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ZDF-Dokumentation „Hunger“ : Einmal raus aus dem Nachrichtenstudio

Claus Kleber unterwegs: „Hunger!“ und „Durst!“ im ZDF Bild: dpa

Angela Andersen und Claus Kleber reisen für das ZDF um die Welt und fragen, warum der Hunger trotz aller Möglichkeiten noch immer nicht besiegt ist. Zwei Dokumentationen.

          Wenn Claus Kleber für das ZDF auf Reisen geht, tut er das nicht zum Vergnügen. Und er bringt auch keine netten Urlaubsbilder mit. Zusammen mit Angela Andersen geht er vielmehr einen weltumspannenden Stationenweg ab, um zu ergründen, warum in einer Welt, die genügend Nahrung für alle produziert, Millionen Menschen noch immer an Hunger sterben. „Hunger!“ heißt der Dokumentation erster Teil, der am 5. November 2014 im ZDF läuft, in der darauffolgenden Woche, in „Durst!“, geht es ums Wasser.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Tour führt von Indien nach Australien, China, Sierra Leone, Spanien, in den Golf von Kalifornien, wieder nach Indien und nach Detroit. Es geht um Beispiele, die zeigen, wie Ressourcen verschwendet und die Lebenschancen von Menschen vernichtet werden, und solche, die vor Augen führen, dass es auch anders geht. Wir sehen rücksichtslose Ausbeutung und partnerschaftliches Miteinander. Wir sehen Bauern in Afrika, denen ihr Land weggenommen wird, und wir sehen ein indisches Mädchen, das verhungert.

          Die Gesetze des Marktes

          Wir sehen einen australischen Farmer, der in der Wüste Getreide anbaut, und einen amerikanischen Unternehmer, der weit draußen auf dem Meer in gigantischen Metallkugeln Fische züchtet, die schon fast ausgestorben sind. Die einen setzen auf unbegrenztes Wachstum, wie bei der Rinderzucht in China, die anderen haben verstanden, dass es so nicht weitergeht. Sie alle gehorchen den Gesetzen des Marktes. Dabei geht es nicht nur um Angebot und Nachfrage, Aussaat und Ernte, sondern auch um die Spekulation mit Nahrungsmitteln, die in Wahrheit eine Spekulation mit dem Hunger ist. Vier Konzerne, lernen wir, kontrollieren den Getreidehandel weltweit, drei stammen aus den Vereinigten Staaten. In Afrika werden ganze Regionen verpachtet und verkauft. „Kolonialismus 2.0“ nennt Kleber das im Film.

          Nichts von dem, was die Dokumentation in Bilder fasst, ist unbekannt. Was zählt, ist das große Bild, das die beiden ZDF-Autoren zusammenfügen. In dem bleiben einige Flecken aber leider weiß. Woran liegt es, dass in Indien ausreichend Reis angebaut wird, der aber im Zweifel eher vergammelt, anstatt zu den Bedürftigen zu gelangen? Wie fällt die Bilanz des Palmölkonzerns Socfin in Afrika wirklich aus, von dem es auf der einen Seite heißt, er paktiere mit korrupten Clanchefs, dann aber auch, er sorge für Jobs und soziale Infrastruktur? Und wie ist es in Málaga, wo Andersen und Kleber eine Familie besuchen, die vor dem Ruin und um Lebensmittel ansteht - „mitten im Gemüsegarten Europas“? Miserable Regierungspolitik, Arbeitslosigkeit, Korruption - die Dinge liegen kompliziert. Zu kompliziert für einen Film, in dem es einmal um die ganze Welt geht und der folglich nach einem gemeinsamen Nenner sucht.

          Den drückt Kleber markig aus. „Das wird kein objektiver Bericht“, heißt es zu Beginn. Dann taucht der „heute journal“-Moderator an den Orten des Geschehens auf, wie wir es aus dem amerikanischen Fernsehen kennen. Er spricht über die Lage, aber genauso über sein persönliches Empfinden. Er fühlt sich „schäbig“, wenn er mit einer Afrikanerin spricht, der man für ihr Land eine Pacht von zwanzig Cent pro Jahr gibt. Den Kontrast zwischen Arm und Reich in Spanien findet er „zum Kotzen“. Das „Labyrinth“ des von noch größeren Gegensätzen geprägten Indiens „überfordert“ ihn. Vor dem Besuch der Familie mit dem unterernährten Kleinkind ist ihm angst und bange. Das kann man verstehen. Derart in den Vordergrund stellen wie bei dieser Dokumentation muss man die eigenen Befindlichkeiten nicht. Und dass Kleber nach dem Besuch auf der Rinderfarm „seltener Fleisch“ isst, ist nicht die bedeutendste Erkenntnis dieses ansonsten sehenswerten Films.

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