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Aus für „Wetten, dass..?“ : Keine Wetten mehr

  • -Aktualisiert am

Bessere Zeiten: Frank Elstner als Moderator von „Wetten, dass..?“ Bild: dpa

Das Ende von „Wetten, dass..?“ kommt nicht von ungefähr. Das jüngere Publikum wollte schlicht nicht nachwachsen. Wer Markus Lanz jetzt den schwarzen Peter zuschiebt, macht es sich zu einfach.

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          Was waren das für Zeiten, als die Feuersteins abends ins Lagerfeuer stierten! Vergangen. Was waren das für Zeiten, als die Schmidts am Samstagabend gemeinsam im blauen Schein des Fernsehers meditierten! Vorbei. Das Ende von „Wetten, dass..?“ ist auch das Ende einer Familienaufstellung der Generation der Kinderreichen: Es ist geradezu ein kulturhistorischer Topos, dass Kinder einst am Samstag nach dem Baden noch vor den Fernseher durften.

          Es ist kein Zufall, dass die Unterhaltungssendung nach gut drei Jahrzehnten zum Ende dieses Jahres eingestellt wird. Dieser Zeitraum entspricht in etwa einer Generation. Die Zuschauer sind mit der Sendung älter geworden, das jüngere Publikum wollte einfach nicht nachwachsen. In der Erinnerung fällt einem die Wette ein, in der sich möglichst viele Menschen in eine Telefonzelle quetschten – Telefonzellen gibt es auch nicht mehr.

          Aber es wäre zu kurz gegriffen, die Krise der Samstagabend-Unterhaltung auf die Medienkonkurrenz durch Handy und Computer zurückzuführen. Man bindet sich nicht mehr so leicht an Institutionen, nicht an Parteien, Kirchen, Familien – auch nicht an Medieninstanzen. Zudem ist in der Eventgesellschaft der Kampf um Aufmerksamkeit schärfer geworden. Nicht einmal Familienclown Thomas Gottschalk, der in seinen besten Jahren Höhepunkte der deutschen Fernsehgeschichte hervorbrachte, konnte da mithalten. Das Scheitern von „Wetten, dass..?“ war besiegelt, als der schreckliche Sturz von Samuel Koch auch die öffentlich-rechtliche Anbiederung an die Maxime Schneller, Höher, Weiter zu Fall brachte.

          Markus Lanz konnte es nicht retten – je mehr er sich bemühte, desto weniger gelang es ihm, wie auch schon das blamable Kurzzeit-Engagement von Cindy aus Marzahn zeigte. Die großen alten Unterhalter à la Kulenkampff und Elstner kommen heute eher in Gestalt von Stefan Raab daher. Die neue Krawallkultur kroch denn auch im Umgang mit Markus Lanz aus dem kollektiven Unbewussten hervor. Es war unwürdig, wie der Moderator niedergemacht wurde. Zweifellos war er am falschen Platz. Aber der Bote wurde auch deswegen verteufelt, weil man die Botschaft meinte. Die Aggressionen gegen den glücklosen letzten Moderator zeigen, dass man mit einem alten Zeitalter Schluss machen wollte. Das Ende der einst so unterhaltsamen Sendung war nicht kurzweilig.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

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