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Das Online-Portal „Republik.ch“ : Sind sie die Retter der Online-Zeitung?

Ein Banner an der Außenwand des Hauses erinnert an die Mission der „Republik“-Gründer, die sie zum Start des Unternehmens auch in einem Manifest festhielten: „Ohne Journalismus keine Demokratie. Und ohne Demokratie keine Freiheit.“ Mit weniger Pathos ging es nicht, schließlich sehen die Macher sich als Korrektiv der Schweizer Medienlandschaft, nachdem die großen Verlage ihrer Ansicht nach durch Zusammenlegungen und eine zu große Nähe zur Politik das Vertrauen der Leser verspielt haben. Ist die Schweiz womöglich der richtige Ort, um ein solch ambitioniertes Journalismusprojekt – werbefrei, transparent, mit Offenlegung der Besitzverhältnisse – zu wagen? „Ich glaube, wir sind zu einem Zeitpunkt gekommen, an dem hier ein perfekter Sturm herrschte“, entgegnet Moser. In Zeiten, in denen ein Politiker wie Christof Blocher von der Schweizer Volkspartei sich ein Medienimperium zusammenkauft und Debatten über gefälschte Nachrichten längst Mainstream sind, scheint das Unterfangen zumindest eine Chance zu haben. Moser macht keinen Hehl daraus, dass er auch außerhalb der Schweiz auf deutschsprachige Leser hofft.

Die Chefredaktion wechselt in regelmäßigen Abständen

Was die Leser bekommen? Eine Stichprobe fördert neben zwei Interviews und einem Erklärstück zur möglichen Reform der eidgenössischen Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) auch zwei längere Recherchestücke zutage: eines zu Geldwäsche in Malaysia und möglichen Verstrickungen der Schweizer Großbank UBS sowie eines über die Schweizer Justiz, die drei deutsche Whistleblower in einem mutmaßlichen Steuerbetrugsfall verfolgt. Mit solchen Geschichten hofft die „Republik“ die häufig geäußerte Kritik zu zerstreuen, sie liefere keine investigativen Geschichten.

Moser: „Wir haben nie gesagt, wir wären die große Investigativplattform.“ Ihm und seinen Kollegen gehe es um Einordnung und Erklärung. Nach den Rückmeldungen zum Auftakt hat die Redaktion nachjustiert. Manche Abonnenten wünschten sich mehr Innenpolitik, gleichzeitig kam Post aus Deutschland von Lesern, die forderten: „Macht nicht so viel Schweiz.“ Konstant bleibt das Versprechen der Reduktion: Jeden Tag erscheinen höchstens drei neue Geschichten. Man wolle sich damit bewusst von den aktualitätsgetriebenen Nachrichtenseiten abgrenzen. „Wir nutzen die Vorteile unseres Geschäftsmodells, schließlich müssen wir keinen Traffic generieren“, sagt Moser. Momentan experimentieren er und seine Kollegen mit einem Podcast, im Frühjahr soll noch ein Bewegtbildformat folgen.

Nach der Crowdfunding-Phase im Sommer mussten zunächst eine Redaktion zusammengestellt, Bewerbungsgespräche geführt und die Technik bereitgestellt werden. Für die Gründer, die zuvor größtenteils als Angestellte in Verlagen arbeiteten, war dies eine neue Herausforderungen: „Wenn man vorher wüsste, was da auf einen zukommt, würde man es vielleicht gar nicht machen“, sagt Moser. 29 Festangestellte arbeiten mittlerweile im Rothaus, 47 Leute gehören zum erweiterten Team.

Der enge Draht zur Leserschaft soll ein weiteres Merkmal des Online-Magazins sein: Mitglieder können in der Community mit Redakteuren diskutieren, Einfluss darauf nehmen, wie sich die Seite weiterentwickelt. Zu den Besonderheiten der „Republik“ zählt auch: Im Sommer wird die Chefredaktion ausgewechselt. Dann haben zwei andere Redakteure oder Redakteurinnen das Sagen. „Es hat sich in der kurzen Zeit schon eine Art Machtzentrum verfestigt“, sagt Moser. Es bestehe die Gefahr, dass Redakteure nur noch für den Chef schreiben. „Wir haben das Gefühl, der Wechsel wird dem Magazin guttun.“

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