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Neues „Star Wars“-Videospiel : Das kann eben nicht Jedi

Put on my blue suede sword: Ritter Cal muss sich in „Star Wars Jedi: Fallen Order“ nicht nur den ikonisch gewordenen Sturmtruppen, sondern auch der Frage stellen, ob die Macht noch mit ihm ist. Bild: Electronis Arts

In fröhlicher Wut mit dem Lichtschwert in den Abgrund schlittern: Mit dem Videospiel „Star Wars Jedi: Fallen Order“ versucht „Electronic Arts“ an den Erfolg einstiger Titel anzuknüpfen. Lohnt sich der Sternenkriegerkampf als Weihnachtsgabe?

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          Advent, Advent ein Lichtschwert ... – halt, Moment, wir müssen feststellen, auch dieser Weihnachtsreim kam schon zu oft im Sternenkriegerkostüm mit entzündeter Taschenlampenklinge daher. So wie alles, was auf dieser Erde nach 1977 (und wahrscheinlich auch davor) existierte, einmal von George Lucas’ „Star Wars“-Filmreihe erfasst worden ist oder noch werden wird.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Das birgt für viele Sympathisanten und Fanatiker einen gewissen Zwiespalt: Uns berührt einerseits (peinlich) der auf der Internetseite von „real“ unter „Spielwaren zu Minipreisen“ angebotene „Swarovski Star Wars – Darth Vader, Groß, limitierte Ausgabe 2017“ („Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren, da Erstickungsgefahr durch verschluckbare Kleinteile“) für preiswerte 23.750 Euro, und andererseits der Versuch des Videospiel-Giganten „Electronic Arts“ (EA), dem auf dem Gaming-Markt zuletzt stark angeschlagenen Franchise neues, altes Leben einzuhauchen.

          „Star Wars Jedi: Fallen Order“ heißt der jüngst erschienene Titel. Die Erwartung an das Spiel war groß. Vor allem, weil EA seit dem 2013 mit Disney abgeschlossenen Lizenzgeschäft mit seinen „Battlefront“-Spielen nur zwei neue Titel ins Programm genommen hatte, die zwar hübsch anzusehen, aber inhaltlich und spieltechnisch so fad und leblos waren wie die ausgeblichenen Knochen des Krayt-Drachen-Skeletts auf Tatooine in Episode VI.

          Ist sie die Rettung? Die einstige Jedi-Ritterin Cere Junda braucht Cals Hilfe ebenso wie er die ihre.

          Diese aber heißt nicht umsonst „Eine neue Hoffnung“. Und deshalb sollte mit dem neuen Lichtschwert-Action-Puzzle-Hüpf-und-Hangel-Titel alles anders, das heißt wie früher, werden. „Star Wars: The Force Unleashed“ (Lucas Arts, 2008) hatte vor mehr als einer Dekade eindrucksvoll vorgemacht, wie man eine alte Geschichte in einem interaktiven Spiel neu verpackt. Es verkaufte sich nicht nur gut, es gewann sogar einen Preis der „Writers Guild of America“ für das beste Videospiel-Skript. In Wirklichkeit aber waren viele Spieler schlicht von dem Umstand begeistert, dass man als fallender oder zumindest am Abgrund tänzelnder Darth-Vader-Padawan „Starkiller“ machtbesessen durch die Level fegen konnte, wie es nur ein – nun ja – eben wildgewordener Vader-Schüler kann.

          Das gestaltet sich nun anders. Selbst wenn man die Schwierigkeitsstufe des Spiels nur auf „Jedi Ritter“ (normal) stellt und nicht auf „Jedi Meister“ oder „Großmeister“. Es gibt einen Story-Modus, aber von dem ist abzuraten, weil er wie „God-Mode“ wirkt und ein Großteil des lichtschwertbefeuerten Spielspaßes verlorengeht, wenn Gegner zu Pappkameraden werden. Wer seine Jedi-Reflexe trainieren will, ist bei diesem Spiel gut aufgehoben. Die Kampfsteuerung, die sich am japanischen Fantasy-Schwertfeger „Sekiro: Shadows Die Twice“ (FromSoftware, 2019) orientiert, verlangt vom Spieler, dass er das Parieren und Ausweichen in seinen Kampfstil integriert. Dazu gehört es, Schläge, Schüsse, Stiche und Bisse im richtigen Moment zu parieren, um gegebenenfalls zu kontern.

          Alter gelber Mann mit vier Armen und hoffentlich mindestens einem Pilotenschein: Greez Dritus ist der Captain der Mantis.

          Sich an die Steuerung zu gewöhnen – ein gewaltiger Teil des Spiels besteht aus kniffligen Partien, in denen gesprungen, geklettert, gehangelt, geschlittert und an Wänden entlanggelaufen wird – bereitet zu Beginn noch großen Spaß, weil das Tutorial recht elegant mit der Einführung des Charakters Cal Kestis (Gesicht, Mimik und Gestik stammen von Cameron Monaghan) kombiniert wird. Wir treffen den ölverschmierten, aber topfrisierten Rotschopf auf dem Planeten Bracca, wo er sich als einstiger Jedi-Schüler verstecken muss, seit in Episode III „Die Rache der Sith“ mit Imperator Palpatines berühmter „Order 66“ die Auslöschung des Ordens der Jedi-Ritter befohlen wurde.

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