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Zukunft des Hörfunks : Das Radio von morgen haben wir schon heute im Ohr

  • -Aktualisiert am

Zügiges Handeln ist gefragt

Die Geschwindigkeit der digitalen Transformation zwingt Medienunternehmen zum zügigen Handeln. Es ist unabdingbar, Innovationen weiter voranzutreiben. Dazu ist Risikobereitschaft erforderlich sowie der Wille, sich selbst zu kannibalisieren, um an der Fragmentierung aktiv teilzuhaben und von ihr zu profitieren. Alle Beteiligten - und hier ist auch die Hörfunkregulierung mit eingeschlossen - müssen sich einem Kulturwandel unterziehen. Für die notwendigen Innovationen und die Möglichkeit, den Veränderungen angemessen zu begegnen, ist auch zwingend die Anpassung von gesetzlichen Regelungen vonnöten, damit Hörfunkveranstalter strategisch handlungsfähig werden. Hierzu zählt die Schaffung eines flexibleren rechtlichen Ordnungsrahmens für den privaten Hörfunk. Radiounternehmen sind durch die speziellen Gesetze zur Verhinderung vorherrschender Meinungsmacht über Gebühr belastet. Diese wurden in einer Zeit eingeführt, als noch keine Musikdienste einen Großteil der Online-Audionutzung auf sich vereinten und lokale Hörfunkveranstalter nicht mit international agierenden Konzernen im Wettbewerb um Personal, Nutzer und Werbekunden standen. Heute wird das Verhältnis von Groß und Klein in der Audiolandschaft neu definiert, aber die gesetzlichen Grundlagen für die Veranstalter von Hörfunk sind gleich geblieben. Sie gehen davon aus, dass diese mit ihren Radioprogrammen übermächtig sind und mit starken Beschränkungen versehen werden müssen. In den Mediengesetzen vieler Bundesländer sind diese Reglementierungen zu finden, die es Radioveranstaltern beispielsweise nicht erlauben, mehrere lineare Programme in einem Sendegebiet zu veranstalten oder die Mehrheit der Anteile an dem Unternehmen in der Hand eines Gesellschafters zu bündeln und damit schneller entscheidungs- und handlungsfähig zu sein. Absurd daran ist, dass Online-Musikdienste mit viel größerer Reichweite unreguliert im Markt agieren können und durch die zunehmende Einbindung von Wortinhalten und Personalities dem klassischen Radioprinzip immer ähnlicher werden.

Die Möglichkeiten der digitalen Transformation nutzen zu können ist wichtiger denn je. Die Veränderungsprozesse schaffen neben der entstandenen Konkurrenz auch viele Chancen. Es können neue Hörerschichten erreicht und neue digitale Produkte angeboten werden, die Erlöspotentiale und eine unbegrenzte Vielfalt mit sich bringen. Diese Vielfalt ist auch das vordergründige Ziel der deutschen Medienpolitik. Mit einer Umstellung der Radioverbreitung auf die digitale Terrestrik über DAB+ wird dieses Ziel aber nicht erreicht werden. Was könnte die Medienpolitik stattdessen für den privaten Hörfunk tun? Wichtige Schritte wären der Abbau der Beschränkungen aus analogen Zeiten, die Wiederherstellung des Gleichgewichts im dualen System und die wirklich digitalen Verbreitungswege für den Hörfunk offenzuhalten. Hierbei sind Netzneutralität, Diskriminierungsfreiheit und Auffindbarkeit für die Angebote der Radiounternehmen in digitalen Netzen und auf Plattformen gefragt.

Die Radio-Debatte

Jürgen Brautmeier, Chef der Landesmedienanstalt in Düsseldorf, und NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann haben an dieser Stelle die Debatte über das digitale Radio eröffnet und kritisiert, wie der Wechsel von UKW auf DAB hierzulande vonstattengeht. Die ARD-Intendanten Willi Steul, Karola Wille und Ulrich Wilhelm haben geantwortet. Kai Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Antenne Niedersachsen, machte die Einwände der betroffenen Privatsender geltend. Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, beleuchtete den Stand der Dinge aus Sicht der Landesmedienanstalten. Gert Zimmer, der Chef von RTL Radio Deutschland, setzt die Debatte fort.

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