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Entenhausen würdigt „Tatort“ : Kommissar mit Hundenase

Ähnlichkeiten zu „Tatort“-Vorbildern sind unverkennbar: die Kommissare im „Lustigen Taschenbuch“ (539), das seit kurzem im Handel ist. Bild: 2020 Disney/Egmont Ehapa Media

Zum Jubiläum des „Tatorts“ lässt sich auch das „Lustige Taschenbuch“ etwas einfallen. In Entenhausen versammeln sich Polizeikommissare, die uns irgendwie bekannt vorkommen. Leider spielen sie nur in einer Geschichte auf.

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          Wenn es um langlebige Serien geht, dann macht das „Lustige Taschenbuch“ sogar dem „Tatort“ noch etwas vor. Letzterer feiert am Sonntag seinen fünfzigsten Geburtstag, doch die kleinen dicken Comics mit Entenhausener Geschichten erscheinen bereits seit 1967. Allerdings hat der „Tatort“ bereits mehr als 1100 Episoden hervorgebracht, während es erst 539 „Lustige Taschenbücher“ gibt. Das neueste erweist nun der etwas jüngeren, aber dafür zahlreicheren Konkurrenz die Ehre: „Zurück am Tatort Entenhausen“ heißt der Band, und die Titelgestaltung zitiert die markante Perspektive des Fernsehkrimivorspanns auf ein isoliertes Augenpaar – allerdings nicht tatortgemäß durch ein Fadenkreuz; das wäre dem skrupulösen Hause Disney als nicht kindgerecht erschienen.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Mit Band 539 will die Redaktion der „Lustigen Taschenbücher“ an den Erfolg ihrer Nummer 506 anknüpfen, die vor zwei Jahren anlässlich der tausendsten Folge der Fernsehkrimireihe herauskam: „Tatort Entenhausen“. Damals leistete man sich den ungewöhnlichen Luxus, eigens für die deutschen Disney-Leser eine vierzigseitige Geschichte in Auftrag zu geben, die Donald Duck mit einer ganzen Schar von Entenhausener Ermittlern zusammenführte, die einigen der beliebtesten Kommissare der Fernsehserie nachgebildet waren: Unschwer konnte man da die aktuellen Hauptfiguren der „Tatorte“ aus Münster, München oder Köln wiedererkennen, nur eben mit Hundenasen.

          Unverkennbar „Tatort“: Das „Lustige Taschenbuch“, Nummer 539, seit ein paar Tagen im Handel erhältlich.
          Unverkennbar „Tatort“: Das „Lustige Taschenbuch“, Nummer 539, seit ein paar Tagen im Handel erhältlich. : Bild: 2020 Disney/Egmont Ehapa Media

          Vorbild für den wichtigsten Mitstreiter des gewohnt tolpatschigen Donald Duck in dessen Rolle als Verbrechensbekämpfer war allerdings ein längst ausgedienter „Tatort“-Kommissar: Götz Georges legendärer Schimanski aus Duisburg inspirierte die Figur des Entenhausener Kommissars Schimauski – vom Schnauzbart über den Parka bis zur Raubauzigkeit.

          In der jetzt erschienenen Reprise sind alle diese leicht identifizierbaren Figuren wieder mit an Bord. In Bilder gesetzt hat sie abermals der seit 1992 als Disneycomiczeichner tätige Däne Flemming Andersen – da musste sich niemand neu in die Physiognomien einarbeiten. Im Mittelpunkt der zweiten Geschichte steht auch ein fünfzigjähriges Jubiläum, allerdings das der Entenhausener Polizei, zu dem sich die ganze Ermittlerprominenz des Landes einfindet.

          Erstaunlicherweise sind jedoch die seit Jahrzehnten in den Comics etablierten Figuren von Kommissar Hunter und Inspektor Issel nicht mit von der Partie. Die haben Peter Höpfner und Stephanie Bens – ihres Zeichens nicht nur redaktionell verantwortlich fürs „Lustige Taschenbuch“, sondern auch die Autoren der beziehungsreich „Taxi nach Entenhausen“ betitelten Auftaktgeschichte zu Band 539 („Taxi nach Leipzig“ hieß bekanntlich die erste „Tatort“-Episode von 1970) – offenbar über all der deutschen Fernsehprominenz, die es zu berücksichtigen galt, vergessen.

          Dabei hat ihr Stoff diesmal nur für eine Geschichte von dreißig Seiten gereicht; die restlichen 220 werden mit der üblichen Importware aus Italien gefüllt, aus der sich auch sonst der Inhalt der „Lustigen Taschenbücher“ rekrutiert – nationale Sonderwünsche wie die beiden „Tatort“-Hommagen sind hier absolute Ausnahmen. Leider kann man nicht einmal behaupten, dass es sich bei den insgesamt zehn Abenteuern in „Zurück am Tatort Entenhausen“ ausschließlich um Kriminalfälle handelte. Die zweite Hälfte des Heftes ist inhaltlich so beliebig wie nur denkbar: Minnie Maus nimmt uns auf einem Expeditionsschiff des neunzehnten Jahrhunderts mit, Dussel Duck erleben wir in einem vollkommen wortlosen Comic, und Donald Duck versucht, einem Sonderling eine wertvolle Vase abzuhandeln, ehe wir schließlich auch noch uninspiriert erzählte Ausflüge in die Beringsee und ins Weltall ertragen müssen. Alle „Tatort“-Liebhaber seien also gewarnt. Im neuen „Lustigen Taschenbuch“ verhält es sich wie an diesem Sonntag in der ARD: Nur der kleinste Teil des Programms ist „Tatort“.

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