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Fernsehproduktionen : Das Oligopol der Tochterfirmen

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Eigentlich wäre Innovation gefragt

Also fällt es besonders ins Gewicht, wem die Redakteure bei ARD und ZDF die Produktion neuer Filme anvertrauen, jeder für sich mit einem Auftragsvolumen von etwa 1,5 Millionen Euro. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, Tochterfirmen wie die Bavaria oder Network Movie zu bedenken. Nur wenn das zu Konditionen geschieht, die unabhängige Produzenten in die Knie zwingen, weil sie eben nicht mit Gebührengeldern querfinanziert werden, hat das Bundeskartellamt Anlass zu ermitteln.

Ein fairer Wettbewerb ist jedoch nicht nur aus marktwirtschaftlichen und rechtlichen Gründen geboten. Er garantiert Innovation, die gerade bei den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht im Überfluss vorhanden ist. Die es aber dringend braucht, vor allem, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Frische, unkonventionelle Ideen steuern eher unabhängige Produzenten. Manche Stoffe, erzählt ein Produzent, schicke einem der Sender erst nach mehr als einem Jahr mit einer Absage zurück. Andere Produzenten berichten von Stoffen, die „geklaut“ würden und plötzlich als originäre Stücke einer Tochterfirma auftauchten. Die Dinge öffentlich zu benennen, traut sich kaum jemand. Die Mehrheit der Produzenten schweigt – schließlich will man es sich mit den Auftraggebern nicht verscherzen.

Entscheidet wirklich nur das beste Angebot?

Ins Gerede gekommen ist die vom Kartellamt durchsuchte Bavaria zuletzt auch durch die Art und Weise, in der sie an die Produktion der ARD-Shows „Verstehen Sie Spaß?“ und „Show der Naturwunder“ kam. Die Bavaria, so der Verdacht, müsse erfahren haben, dass Konkurrenten bessere Angebote eingereicht hätten. Plötzlich sei die Offerte der Bavaria um zehn Prozent günstiger gewesen. Verbunden war das allerdings mit einer Kostendrückerei etwa beim Lichtdesign von 800.000 Euro auf 400.000 Euro oder geringeren Honoraren für die Kameraleute, die für weniger als dreihundert statt 350 Euro am Zehnstundentag arbeiten sollten, Erst nach großem Protest habe der SWR auf die Bavaria eingewirkt, um die Produktion nicht zu gefährden. Der SWR-Sprecher Wolfgang Utz sagte dazu auf Anfrage, die Angebote aller Bewerber seien angepasst worden. Doch seien die Offerten der Bavaria-Konkurrenten „von Anfang an nicht günstiger“ gewesen, die Bavaria habe „das beste und wirtschaftlichste Angebot“ abgegeben. Der SWR habe eine „Gewichtung der preislichen und der qualitativen Kriterien vorgenommen“ und entschieden.

Der beste Anbieter? Das könnten in diesem Fall die unterlegenen, von den Sendern unabhängigen Produktionfirmen gewesen sein. In den wesentlichen Kategorien seien die Kölner MMC und das Studio Berlin besser gewesen, bis hin zu dem Umstand, dass bei der Bavaria in München nur 880 statt der geforderten tausend Zuschauer im Studio Platz gefunden hätten. In Köln wäre sogar mit 1200 zahlenden Zuschauern zu rechnen gewesen. Aber wie es hinter den Kulissen zugeht, davon merken die Zuschauer ja nichts. Die Ermittlungen des Bundeskartellamts könnten das ändern. Die Branche wartet darauf.

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