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David Garrett : Der Fernsehzaubergeiger vom Dienst

Post-Nirvana,würden Kulturtheoretiker sagen: Geiger Garrett Bild: dpa

Er ist der Jörg Pilawa der klassischen Musik. Es gibt keine Fernsehkamera, vor die er sich noch nicht gesetzt hätte. Gut, dass es David Garrett gibt.

          Waren das turbulente Wochen für David Garrett! „Wetten, dass ...“, Frühstücksfernsehen bei Sat 1, „Volle Kanne“, Carmen Nebel, „DAS!“ im NDR, Harald Schmidt, das Fußball-Länderspiel in Hamburg natürlich, aber als dann auch noch die „Tagesthemen“ anriefen und sagten: Mann, komm sofort her, wir brauchen dich hier, da sind Menschen in Not, und wer soll es denn sonst machen, setzte sich Garrett noch eben schnell dort vor die Kamera und kommentierte die aktuelle Lage, Verfassungsschutz, brauner Terror, Mut der Anständigen, klare Töne, härtere Saiten, nicht Wegsehen, Hinsehen!

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Gut, das Letzte war Sigmund Gottlieb vom Bayerischen Rundfunk, aber sonst saß David Garrett, der Geiger, auf ungefähr jedem Sofa und vor jedem Frühstück im deutschen Fernsehen der letzten zwei Wochen, und wenn sie ihm jetzt die Nachfolge von Thomas Gottschalk anbieten, weil: ist doch klar bei den Haaren, dann darf wirklich später keiner mehr sagen, er hätte von nichts gewusst.

          Wichtig für die Grundversorgung

          David Garrett wäre gern der Kurt Cobain von André Rieu. Ich weiß nicht, ob ich mich da richtig ausgedrückt habe, vielleicht wäre es richtiger zu sagen, dass es eine Planstelle gibt im deutschen Fernsehen, die genauso wichtig ist für die Grundversorgung wie die von Thomas Gottschalk und die früher mal von Helmut Zacharias besetzt wurde, dann von Rieu und jetzt also, post-Nirvana, wie Kulturtheoretiker sagen würden, von David Garrett: Es ist die Stelle des Zaubergeigers vom Dienst. So wie es Zaubergitarristen gab (Ricky King), Zauberpianisten (Richard Clayderman) und jenen unvergesslichen Zauberpanflötisten, der immer wieder beim „Großen Preis“ auftrat und dessen Name ich zum Glück trotzdem vergessen habe.

          David Garrett ist der Jörg Pilawa der klassischen Musik. Ich glaube, da habe ich mich richtig ausgedrückt. Aber es regt sich Widerstand! Dienstag, beim Länderspiel, als Garrett - schon mit Polizeischutz im Rücken, auch wenn die Beamten mit Blasinstrumenten beschäftigt waren - die Hymne spielte, fiel es Hansi Flick auf der Trainerbank offenbar schwer, beim Mitsingen nicht zu lachen, genau wie Per Mertesacker. Da wusste ich, dass wir Europameister werden.

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