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„Dallas“ kehrt zurück : Intrigen am Dienstag

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Kein Herz und eine Seele, jetzt in der zweiten Generation: „Dallas“ macht da weiter, wo die geölte Seifenoper Anfang der neunziger Jahre aufhörte Bild: RTL

RTL zeigt neue Folgen von „Dallas“: Auch im neuen Jahrtausend bleibt die Serie eine Familiensaga mit einigen Guten und vielen Bösen. Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht?

          In den achtziger Jahren, genauer gesagt von 1981 bis 1991, lief „Dallas“, dienstags um 21.45 Uhr in der ARD. Es war ein epochales Fernsehereignis, vergleichbar höchstens mit der Konkurrenzserie „Denver“, die von 1983 bis 1990 mittwochs um 21 Uhr im ZDF lief und mit „Dallas“ nicht nur um die Höhe der Schulterpolster wettrüstete, mit denen die weiblichen Darsteller ihre toughe Achtziger-Jahre-Attitüde neben sich hertrugen, sondern auch, was Raffinesse und Boshaftigkeit der Intrigen betraf, die sich die Drehbuchschreiber einfallen ließen, um das von Aerobic und Kaltem Krieg erschöpfte Publikum Woche für Woche in Atem zu halten.

          „Dallas“ kann dabei für sich in Anspruch nehmen, den Cliffhanger für eine Fernsehserie überhaupt erst erfunden zu haben. Da fiel dann in der letzten Sekunde vor dem Abspann ein Schuss, und erst in der nächsten Folge oder Staffel wurde aufgelöst, wer verletzt oder am Ende gar getötet worden war. Es hat wohl auch keine andere Serie je wieder mit derart unglaublichen Wendungen von sich reden gemacht: Wie jeder weiß, der sich an die achtziger Jahre erinnern kann, kam einer der Protagonisten, Bobby Ewing, einmal bei einem Verkehrsunfall ums Leben; da die Quoten daraufhin drastisch zurückgingen, wurde er dreißig Folgen später wieder zum Leben erweckt und seine Auferstehung damit erklärt, dass seine Frau den Unfall und überhaupt die gesamte Handlung der letzten Staffel nur geträumt hatte. Doch an die Achtziger kann sich ja ohnehin nur erinnern, wer sie nicht miterlebt hat, wie der Sänger Falco einmal so schön bemerkte, insofern haben bei den neuen „Dallas“-Folgen auch Nachgeborene eine faire Chance.

          Familiensaga mit Guten und Bösen

          Es ist ohnehin alles sehr einfach. „Dallas“ ist auch im neuen Jahrtausend eine Familiensaga, in der es Gute und Böse gibt. Gut ist zum Beispiel Bobby Ewing (wie früher: Patrick Duffy, der in fortgeschrittenem Alter verblüffende Ähnlichkeit mit Michael Schanze hat). Und gut ist auch dessen Frau. Und sein Sohn. Und die Frau, die jener gleich in der ersten Folge heiraten wird. Böse ist dagegen Bobbys älterer Bruder J.R. Ewing, für den, glaube ich, in den achtziger Jahren eigens das Wort „Fiesling“ erfunden wurde: Ihn spielt weiterhin Larry Hagman, jedenfalls in der ersten Staffel und zu Beginn der zweiten - der Schauspieler starb im November an Krebs. Böse ist auch dessen Sohn. Und die Frau, mit der wiederum jener zusammen ist, lässt sich bestenfalls als ambivalent bezeichnen. Und seine Mutter, Sue Ellen (wie früher: Linda Gray), lässt sich schon auch zum Lager der Bösen zählen.

          Patriarch J.R. (Larry Hagman) erklärt seinem Sohn John Ross (Josh Henderson) das Intrigenbusiness Bilderstrecke

          Gut ist, dass Bobby, in dessen Besitz das riesige Anwesen der Familie ist, die Southfork Ranch für künftige Generationen bewahren und, wie es auch das Testament seiner Mutter, Miss Ellie, vorschreibt, auf dem Grundstück nicht nach Öl bohren lassen will. Fast schon zu gut ist, dass sich sein Sohn sowieso nicht für Öl interessiert, sondern für alternative Energien. Böse ist, dass J.R.s Sohn nun aber partout auf dem Southfork-Gelände nach Öl bohren will. Denn er hat herausgefunden, dass unter dem weiten Land, auf dem heute Pferde und Rinder grasen, sagenhafte Ölvorkommen liegen. Und da er ja böse ist, hat er es natürlich nur auf Geld abgesehen. Und da sein Vater ja der legendär oberböse J.R. ist, ist der innerfamiliäre Konflikt schnell klar: älter gewordener jüngerer gegen älter gewordenen älteren Ewing-Bruder sowie in der jüngeren Generation Cousin gegen Cousin.

          Nun ist es aber so, dass wir inzwischen das Jahr 2013 haben, in dem es Serien wie „Homeland“ gibt. Wir wissen daher, dass gerade Fernsehserien genug Raum für die Darstellung komplexer Charaktere bieten. Und dass es extrem spannend ist, nie genau zu wissen, ob jemand nun eigentlich gut oder böse ist. Und so wirkt das neue „Dallas“ etwas verloren in dieser neuen Zeit, auch wenn man sich Mühe gegeben hat, das Thema Rohstoffgewinnung etwas moderner anzugehen. Aber „Dallas“ heute - das ist ein ganz kleines bisschen so, als würde die „Lindenstraße“ immer noch laufen.

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