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Das Geschäft mit der Astrologie : Die Seelenverkäufer

Katharina B. ist heute in psychologischer Behandlung. Ihre Familie und ihre Freunde wissen nichts von ihrem Martyrium. Die Scham ist zu groß. Der Questico AG schuldet Katharina B. noch Geld. Neulich, sagt sie, habe deshalb jemand aus der Geschäftsführung angerufen. Als sie drohte, die Praxis der Berater öffentlich zu machen, sagte man ihr, sie hätte sich nur beschweren müssen, und der entsprechende Berater hätte seinen Job verloren. Doch dazu sei es jetzt zu spät.

Marktplatz der psychischen Grausamkeiten

Kontrolliert wird der Hades-Markt der psychischen Grausamkeiten von niemandem. Die Medienaufsicht sieht dem Seelenverkauf tatenlos zu. Nicht, dass die Landesmedienanstalten, die für die Zulassung privater Sender zuständig sind, nicht einschreiten wollten. Zumindest einige. Sie können es aber nicht. Sie müssen zulassen, was nicht verboten ist. Und ihre Prüfungen sind, weil rein formal, lächerlich.

Astro TV hat seine Sendelizenz im Juni 2004 bekommen, seither hat sich der Kanal ausgebreitet. „Bedenken gegen die Vereinbarkeit mit den für den bundesweiten Rundfunk geltenden Vorschriften sind nicht ersichtlich“, heißt es im Prüfbericht der Medienaufseher. In drei Jahren Sendebetrieb von Astro TV habe es nicht eine einzige Beschwerde gegeben, sagt die Sprecherin der zuständigen Medienanstalt Berlin Brandenburg. Nicht eine einzige!

Lizenz zu Lug und Trug

Doch ob je ein Zuschauer auf die Idee käme, sich bei einer Landesmedienanstalt zu beschweren? Bei den Medienaufsehern, die auch die Anrufsender seit Jahren gewähren lassen? Die Sender müssen nur die Formalien einhalten, dann bekommen sie eine „Unbedenklichkeitsbescheinigung“, und die wirkt wie eine amtliche Beglaubigung der Nostradamus-Welt - die Lizenz zu Lug und Trug.

Beim Ortstermin im bayerischen Wald wendet sich Lorelei mir endlich wieder zu. Ich solle eine Immobilie in Südfrankreich kaufen und meine Mutter in ein Pflegeheim geben. Die Mutter könne auch dort glücklich werden. Wir sprechen über meine verstorbene Großmutter. Auf der Homepage von Luke und Lorelei steht, dass Luke auch Jenseitskontakte herstellt. „Deine Oma steht links hinter dir und beschützt dich“, sagt Luke. Er zündet sich eine Zigarette an. Dann sagt er, beiläufig, im Plauderton: „Ich sehe bei dir einen Missbrauch, mit dreizehn.“ Es ist lange still. Jemand aus der Familie? „Ja“, sagt Luke. „Deine Mutter war sexuell verklemmt, dein Vater hat von ihr nie bekommen, wonach er sich sehnte.“

Geschäftsmäßig sezieren Luke und Lorelei ein Leben, genauer gesagt: unsere Legende. Dann stehen beide auf, es ist vorbei, nach fünfzig Minuten: Missbrauch mit dreizehn, die Mutter sexuell verklemmt, kein Glück im Leben in den nächsten zehn Jahren, dafür eine Immobilie in Südfrankreich. Das Gespräch kostet 150 Euro in bar, eine Quittung gibt es nicht. „Du hast ein glückliches Händchen für Geld“, sagt Lorelei und wünscht alles Gute.

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