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DDR-Vergleich : Medienhäuser üben Kritik an Döpfner

  • Aktualisiert am

Springer-Chef Döpfner im Jahr 2019 Bild: dpa

Der Springer-Chef und Verlegerpräsident betont: Sein umstrittener DDR-Vergleich sei im privaten Rahmen erfolgt. Andere Medienhäuser wollen diese Erklärung nicht gelten lassen.

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          Aus Medienhäusern mehrt sich öffentliche Kritik an Zeitungsverlegerpräsident und Springer-Chef Mathias Döpfner. Anlass für den Unmut ist eine ältere private Kurznachricht Döpfners, aus der die New York Times in einem Bericht am Sonntag zitierte. Der 58-Jährige hatte darin den damaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet, der noch mutig gegen den „neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ aufbegehre. Fast alle anderen seien zu „Propaganda-Assistenten“ geworden.

          Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Madsack Mediengruppe, Thomas Düffert, teilte am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: „Die Madsack Mediengruppe ist mit ihren Zeitungstiteln in Norddeutschland, aber insbesondere auch in vielen ostdeutschen Bundesländern journalistisch stark engagiert. Die aus einem privaten Umfeld heraus nun öffentlich gewordenen Aussagen von Herrn Döpfner sind für alle Journalistinnen und Journalisten der Madsack Mediengruppe und sicherlich auch darüber hinaus eine unangemessene und verfehlte Herabsetzung.“

          Düffert teilte weiter mit: „Mittlerweile wurden die Aussagen vom Axel-Springer-Verlag relativiert und entsprechend eingeordnet. Grundsätzlich sollte jedoch auch in privaten Diskussionen kein Zweifel an der Integrität und Unabhängigkeit der Redaktionen der Zeitungsverlage aufkommen, sondern diese gerade gegen derartige Vorwürfe verteidigt werden.“ Der Axel-Springer-Konzern hatte die Kurznachricht, die die New York Times in einen Bericht über das Medienhaus, die Unternehmenskultur und Vorwürfe gegen den damaligen Bild-Chefredakteur Reichelt eingebettet hatte, als Ironie eingeordnet.

          Döpfner: „Eine private SMS ist kein Tweet“

          Auch die Funke Mediengruppe, die mehrere Regionalzeitungen in mehreren Bundesländern im Portfolio hat, hatte sich zu der Döpfner-SMS geäußert. Das Medienmagazin „Übermedien“ zitierte Funke-Geschäftsführer Christoph Rüth. Dieser sagte demnach, Springer habe die Aussagen Döpfners eingeordnet und festgestellt, dass er die Bundesrepublik auch in Corona-Zeiten keineswegs für vergleichbar mit der DDR halte. „Allem anderen hätten wir auch klar widersprochen. Die - wenn auch angeblich überspitzte - Formulierung „Propaganda-Assistenten’ für die Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten halten wir für völlig unpassend. So ein Gedanke und eine derartige Tonlage sind dem Amt eines BDZV-Präsidenten nicht angemessen.“

          Döpfner ist seit 2016 der amtierende Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Düffert ist BDZV-Vizepräsident.

          Am Mittwoch war Döpfner in einer Videobotschaft an die Springer-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter unter anderem auch auf die Kurznachricht eingegangen. Er sagte: „Eine private SMS ist kein Tweet, ist kein Post, ist keine öffentliche Rede. Und wenn man in einer privaten Unterhaltung aus dem Zusammenhang gerissen etwas zitiert, dann unterschlägt man Polemik, Ironie, Übertreibung.“ Er lege Wert darauf, dass das privat sei und nicht wie ein Zitat behandelt werde. „Das ist doch eine Grenzüberschreitung“, sagte der Springer-Chef.

          Am Donnerstag kam wegen der Döpfner-SMS aus Medienhäusern auch das Thema Rücktritt auf. Der Verlagsleiter des Mindener Tageblatts, Carsten Lohmann, sagte dem Deutschlandfunk: „Ich finde, dass jemand, der oberster Repräsentant der Tageszeitungen in Deutschland ist, mit so einer Aussage nicht mehr haltbar ist.“ Der Chefredakteur des Magazins Stern, Florian Gless, schrieb in einer Kolumne den Schlusssatz: „Mathias Döpfner sollte von allen Posten und Ämtern zurücktreten.“

          Dirk Ippen: „Selbstverständlich halten wir am Team fest“

          Nach dem Erscheinen des New York Times-Artikels hatte Springer am Montagabend bekanntgemacht, dass Bild-Chefredakteur Julian Reichelt von seinen Aufgaben entbunden wurde.

          Das Unternehmen begründete das Ende der Zusammenarbeit mit dem 41-Jährigen an der Spitze so: „Als Folge von Presserecherchen hatte das Unternehmen in den letzten Tagen neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten von Julian Reichelt gewonnen. Diesen Informationen ist das Unternehmen nachgegangen. Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat.“

          Im Frühjahr hatte der Konzern das interne Verfahren angestoßen. Nach Springer-Angaben standen im Kern der Untersuchung die Vorwürfe des Machtmissbrauchs im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz. Der Konzern prüfte Vorwürfe und kam zu dem Ergebnis, dass Reichelt seinen Posten behalten sollte. Es war eine zweite Chance. Nach einer befristeten Freistellung kehrte er in den Job zurück.

          Teil der Presserecherchen waren auch monatelange Recherchen eines Investigativ-Teams bei der Mediengruppe Ippen. Das Medienhaus hatte allerdings die Erstveröffentlichung der Recherchen auf Einwirken des Verlegers Dirk Ippen gestoppt. Zwischenzeitlich erschienen Teile der Recherche in einem Online-Bericht des Spiegel. Als Begründung hatte es unter anderem von der Ippen-Gruppe geheißen: „Als Mediengruppe, die im direkten Wettbewerb mit Bild steht, müssen wir sehr genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden.“ Die Ippen-Gruppe publiziert in München die Boulevardzeitung TZ.

          Nachdem Ippen.Media-Gesamt-Chefredakteur Markus Knall am Mittwoch Quellen und Betroffene für die Nichtveröffentlichung von eigenen Recherchen zum bisherigen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt um Entschuldigung gebeten hatte, äußerte sich nun auch Verleger Dirk Ippen. Der Branchendienst Meedia zitierte Ippen mit den Worten: „Selbstverständlich halten wir am Team fest und natürlich können die frei arbeiten. Das tun alle unsere journalistischen Mitarbeiter. Einer besonderen Zusicherung von meiner Seite bedarf es nicht.“

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