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„Married“ bei ProSieben Fun : Das Bett wackelt schon wieder

  • -Aktualisiert am

Sucht nach einer passenden Gespielin: der Grafikdesigner Russ (Nat Faxon) Bild: Pro Sieben Fun

Der erste Eindruck täuscht: Die Comedy-Serie „Married“ entwickelt sich zu einer melancholisch grundierten Beziehungskomödie, kennt aber vor allem zu Beginn keine Scheu vor zotigen Witzen.

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          Man sollte darauf achten, nicht an den falschen Stellen zu lachen. Aber so im Prinzip? Ehe-Komödien gehen immer. Sie müssen nicht mal an den Goldstandard der Branche heranreichen, den Produktionen wie die im Frühjahr mit Folge 250 abgeschlossene Serie „Modern Family“ oder die herbe, vergleichsweise nüchterne britische Sitcom „Catastrophe“ definieren.

          Die Serie „Married“, die sich zunächst auf einen geheimnisumwitterten Aspekt des Ehelebens spezialisiert – das Bett –, hat nach ihrer Premiere 2014 durchwachsene Kritiken bekommen. Und schon der derbe Humor, der zu einer endlosen Aneinanderreihung vulgärer Vokabeln führt, ist nicht jedermanns Ding. Ein Rätsel, wie das mit der Serienprogrammierung auf Pro Sieben Fun um 19.45 Uhr zusammenpasst. Es ist aber nicht unlustig, wie Serienschöpfer Andrew Gurland in „Married“ einem sexfixierten, für die Familienlogistik untauglichen Ehemann und seiner erschöpften Ehefrau folgt: Grafikdesigner Russ Bowman (Nat Faxon) will ständig und immer. Gattin Lina (Judy Greer) will selten bis nie. Und je stärker Russ drängt, je lauter er winselt, umso entnervter fordert sie ihn zu einem Seitensprung auf. Ob sie das ernst meint? Linas Blick zeigt, dass sie es selbst nicht weiß. Aber Hauptsache, Zeit zur Erholung vom Alltag mit drei Kindern und Ruhe zum Lesen, Vampire und so was.

          Mit dem Versuch, eine zur Seitensprungerlaubnis passende Gespielin zu finden, beginnt „Married“: Russ, der für sein penetrantes Paarungsverhalten in der Regel mit der Verbannung aufs Sofa bezahlt, berät Linas Vorschlag mit Saufkumpanen wie der lustvollen Jess (Jenny Slate), die mit dem weit älteren Shep (Paul Reiser) verheiratet ist, und schon gräbt Russ eine Fachfrau für Wachs-Epilation an, die er mit geheucheltem Interesse an Schicksalsschlägen und dem spontanen Kauf eines Hundewelpens beeindruckt. Zum erhofften Vollzug kommt es nicht, weil Russ im entscheidenden Moment Skrupel bekommt und das Telefon bimmelt: Krisensitzung daheim, avanti, avanti, der Goldfisch ist tot.

          Zu Beginn hart an der Grenze des Geschmacklosen

          Ähnlich desaströs verläuft der Plan seines frisch geschiedenen Kumpels A.J. (Brett Gelman), Russ und sich selbst mit Hilfe zweier Escort-Ladys einen wilden Abend zu gönnen: Wieder muss Russ los zu seiner Familie; wieder ist er nicht traurig über die Störung, weil er genau weiß, dass es das nicht sein kann. Lina legt derweil nach: Sie überredet Russ zu einer Vasektomie, auf dass er, sollte es mit dem Fremdsex doch klappen, die Familie nicht für eine neue verlässt. Gleichzeitig hat sie Angst, bei einer ihrer seltenen Zusammenkünfte zum vierten Mal schwanger zu werden. Denn auch das können sich die Bowmans zurzeit nicht leisten. Die Flaute im Bett ist nichts im Vergleich zur Flaute im Portemonnaie. Der schönste Einfall von „Married“ war ein Werbeplakat zur Serie, das zwei stumm schreiende Ehepartner an einem Geländer zeigte – im Stile von Edvard Munchs „Schrei“. Im Hintergrund drei Kinder und das Häuschen, das den Bowmans noch Kopfschmerzen bereiten wird.

          Dass die Serie ähnlich nett wie dieses Reklamebild werden könnte, ist anhand der Pilotfolge noch nicht erkennbar. Der Pilot schrammt humoristisch hart an der Grenze des Geschmacklosen entlang, und die Idee, „Married“ als Serie über ein Paar zu verkaufen, das zur Rettung des Seelenfriedens über eine Öffnung der Beziehung nachdenkt, erwies sich im Nachhinein nicht als clever. Drehbuchautor Andrew Gurland sagte bei „vox.com“: „Vielleicht hätten wir ihn (den Piloten) nicht ausstrahlen sollen, aber ich hielt ihn für gut. Er gab vielen Leuten einen falschen Eindruck der Serie.“

          In den Folgen danach beginnt sich „Married“ zu einer melancholisch grundierten Beziehungs-Comedy für zwischendurch zu entwickeln, getragen von zwei Schauspielern, die von ihren Rollen sichtlich amüsiert sind. Von den Bowmans erzählt noch eine zweite Staffel. Anschließend zogen Andrew Gurland und vor allem Nat Faxon zur Netflix-Serie „Friends from College“ weiter.

          Married, um 19.45 Uhr bei Pro Sieben Fun.

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