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Videospiel „The Sinking City“ : Wüstes Trommeln in finsterfeuchter Welt

Vorwiegend bewölkt: Für den Spieler öffnen sich in „The Sinking City“ die Türen zu zahlreichen Geheimnissen. Bild: Frogwares

Das Videospiel „The Sinking City“ wurde nach Motiven des Horrorautors H.P. Lovecraft entwickelt. Und so abgründig wie seine phantastische Literatur ist die Welt, die der Spieler betritt. Was real ist und was nicht, ist hier die große Frage.

          5 Min.

          Schon dieser vorsintflutliche Taucheranzug wirkt wenig vertrauenerweckend. Innen gepresster Atem, draußen blubbernde Schwärze. In der Hand wackelt die Taschenlampe, in ihrem Lichtkegel die Ausläufer grauer Schlammwolken, die unsere Schritte auf dem Meeresgrund verursachen. Die Sichtweite ist gering. Wir folgen fest installierten Unterwasserlampen, vorbei an Schiffswracks und abgerissenen Taucherhelmen. Ein Harpunengewehr steht uns zur Verfügung. In der Beschreibung heißt es, damit könne allenfalls betäubt werden, was auch immer in der Tiefe lauere. Auch die Signalpistole diene nur zur Ablenkung.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Doch es bleibt ruhig bei dieser ersten Unterwasserepisode im Videospiel „The Sinking City“, das sich nicht nur an den Geschichten von H.P. Lovecraft orientiert, sondern gewissermaßen von ihnen durchtränkt ist. Nur als wir unter Wasser an einen Abgrund gelangen, bleiben wir still stehen. Schockstarre: In der Ferne gleitet die Silhouette einer gewaltigen Kreatur vorüber, weder Wal noch Kraken – obwohl es lange Tentakel hat. Der dunkelblaue Balken am linken Bildschirmrand, der den Zustand der geistigen Gesundheit der Spielfigur anzeigt, rauscht schlagartig nach unten. Plötzlich huschen noch andere Dinge durch unser Sichtfeld. Sie sind nicht real. Aber was ist das hier schon. Die Psyche flackert wie eine Kerze. Nachdem der Schattenriese fast vorübergezogen ist, packt uns der Übermut: Wir feuern eine Harpune in Richtung Kreatur, die für sie den gleichen Schrecken besitzen dürfte wie eine Stecknadel für einen Blauwal. Sie entschwindet gemächlich, lässt sich nichts anmerken.

          In diesem Kapitel taucht man als Privatdetektiv Charles Winfield Reed (zufällig ehemaliger Navy-Taucher) in die Tiefe, um dem Verbleib einer Expedition zu einer Unterwasserhöhle mit mysteriösen Gesteinsformationen nachzuspüren. In der Höhle befinden sich: ein Mann mit einem Ritualdolch im Schädel und lauter Verrückte. „Götter beugen sich über uns! Götter kriechen in uns hinein! Götter, denen gegenüber ich mich wie eine mickrige Blattlaus fühle“, sagt ein Mann, der die Hände final über dem Kopf zusammengeschlagen hat und in der Hocke umherhüpft. Schuld ist unter anderem ein „perfekt erhaltenes Artefakt“ nach Form und Art eines versteinerten Nautiloiden. Die Expedition hatte dieses „Siegel“ just entdeckt, doch eine Horde überzeugter Kultisten verfolgt andere Interessen.

          Durch diese hohle Gasse muss man durch: Szene aus „The Sinking City“.

          Reed kann in solchen Momenten auf sein drittes Auge zählen. Es ermöglicht ihm und dem Spieler, das Geschehen an Orten unheilvoller Tätigkeiten zu rekonstruieren, indem er einen Blick in eine Art Schattenspiegelwelt wirft, in der die Aura von Mensch und Monster gleichermaßen ihre Spuren hinterlässt. Er sieht dann beispielsweise, wie Mörder und Opfer gestanden haben, und hört, was im Dunkeln geflüstert wurde. Dann muss er es nur in einen vernünftigen Zusammenhang bringen, indem er die Szenen eines Schauplatzes in die richtige Reihenfolge bringt.

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