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ZDF-Serie „Ein starkes Team“ : Vor Stasi-Rentnern wird gewarnt

  • -Aktualisiert am

Bestellt, aber nicht abgeholt? Florian Martens und Rainer Hunold in „Ein starkes Team“. Bild: ZDF und Katrin Knoke

Beim „Starken Team“ im ZDF werden diesmal Rechnungen aus alten DDR-Zeiten beglichen. Das geht nicht ohne Mord und Totschlag ab. Aber leider fast ohne Spannung.

          Sich für einen Übermenschen zu halten geht selten gut. Raskolnikow war besessen von der Idee, straffrei zu töten. Er ermordete eine alte Pfandleiherin und deren behinderte Schwester, ohne dass die von seiner Täterschaft überzeugte Polizei ihn überführen konnte. Dann aber zeigte sich die Macht des Gewissens. Es ist nicht verkehrt, die Grundkonstellation von Fjodor Dostojewskis 1866 erschienenem Roman „Schuld und Sühne“ auf eine Geschichte aus dem Umfeld des ideologisch kaum weniger verblendeten Staatssicherheitsdiensts der DDR zu übertragen. Gut ist aber auch, dass Timo Berndts Drehbuch für die neueste Episode des seit zwei Jahrzehnten ermittelnden „Starken Teams“ – zum fünften Mal ist Stefanie Stappenbeck als Kommissarin Linett Wachow dabei – das Geschehen krimitechnisch etwas verkompliziert hat. Auch einige Rollen wurden geändert. Die alte Pfandleiherin lebt beispielsweise noch. Teresa Harder spielt sie glaubhaft vom Schmerz gezeichnet. So ist ein Stück entstanden, das von ungesühnter Schuld, Lebenslügen und Rache erzählt.

          Dass wir es mit Altlasten aus DDR-Zeiten zu tun bekommen, ist schnell klar. Otto Garber (Florian Martens), dem berlinernden Schnodderkommissar mit Volkspolizeivergangenheit, reicht ein einziger Blick auf die Waffe, mit der sich ein freundlicher älterer Herr ohne jede Vorwarnung sein Lichtlein ausgeblasen hat, um zu konstatieren: „Sowat hier hatten die Typen von der Stasi.“ Außerdem ist mit derselben Waffe – Beutegut bringt die Polizei auf die Spur – die wohlhabende Bauunternehmerin Gabriele Wunder am anderen Ende der Stadt ermordet worden, und die war einst ebenfalls beim Ministerium für Staatssicherheit tätig. Für alle, die es immer noch nicht verstanden haben, hat Regisseur Martin Kinkel noch den wenig subtilen Hinweis parat, die Beteiligten ständig über die für den Ost-West-Agentenaustausch bekannte Glienicker Brücke in Potsdam zu schicken.

          War das gar kein Suizid?

          Auch Linett Wachow merkt, dass sich die Erklärung mit dem mordenden und daran zerbrechenden Rentner zu sehr aufdrängt. Tatsächlich könnte die Spur gelegt, der Selbstmord ein erzwungener gewesen sein. Im Umfeld der beiden Toten stoßen die Ermittler auf mehrere suspekte Personen: den Ex-Mann (Julian Weigend) der ermordeten Baulöwin und zwei gegen Wunders Luxussanierungspläne opponierende Altbau-Bewohner (Suzan Anbeh, Dirk Borchardt). Einer von ihnen – wir sehen mehr als die Kommissare – späht insgeheim einen weiteren älteren Herrn (Rainer Hunold) aus, der seine todkranke Frau pflegt und dafür goldene Uhren bei einer Pfandleiherin versetzt. Wie das alles zusammenhängt und sich erst nach einigen Volten auflöst, ist pfiffig durchdacht. Statt des Gewissens wird dabei die Liebe zum Motor der Ereignisse, aber diese Liebe hat nichts mit Vergebung zu tun.

          Gesprächsbedarf herrscht in diesem Film reichlich, nicht nur bei den Kommissaren (Stefanie Stappenbeck und Florian Martens, rechts).

          Dass der Film dennoch nicht die Reiseflughöhe besserer Krimis erreicht, liegt vor allem daran, dass die an sich interessante Story gar nicht zu sich finden darf, sondern in den von öden Konventionen bestimmten Erzählrahmen gepresst wurde. Ohne rechte Ambition fasst ständig jemand auf dem Revier den Ermittlungsstand zusammen oder doziert über die dämonische Stasi: „Meister der Manipulation“.

          Fade wirken die flapsigen Dialoge zwischen der quirligen Jungkommissarin und ihrem Rumpelkollegen, in denen es meist um die zu selten gewechselte Mütze des Seniors geht. Lustig soll wohl auch die Nebenhandlung mit einem ausgesucht tuntigen Cousin (Martin Glade) Garbers sein, in dessen Nagelstudio prompt der Showdown stattfindet. Der Sender dürfte sich darauf berufen, dass dahinter der Running Gag mit Kollege Sputniks idiotischen Geschäftsideen steht. Aber wem nutzt eine derart müde Tradition? So wird ein guter Ansatz – perfide „Stasi-Methoden“ werfen lange Schatten – behäbigen, ja tatterigen Samstagabendgepflogenheiten geopfert.

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