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Das Geschäft mit der Astrologie : Die Seelenverkäufer

Andrea: Ob ich mit dem Partner, mit dem ich jetzt zusammen bin, zusammen bleibe.

Lorelei: Sein Datum?

Andrea: Das ist der 19. 8.

Lorelei: Du zweifelst aber ziemlich oft an ihm. Du bist diejenige, die das alles ein bissel aus dem Ruder haut. Du verdrängst ihn eher mit deinen vielen Zweifeln.

Luke: Bei ihm geht's gut.

Andrea: Er fühlt sich wohl. Er hat nie aufgehört, seitdem er mit mir zusammen ist, eine andere Partnerin zu suchen. Er nimmt eigentlich, was er findet, er ist sehr exzessiv. Ich hab' unheimlich darunter zu leiden.

Lorelei: Du beendest es aber nicht.

Luke: Er fühlt sich wohl, und du liegst im Keller. Un' weg kommste auch nich.

Andrea: Was komm' ich?

Luke: Du kommst nicht weg.

Lorelei. Du kommst nicht weg von ihm.

Andrea: Ich komm' nich' weg von ihm, ja.

Luke: Symbolisch gesehen hast du ein Bein. Weil du nicht ständig genug laufen kannst. Verstehs du das? Angst vor einer Veränderung.

Andrea: Ich könnte jetzt zum 1. 8. ausziehen und könnte diesem ganzen Leiden ein Ende bereiten. Ich hab' sehr unter ihm gelitten. Wir ham' uns vor zehn, zwölf Tagen sehr gestritten. Wir ham' uns geschlagen. Wir ham' beide ziemlich viel abbekommen.

Lorelei: Das ist Hassliebe, einfach. Das ist so: deine vielen Zweifel, alles, was sich in deinem Kopf da abspielt. Wenn du so weitermacht, kommst du noch weiter in den Keller runter. Es gibt Menschen, so wie du, Andrea, die müssen erst ganz unten sein, durchs Leid laufen, bis se mal irgendwo Nägel mit Köpfen machen. Und du bist eine davon, wo es nicht eher funktioniert, bis du ganz unten bist. Das ist schade, Andrea. Das hast du eigentlich nicht verdient. Aber das ist bei dir so. Aber man kann was verändern, wenn man das möchte. Man kann was verändern.

Luke: Die ja auch schon mal handgreiflich, ne?

Andrea: Ja.

Lorelei: Ja, die ham sich ja schon geprügelt.

Luke: Als Kind da, in der Jugend. Für dich wäre es irgendwo besser, wenn du dich lösen würdest.

Andrea: Ja ist gut. Ich danke euch.

Das Spiel mit der inneren Unsicherheit

Die Wortwechsel gleichen sich, und sie stammen aus dem Lehrbuch. Die Berater verkaufen mit Psychojargon aufgemöbelte Trivialitäten, die so vage gehalten sind, dass sie auf alles und jeden zutreffen oder so brutal deutlich, dass sie keinen Widerspruch dulden. Die Wahrsager sind der wichtigste Baustein des industriellen esoterischen Komplexes. Sie sind die Jauchs und Gottschalks der Astrologie. Sie schwingen sich zu Autoren fremder Lebensgeschichten auf, zu auktorialen Schicksalserzählern. Das Geheimnis ihres Erfolges ist ihr Anspruch auf Allwissenheit. Für die Hilfesuchenden werden sie zur Instanz.

Die Deutung gegenwärtiger und zukünftiger Lebenszusammenhänge verläuft nach dem immer gleichen manipulativen Muster. „Cold reading“ nennt man das Verfahren, kaltes Lesen. Der amerikanische Psychologe Bertram Forer hat in einem einfachen Text gezeigt, dass es Äußerungen gibt, die 95 Prozent der Menschen als zutreffend bezeichnen. Zum Beispiel: „Sie wünschen sich, dass andere Leute Sie mögen und bewundern, und dennoch tendieren Sie zu einer kritischen Meinung über sich selbst. Sie haben zwar ein paar persönliche Schwächen, können diese aber im Allgemeinen ausgleichen. Sie verfügen über einiges Potential, das Sie bisher noch nicht zu Ihrem Vorteil genutzt haben. Nach außen hin wirken Sie diszipliniert und selbstbewusst, jedoch sind Sie innerlich beunruhigt und unsicher.“

Die Karten lügen nicht

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