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„Das Ende einer Nacht“ im ZDF : Es wäre ihm zuzutrauen, oder nicht?

Duell der Worte und Paragraphen: Die Richterin Katarina Weiss (Barbara Auer, links) und die Strafverteidigerin Eva Hartmann (Ina Weisse) Bild: ZDF/Martin Valentin Menke

Frau gegen Frau, Richterin gegen Anwältin: Barbara Auer und Ina Weisse brillieren im ZDF-Film „Das Ende einer Nacht“, in dem es um mögliche Vergewaltigung in einer Partnerschaft geht.

          Vergewaltigungen, die sich innerhalb einer Partnerschaft ereignen, sind bei der strafrechtlichen Würdigung manchmal keine einfache Sache. Wie glaubhaft ist die Aussage des mutmaßlichen Opfers? Welche zusätzlichen Indizien gibt es aus der Beziehungsgeschichte, die dessen Angaben weiter plausibel machen können? Oder weisen die Spuren eher in die Richtung einer Rache der aus ganz anderen Gründen gekränkten, womöglich betrogenen Frau? Welche Vorgeschichte von seelischer Rohheit und körperlicher Gewaltbereitschaft kann man bei dem mutmaßlichen Täter finden? Selbst ein medizinisches Gutachten vorausgesetzt: Kann sich das Opfer die Blutergüsse, die Schnittwunden am Ende selbst beigebracht haben?

          Lorenz Jäger

          Redakteur im Feuilleton.

          Der Fall des Wettermoderators Jörg Kachelmann hat die Probleme solcher Beweiserhebungen über Monate der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht, auf seine Weise auch das New Yorker Verfahren gegen Dominique Strauss-Kahn. In beiden Fällen gab es eine starke affektive Bereitschaft zu Vorverurteilungen. Aber daraus, dass man diesen Männern die Tat irgendwie vage zutrauen konnte, wurde, aus sehr verschiedenen Gründen, in beiden Fällen kein gerichtsverwertbarer Beweis.

          Um einen vergleichbaren Sachverhalt, einen fiktiven, aber im Drehbuch von Magnus Vattrodt sehr gut konstruierten, geht es heute Abend im ZDF. Auch wer sich mit einer gewissen Skepsis auf diesen Film von Matti Geschonnek einlässt, wird schon nach einer Viertelstunde vom Ergebnis positiv überrascht sein.

          Mitglied der Toskana-Fraktion

          Einander gegenüber stehen sich die Richterin Katarina Weiss (gespielt von Barbara Auer) und die Rechtsanwältin Eva Hartmann (Ina Weisse). Beide von einer ganz außergewöhnlichen Präsenz. Die Richterin etwas fraulicher und lebenszugewandter, gern mit einem Glas Rotwein zu sehen. Bücher zu Hause hat sie nicht nur zum Schmuck, ein ruhiger intellektueller Ehemann erhöht ihren Glanz (Matthias Brandt spielt gerade diesen Typus wunderschön) - kurz, sie ist in einem unaufdringlichen, angenehmen Sinn ein Mitglied der Toskana-Fraktion.

          Ina Weisse als Rechtsanwältin ist nicht genug zu loben; durchaus etwas kälter und machiavellistischer als die Richterin, härter zu sich selbst, und den Mund kann sie nicht aufmachen, ohne unmittelbar ein Bild von dem zu geben, was man so Intelligenz nennt - nicht nur in dem, was sie sagt, sondern vor allem, wie sie es sagt.

          Es ist die Persönlichkeit der Schauspielerin selbst, die zu dem Vergnügen des Zuschauers beiträgt. Was aber weiter die ganz ungewöhnlichen Qualität des Films ausmacht, ist merkwürdigerweise der strengste Kalkül: Es steht immer eins zu eins.

          Von den beiden Frauen ist nicht die eine nun etwa die Gute und die andere die Böse. Moralisch sind sie einander gleichwertig, auch in ihren Fehlentscheidungen. Die Anwältin hatte Freispruch für einen Mandanten erreicht, der kurz danach eine Prostituierte ermordete - heißt er zufällig Bormann wie ein bekanntes Monstrum der neueren Geschichte?

          Die ersten Bilder scheinen evident

          Die Richterin hatte einen gewissen Weininger (heißt er zufällig so wie der berühmteste Frauenfeind der Literaturgeschichte: Otto Weininger?) für fünf Jahre hinter Gitter gebracht, erst später stellte sich seine Unschuld heraus. Wenn bei der Richterin ein gerüttelt Maß an Selbstgerechtigkeit negativ zu Buche schlägt (ihr Mann hält es ihr einmal vor), so bei der Anwältin, die aus einer Wirtschaftskanzlei kommt, ein überscharfer Zynismus als deformation professionelle. Nach dem Irrtum mit Bormann hat sie sich von ihrem Partner getrennt.

          Der Softwareunternehmer Werner Lambert also (von Jörg Hartmann gerade so arrogant, ja antisozial und innerlich verroht gespielt, dass man ihm alles zutraut) soll die Tat begangen haben, und die ersten Bilder, die man aus der Wohnung sieht, scheinen auch völlig evident. Einen kurzen Prozess sieht die Richterin vor sich. Sie will ja mit ihrem Mann noch das Wochenende in Mailand nachholen. Doch dann kommt die Rechtsanwältin zum Zuge, erst mit bloßen juristischen Kunstgriffen, dann mit ernsthafteren Zweifeln, schließlich aber auch mit Zweifeln an ihrem Mandat. Man darf wohl so viel verraten: Die Zweifel lösen sich nicht wirklich auf.

          Ein letzter Grund für das Gelingen des Films: Er ist sparsam und hält sich von jeder Überlastung fern. Wenn man im Hintergrund den realen Kachelmann-Prozess erkennen kann, dann fehlen doch die journalistischen Nebenrollen, die dort das Verfahren zeitweise fast überdeckten. Kalkül und Ökonomie der Handlung, dazu zwei starke weibliche Persönlichkeiten - ein Glücksfall der Fernsehunterhaltung.

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