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Das Duell kann beginnen : Neunzig Minuten für die Merkel-Steinbrück-Show

Bild: Greser & Lenz

Vom „TV-Duell“ hängt angeblich der Ausgang der Bundestagswahl ab. Folgt man der Forschungsgruppe Wahlen, haben sich an die 75 Prozent der Bürger noch nicht entschieden, wie sie am 22. September abstimmen.

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          Folgt man dem „Deutschlandtrend“ der ARD, ist das „Fernsehduell“ entschieden, bevor es begonnen hat. Demnach glauben 48 Prozent der Bundesbürger, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Sache für sich entscheidet, nur 26 Prozent rechnen damit, dass Peer Steinbrück besser aussieht. Vor vier Jahren war das Verhältnis - vorab - allerdings noch eindeutiger. Da hieß es 64 Prozent für Merkel, fünfzehn Prozent für Frank-Walter Steinmeier.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Doch vor dem Duell ist bekanntlich nicht nach dem Duell, und nach dem Duell ist immer noch vor der Wahl. Für deren Ausgang, wie die Sender zu glauben scheinen, von dem Aufeinandertreffen alles abhängt. Entsprechend aufgeregt ging das Vorspiel ab. Dass Stefan Raab für Pro Sieben als Fragesteller auftritt, verwirrte zuerst Peer Steinbrück und dann hochrangige Redakteure von ARD und ZDF.

          In der ARD gab es einen internen Wettbewerb um den Job des Fragestellers, den Anne Will für sich entschied, bei RTL (Chefredakteur Peter Kloeppel) und ZDF (Maybrit Illner) verlief die Sache wesentlich unaufgeregter. Den wichtigsten Satz dazu sagte Maybrit Illner in dieser Zeitung: „Um diese vier Journalistenköppe geht es doch nicht.“

          Losentscheid: Der Herausforderer beginnt

          Groß auftrumpfen sollen die Moderatoren in der Tat nicht. Sie stecken in einem engen Korsett, mussten die Themengebiete abstecken: Soziales und Arbeit, Finanzen und Steuern, Sicherheit und Datenskandal der NSA, Europa und Syrien. Um Dubletten zu vermeiden, müssen sie jede Frage neben die nächste legen und haben darauf zu achten, dass die Redezeit zwischen Merkel und Steinbrück paritätisch verteilt ist, maximal eine Minute länger als der jeweils andere dürfen sie sprechen.

          Per Los wurde entschieden, dass die erste Frage an den Herausforderer geht und die Kanzlerin das letzte Wort hat. Platte Slogans werden schon jetzt geprägt (dpa: „Teflon gegen klare Kante“), die Regierung spielt die Bedeutung des „Duells“ herunter, die SPD setzt sie hoch an.

          Bedeutsam ist die Debatte mit Blick auf die Unentschlossenen. Folgt man der Forschungsgruppe Wahlen, haben sich an die 75 Prozent der Bürger noch nicht entschlossen, wen sie wählen. Stimmte das, könnte man alle Umfragen in den Wind schreiben.

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