecke blieben. In „Deadly Class“ geht es tatsächlich um Leben und Tod. Remender überhöht die Ängste der Teenager-Jahre kompromisslos – aber auch ziemlich vielschichtig. „Ich werde Ronald Reagan ermorden“, sagt Marcus auf die Frage von Master Lin, wen er umbringen wolle. Reagan, so argumentiert Marcus, habe mit seiner Sozialpolitik zahllose Menschen, die medizinischer Hilfe bedurften, der Straße und zwielichtigen Institutionen preisgegeben. Und: Master Lin ist von der Idee beflügelt, der ausgebeuteten Unterschicht – seine Vorfahren sind chinesische Immigranten, deren amerikanischer Traum in verkappte Sklaverei mündete – zu einer würdigeren Position zu verhelfen.

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