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Daniel Craig und die Babytrage : Null Null Baby

„Entmännlicht“? Daniel Craig mit seiner kleinen Tochter. Bild: © Twitter Piers Morgan / Screenshot F.A.Z.

Bringt eine Kindertrage Männer aus dem Gleichgewicht? Der Moderator Piers Morgan bekommt Kontra, weil er meint, der James-Bond-Darsteller Daniel Craig gebe seine Männlichkeit auf. Da liegt er ganz schön falsch.

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          Da hat Piers Morgan aber ganz schön daneben gelangt. Meinte der Fernsehmoderator doch glatt, nun habe auch James Bond seine Männlichkeit eingebüßt, beziehungsweise dessen Darsteller Daniel Craig. Und warum? Weil der Schauspieler seine kleine Tochter im Babygurt vor dem Bauch trägt. „#emasculatedBond“ hat Morgan sich dazu als Hashtag bei Twitter ausgedacht und meint: „James Bond würde niemals eine Babytrage (Papoose) benutzen.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Für seine Stänkerei bekam er allerdings reichlich Kontra, unter anderem von bekennenden Vätern, die ihre Babys tragen. Die Liste der Einsprüche reicht bis zu Chris Evans, der im Kino den nicht eben besonders unmännlichen „Captain America“ spielt.

          In seiner Talkshow „Good Morning Britain“ beim Sender ITV bekam Piers Morgan von dem Komiker Harry Hill zur Strafe sogar eine Sahnetorte ins Gesicht gedrückt: „Das ist für alle Männer, die Tragetücher nutzen!“ Das hat der nur Krawatten tragende Donald-Trump-Freund Morgan nicht anders verdient. Denn erstens werden Kinder als „Traglinge“ und nicht als „Schieblinge“ oder „Irgendwiemitschlepplinge“ geboren, die man beim Joggen im Hardtop-Kinderwagen vor sich her jagt. Zweitens sorgt das Tragen am Körper für Nähe, Vertrautheit und Beruhigung. Und drittens hat Mann oder Frau beide Hände frei für allerhand andere Verrichtungen und kann nötigenfalls Gegner jedweder Art niederstrecken. So etwas macht James Bond bekanntlich mit links oder dem kleinen Finger. Von wegen „entmännlicht“.

          Trägt Krawatte und manchmal Fliege: Piers Morgan.

          Darum wusste übrigens vor fast fünfzig Jahren schon der japanische Zeichner Kazuo Koike. Sein Manga „Lone Wolf & Cub“ (Kozure Ôkami) handelt von dem verwitweten Samurai Itto Ogami, der auf seinem zugegebenermaßen sehr old-school-mäßig-blutigen Rachefeldzug fortwährend seinen kleinen Sohn Daigoro mit sich herumträgt.

          Mal trägt er ihn auf dem Rücken, mal auf dem Bauch, notfalls auch in einem Bollerwagen, der nebenbei als Waffenarsenal dient. Diesem Babyträger möchte man nicht unbedingt vors Schwert laufen (und ihn in jeder anderen Hinsicht inklusive seines Umgangs mit dem anderen Geschlecht nicht mit als role model bemühen). Man möchte sich bei anderer Gelegenheit auch nicht dem Martial-Arts-Kämpfer Alex Volkanovski messen, der sich ebenfalls als Babyträger outete.

          Was schrieb Chris Evans zu dem Twitter-Gewitter, das Piers Morgan auslöste? „Wer sich so benimmt, muss sich seiner eigenen Männlichkeit ziemlich unsicher sein.“ Nimm dies, Frühstücksmoderator!

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