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Das Finale von „Breaking Bad“ : „Ich war richtig lebendig!“

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Letzte Blicke: Bryan Cranston als Walter White und der Drogenboss Gus Fring (Giancarlo Esposito) Bild: AP

Die Geschichte von Walter White ist zu Ende. Der Chemielehrer, der zum Drogenkoch wurde, verlässt den Highway zur Hölle nicht. Und doch gönnt ihm der Serienschöpfer Vince Gilligan einen Augenblick der Erlösung. Wer den Schluss selbst sehen will, sollte diesen Text nicht lesen.

          Am Ende blieb ihm doch noch ein kleiner Moment des Glücks. Wie Walter White (Bryan Cranston) versonnen den Tank im Methamphetamin-Labor streichelt, bevor nur eine Blutspur auf dem Edelstahl zurückbleibt und Walt tot am Boden liegt - das verdoppelte das Gefühl am Schluss einer der besten Serien aller Zeiten: Es hat sich gelohnt.

          Selten ist das Finale einer Fernsehserie so fiebrig erwartet worden wie dieses. Der kleine Kabelsender AMC rief 300.000 bis 400.000 Dollar als Preis für einen dreißig Sekunden langen Werbespot während der letzten Folge von „Breaking Bad“ auf. Das ist mehr, als die großen Networks bei ihren großen Serien verlangen, die mehr als dreimal so viele Zuschauer aufweisen können. Die Medien überschlugen sich mit Spekulationen über den Schluss. Das Branchenmagazin „Entertainment Weekly“ veröffentlichte die Prophezeihung der gesamten Redaktionsmannschaft in Tweetlänge: Koma-Traum, Methlab-Explosionen und Selbstmord waren darunter, und natürlich auch ein paar richtige Vermutungen.

          Rache und Abschied

          Ja, die großkalibrige Waffe in Walts Kofferraum wurde Jack (Michael Bowen) und seiner Neonazi-Bande zum Verhängnis, wie es viele schon  vermuteten, auch die Spekulation, dass das Ricin in Lydias (Laura Fraser) Tee enden würde, traf zu. Und Jesse (Aaron Paul) kommt wirklich mit dem Leben davon.

          Es war keine grundstürzende Folge wie die kurz vor dem Finale gelaufene Episode „Ozymandias“, in der Walt verhaftet wurde, sein Schwager Hank (Dean Norris), der Drogenermittler, starb, die Drogen-Millionen gestohlen wurden und Walt mit einem giftigen (und zugleich zu ihrem Schutz kalkulierten) Anruf bei seiner Frau Skyler (Anna Gunn) den sich im Internet austobenden Kritikern dieser Figur (und der Schauspielerin)  den Spiegel vorhielt. Gilligan und seine sechs Ko-Autoren haben den Tonfall fünf Staffeln lang gehalten, und am Ende disziplinierten sie sich zu einem vielschichtigen Schluss, in dem Walt Rache und Abschied nimmt – von seiner Familie, von seinem Geld, und zuletzt von seinem alter Ego Heisenberg. Und doch, was bleibt, ist ein Trümmerbild in der Wüste.

          Von der kriminellen Dynamik, die er in Gang brachte, überrollt: Walter White bezahlt den Flirt mit dem Drogenmilieu am Ende mit seinem Leben

          „Breaking Bad“ war hinreißend gefilmt, hervorragend gespielt und mit Nebenfiguren ausstaffiert, die alle ihre eigene Serie verdient hätten – vom ebenso feinsinnigen wie bescheidenen Drogenboss Gus Fring (Giancarlo Esposito) über den knarzigen  Mike (Jonathan Banks) bis zum witzigen Anwalt Saul Goodman (Bob Odenkirk), der mit „Better Call Saul“ tatsächlich einen eigene Serie  bekommt.

          Aber die erbarmungslose Konsequenz (und der schwarze Humor), mit welcher Vince Gilligan diese große Tragödie von einem Mann erzählte, der von seinem eigenen Ego aufgefressen wird, ging so tief, wie es nur wenige Fernsehstücke schaffen. Bisher galt es als Tabu, ein Kind sterben zu lassen (bei „Game of Thrones“ wird eines aus dem Fenster geschubst, überlebt aber). Hier kamen  gleich zwei ums Leben. Wenn es schien, als könne das Entsetzliche noch abgewendet werden, passierte es dennoch. Wenn die Rettung nahe schien, blieb sie doch aus – alles im Dienst einer komplexen, spannenden Geschichte vom Abstieg eines harmlosen Nobody zum größenwahnsinnigen Monster.

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