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Das „2020-Game“ : Warten auf das Extraleben

Statt Pasta? Schnell im Supermarkt noch etwas Klopapier mitnehmen Bild: 2020 Game/Max Garkavyy

Wenn es doch nur so einfach gewesen wäre: Ein Videospielentwickler hat die Katastrophen und Hürden des vergangenen Schreckensjahres in ein leichtfüßiges „2020 Game“ gepackt, das nicht verharmlost, sondern verwandelt.

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          Was Humor, Langeweile und Einfallsreichtum im besten Fall auch leisten können, ist, den hässlichen Dingen des Lebens – etwas Abstand vorausgesetzt – ihren Schrecken zu nehmen, sie zu verkleinern und in eine Art metaphysische Schneekugel zu verwandeln. Sie wissen schon, diese entsetzlichen Plastikbehälter, gefüllt mit Plastikpanoramen, Plastikschnee und Wasser. Darin lässt sich das Übel in handlichem Format betrachten – und bei Bedarf schütteln. Dann schneit es. Wie schön.

          Etwas Ähnliches hat der Entwickler Max Garkavyy mit dem Jahr 2020 gemacht. Nämlich das Videospiel „2020 Game“, das jeder mit einem Click in seinem Browser aufrufen kann und das (großes Plus) je nach Geschick kaum mehr als zehn Minuten Zeit raubt, bevor es definitiv (!) zu Ende ist. Wir bewegen einen schwarzhaarigen Mann zu Edvard Griegs „Morgenstimmung“ aus dem Jahr 2019 ins Australien des Jahres 2020. Der Wald brennt, ein Baum fällt, ein Koala schreit, alles im Laufschritt à la Super Mario. Kaum aus dem Wald, beginnt die Katastrophe, angekündigt durch eine tieffliegende Fledermaus: die Pandemie. Wir sammeln eine Maske ein, weichen fußballgroßen Viren aus, springen über die Köpfe der Menschen, die vor dem Supermarkt Schlange stehen, hamstern Lebensmittel, aber vor allem: Klopapier.

          Der Zoom-Call und seine Kommunikationshürden in Zeiten der Pandemie
          Der Zoom-Call und seine Kommunikationshürden in Zeiten der Pandemie : Bild: 2020 Game/Max Garkavyy

          Weiter geht es in die durch den „Lockdown“ von Menschen befreite Natur, Delphine springen aus dem Gras. Doch schon naht die Zoom-Konferenz: „Du bist stummgeschaltet“, „Kann man mich hören?“ Im Vorbeigehen lassen wir eine Blume vor einer Wandmalerei von George Floyd fallen („Never Forget“), weichen wieder „Krankheitserregern“ aus – sie stammen diesmal aus dem Internet. Wenig später rennen wir mit zwei Männern um die Wette und am Weißen Haus vorbei, am Ziel jubelt der Weißhaarige, während der Blonde schmollt. Wäre der Ausblick auf 2021 in Garkavyys Version (Stichwort: „Alien-Zombie-Godzilla“) nicht so düster, dann ließe sich sagen, 2020 war zwar kein Spiel, aber es ist geschafft. So aber warten wir immer noch auf ein Extraleben. Es ist zum Schütteln.

          Axel Weidemann
          (wei), Feuilleton

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