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Film-Remake von „Mortal Kombat“ : Können Hiebe Sünde sein?

Frisch zurück aus der Hölle: Scorpion (Hiroyuki Sanada) heizt seinem Kontrahenten Sub-Zero ein. Bild: AP

Prügelfuge ohne Musik: Es gibt eine neue Filmadaption des Videospiels „Mortal Kombat“, in der die Fäuste fliegen, ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

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          Es muss das Jahr 1995 gewesen sein. Ein Geburtstag, an dessen Abend sechs halbstarke Zwölfjährige so gebannt wie erschöpft vor dem Fernseher saßen und höchst agilen Männern und Frauen in bunten Kostümen dabei zusahen, wie sie sich zu mittelmäßiger Techno-Musik Fäuste, Füße, Feuerbälle und grenzwertige Sprüche um die Ohren pfefferten. Gegeben wurde – heute schämt man sich fast ein wenig – die schrecklich schöne Verfilmung des schrecklich schönen Beat-em-Up-Videospiels „Mortal Kombat“ mit Christopher Lambert als Donnergott und Beschützer der Menschheit, Lord Raiden.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Nach der Sichtung ging es vor die Tür: Gesehenes musste erprobt werden, allerdings nicht in Form gewalttätiger Konfliktlösung. Stattdessen Aufstehen aus der Rückenlage ohne Zuhilfenahme der Arme, allein durch den Schwung der angewinkelten Beine und Anspannen der seinerzeit noch nicht komplett degenerierten Bauchmuskeln. So wie es der Kampfsportler und Wrestling-Doktor François Petit in seiner Rolle als „Sub Zero“ im Kampf gegen den Shaolin Mönch Liu Kang (Robin Shou) im Film vorgemacht hatte. Es muss trotzdem ausgesehen haben wie eine Gruppe umgedrehter Käfer in zu großen Hosen.

          Und während der Film, seine Fortsetzungen und zum Glück auch die Serienadaption „Mortal Kombat: Conquest“ (1998 bis 1999) wieder in Vergessenheit gerieten, schlug sich die Spielereihe weiter wacker, obgleich, oder gerade weil sie in Sachen ausgestellter Brutalität ihres Gleichen suchte. Mittlerweile gibt es elf Teile, von denen der erste, damals entwickelt vom amerikanischen Studio Midway Games, in Amerika verboten werden sollte und in Deutschland von der Bundesprüfstelle indiziert wurde. Das machte das Spiel, bei dem im Gegensatz zu Genre-Kollegen wie der „Street Fighter“- oder „Tekken“-Reihe groteske Blut- und Tötungsanimationen („Fatalities“) zum Einsatz kamen, um so begehrter. Irgendein großer Bruder, der das Spiel weiß Gott woher hatte, fand sich immer.

          Teilt gerne grob aus: Josh Lawson als Kano
          Teilt gerne grob aus: Josh Lawson als Kano : Bild: AP

          Seit die Fortsetzung „Mortal Kombat 2 – Annihilation“ im Jahr 1997 in einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung Fans, Kritiker und Kassen gleichermaßen enttäuschte, gibt es die Idee, eines dritten Teiles, der Ruhm und Ehre dieses Prügelfugen-Franchises wiederherstellen soll. Der Australier Simon McQuoid wurde auserwählt, es mit der auf Hochglanz polierten Wiederauflage von „Mortal Kombat“ zu versuchen, die in Amerika am 2. Mai gleichzeitig in den Kinos und auf HBO-Max anlief.

          Dabei landet McQuoid einige Treffer, kommt allerdings nicht ohne blaues Auge davon. Die Handlung lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die Champions der Menschen müssen das „Mortal Kombat“ genannte interdimensionale Faustkampf-Turnier gegen die Kämpfer von „Outworld“ gewinnen, weil dessen Anführer, der seelenverschlingende Zauberer Shang Tsung (Chin Han) andernfalls ins Recht gesetzt wird, die Erdenwelt zu erobern. Ihm steht besagter Donnergott Lord Raiden entgegen (Japans Allzweckwaffe Tadanobu Asano), der selbst nicht eingreifen darf, aber dafür sorgen kann, dass seine Schäfchen bereit sind, wenn sie ihrer Stunde schlagen. Die Schäfchen sind im ersten Teil dieser neuen Reihe: Cole Young (Lewis Tan), Nachfahre des legendären Shirai-Ryu-Klan-Anführers Hanzo Hasashi (genannt Scorpion, Hiroyuki Sanada), Ex-Elite-Soldatin Sonya Blade (Jessica McNamee), ihr Vorgesetzter Major Jackson „Jax“ Briggs (Mehcad Brooks) und Liu Kang (Ludi Lin).

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