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Das schaut Amerika : „Ugly Betty“: Zu schön, um arm zu sein

  • -Aktualisiert am

Verärgert über die amerikanische Doppelmoral: Produzentin Salma Hayek (re.) mit America Ferrera Bild: AP

Die Amerikaner geben uns „Desperate Housewives“ und schauen selber „Ugly Betty“. Die Telenovela ist ein großer Erfolg und zugleich ein Politikum. Protest ruft hervor, dass illegale Einwanderer auftreten. Salma Hayek, die Produzentin, gibt Kontra.

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          Manchmal, sehr selten, gibt das amerikanische Fernsehen Trends nicht vor, sondern vollzieht sie nach. So etwa bei der Telenovela, die in Südamerika zum festen Repertoire gehört, auch in Deutschland groß rauskam, ihren Zenit hier aber anscheinend schon überschritten hat. In den Vereinigten Staaten ist sie hingegen Politikum und Pop-Phänomen zugleich, und zwar in Gestalt von „Ugly Betty“, der Erfolgsserie des Senders ABC.

          Eine Latino-Familie krempelt sozusagen die amerikanische Fernsehlandschaft um. Salma Hayeks Adaption der kolumbianischen Seifenoper „Betty La Fea“ ist auf dem Siegeszug. Man mag staunen, dass die amerikanische Unterhaltungsindustrie so lange brauchte, sich das Genre zu eigen zu machen - schließlich verfolgten achtzig Millionen Menschen in Lateinamerika zwischen 1999 und 2001 das Original, von dem es neben der deutschen („Verliebt in Berlin“) eine griechische, indische, israelische, holländische, russische, mexikanische und spanische Version gibt.

          Doch standen die amerikanischen Fernsehmacher in den USA mit der Adaption vor einer pikanten Aufgabe: In Amerika stellen die Latinos die größte Einwanderergruppe, viele leben illegal im Land. Da lässt sich die Geschichte vom Aschenputtel in der Modewelt nicht einfach so erzählen, sie muss zwei gegensätzliche und von Spannungen geprägte kulturelle Welten verbinden.

          Von wegen hässlich: Für ihre Rolle als „Ugly Betty” bekam America Ferrara kürzlich den Golden Globe

          Eine Fish-out-of-water-Komödie

          Die Zeit freilich schien reif. Nachdem der spanischsprachige Sender Univision in Miami, New York und Los Angeles höhere Quoten als die englischsprachige Konkurrenz einfuhr, wachten die Networks auf, allen voran ABC. Seit knapp einem Jahr strahlt der Sender die Serien „Desperate Housewives“ und „Lost“ auch in spanischer Synchronisation aus, „Ugly Betty“ konnte in diesem neuen televisuellen Biotop gedeihen.

          NBC war 2001 mit einer amerikanischen „Betty“-Adaption gescheitert - der Serie „Less Than Perfect“, die von einer Redaktionspraktikantin handelt, die zur Assistentin eines umschwärmten Nachrichtensprechers wird. 2004 erwarb die Filmschauspielerin Salma Hayek („Frida“), die selbst einst als Telenovela-Sternchen in ihrer Heimat Mexiko angefangen hatte, die Rechte an dem Stück um ein unattraktives, unterprivilegiertes Mädchen, das unversehens den Traumjob in einer Moderedaktion erhascht. „Hier war etwas, womit sich das Latino-Publikum identifizieren konnte, weil ,Betty' bereits Teil ihrer Kultur ist,“ sagt Hayek, „aber es war auch für den amerikanischen Markt perfekt: eine Fish-out-of-water-Komödie über die amerikanische Obsession für Äußerlichkeiten.“

          Moralischer Leuchtturm

          Es bedurfte mehrerer gescheiterter Drehbuchanläufe, bis schließlich die Version des jungen Kubano-Amerikaners Silvio Horta den richtigen Ton traf. „Ich bin als Einwanderersohn der ersten Generation aufgewachsen“, sagt Horta, „und bei uns daheim war ich ständig zwischen der Gringo-Welt und der traditionellen Latinokultur gefangen. Das habe ich hier einfließen lassen.“ Hortas Betty Suarez (America Ferrera) lebt mit ihrem Vater, ihrer Schwester und ihrem Neffen in einer kleinen Wohnung in Queens. Aufgrund einer Verlagsintrige findet sie sich bei einer großen Modezeitschrift in Manhattan wieder: Der Verleger Bradford Meade (Alan Dale) stellt das Pummelchen mit der Zahnspange als eine Art Hormondämpfer seinem Playboy-Sohn Daniel (Eric Mabius) zur Seite, den er nach einem mysteriösen Unfall der bisherigen Chefredakteurin auf deren Posten gehievt hat.

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