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„Schnitzel de Luxe“ im Ersten : Das Goldsteak des kleinen Mannes

Übernahme der „GüWoSchniBu“: Günther (Armin Rohde, links) und Wolfgang (Ludger Pistor) scheinen am Ziel ihrer Träuume. Bild: WDR

Einmal noch Fernsehen, als hätte es weder Netflix noch das Internet je gegeben: „Schnitzel de Luxe“ ist mit Liebe panierte Sozialkritik.

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          Am Ende kämpft das Herz – trotz all der fein abgestimmten humoristischen Würze – doch kurz mit der emotionalen Übersättigung. So vollgestopft ist es mit universeller Zuneigung und Gutmütigkeit. Sie liegen wie warmer Schmelzkäse über fast jeder Szene des vierten Teiles der „Schnitzel“-Filmreihe mit Armin Rohde und Ludger Pistor in den Hauptrollen. Noch durch jede oft leise aber durchaus elegant aufgespießte, zwischenmenschliche Nickligkeit glüht hier der ausgestellte Wille zum Glauben an das Gute im Menschen. So will es das Drehbuch von Ingo Haeb, und so will es die Regie, die im vierten Teil, „Schnitzel de Luxe“, Micha Lewinsky übernommen hat.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Eine Art Metahumor, der weit über seinen direkten Gegenstand hinausweist, speist den Stoff dennoch – nur dass ihm die zeitgenössische Qualität des Wegbeißens fehlt. Hier darf alles neben- und miteinander existieren:

          der rustikal-liebevolle „Dauer-Hartzer“ Günther Kuballa (Rohde), der stilbewusst-kreative Langzeitarbeitslose Wolfgang Krettek (Pistor), seine selbstbewusste Frau Karin (sehr ehrlich: Therese Hämer), der obligatorische, alles zusammenhaltende Imbissbudenbesitzer Theo (Tilo Prückner), der unermüdliche griechische Handwerker Kostas Papastatopoulos (Samir Fuchs), der kumpelhafte und kunstverliebte Multimillionär Rolf Sonne (Albrecht Ganskopf) und der erfolglos bemühte Galerist Schmittering (Andreas Schröder). Unterschieden werden sie handlungstechnisch durch das, was der eine hat und der andere eben nicht. Diesmal sind es zehntausend Euro, die Günther und Wolfgang fehlen, um Theo, der in den Ruhestand gehen will, seine „Schnitzelbude“ abzukaufen. Die „GüWoSchniBu“ scheint zum Greifen nahe. Auch auf dass kein „Bio-Burger“-Brater aus dem südlich gelegenen Herdecke den heiligen Geschmack des Dortmunder Lokalkolorits störe.

          Sprachlich immer noch fordernd, präzise und lebensnah

          Der reiche Rolf, ein glühenden Verehrer von Wolfgangs Frau Karin, soll das dafür nötige Geld auslegen, stellt die beiden jedoch („Ich verleihe niemals Geld“) als Hunde- und Kunstsammlungspfleger ein. Als dann eine wertvolle Skulptur zu Bruch geht und Günther und Wolfgang dennoch versuchen, aus der Sache Kapital zu schlagen, beginnt das große Glücksrad sich unerbittlich zu drehen. Gut, dass es da selbst unter den vermeintlich erwartbar windigen Figuren niemanden gibt, der nicht ausreichend Zeit bekäme, seine gute Seite auszuspielen. Hier versteht am Ende jeder jeden. Nur als Karin nach einem Streit „erst mal ein bisschen“ für sich sein möchte, fragt Wolfgang kleinlaut: „Wie lange denn?“

          Das muss man in Zeiten, in denen Humor immer häufiger nur mehr aus Verweisen auf popkulturelle Chiffren und Phänomene, angereichert mit meist sarkastischem Fingerzeig auf das Nicht-so-Sein der Welt, besteht, erst mal verdauen. Dieser Film wirkt – das ist zugleich seine Qualität –, als hätte es weder Netflix und Co. noch das Internet je gegeben. Er ist im besten und schlechtesten Sinne davon völlig unbeeindruckt – so gelassen, so unauffällig, so leise, so tapsig und gleichzeitig fein, aber auch so betulich wird dieses „Schnitzel“ angerichtet. Sprachlich immer noch herrlich fordernd, präzise und lebensnah, bleibt der Film dem Geist der Reihe als Hommage an die leidgeprüfte Ruhrpott-Resilienz treu. Angucken, zulassen, wohlfühlen.

          Schnitzel de Luxe läuft um 20.15 Uhr im Ersten.

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