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Daimler sponsert Kluge-Film : Die neue K-Klasse

Regisseur Alexander Kluge dürfte sich über das Daimler-Sponsoring freuen. Bild: Matthias Lüdecke

Gespräche über das Edle, Hilfreiche und Gute neben einem Auftritt von Helge Schneider als Doktor Mabuse: Regisseur Alexander Kluge hat nicht nur all das in einem Film untergebracht, sondern sich diesen auch von Daimler finanzieren lassen.

          Man darf es als gutes Zeichen nehmen, wenn dem für die Bereiche Integrität und Recht verantwortlichen Vorstandsmitglied eines Weltkonzerns der Name des Superverbrechers Doktor Mabuse gar nicht erst über die Lippen will. Christine Hohmann-Dennhardt, bis 2011 Richterin am Bundesverfassungsgericht und seitdem Vorstand mit den erwähnten Funktionen bei Daimler, nennt den von Fritz Langs Filmen berühmt-berüchtigt gemachten Schurken denn auch „Doktor Marcuse“.

          Ob sie an Herbert oder Ludwig denkt, mag offenbleiben, denn im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart-Untertürkheim geht es um einen ganz anders gearteten Film: „Signaturen der Verlässlichkeit – Charakter, Realismus, Gleichgewicht“. Was klingt wie ein Werbeslogan für wahlweise die neue A-, C-, E- oder S-Klasse, ist das neue Werk von Alexander Kluge, das deshalb hier seine Premiere erlebt, weil Daimler es in Auftrag gegeben hat; „Grundlage des Filmkonzepts“, teilt die Firma mit, „sind gemeinsame Überlegungen der Projektpartner zu Fragen integren Handelns.“ Wem aber nutzt es? Der Film wird nach der Premiere nicht mehr im Museum laufen, an interne Mitarbeitervorführungen glaubt die zuständige Kommunikationsabteilung auch nicht – „für unsere Meister ist das nichts“.

          Klamauk unterbricht die Erörterungen

          Kluge wird das Werk auf einer der Sendeschienen seiner Produktionsgesellschaft dctp im Fernsehen ausstrahlen, und da passt es gut hin, denn Daimler hat für sein Geld ein reinrassiges Kluge-Produkt bekommen, inklusive dessen Lust an Texteinblendungen, die graphisch aus seligen Letraset-Zeiten zu stammen scheinen, leider aber mittlerweile leicht, offenbar viel zu leicht mit kunterbunten Computerhintergründen unterlegt werden können. Dazu erzählen der Soziologe Dirk Baecker, der Anthropologe Eckhart Voland, der Althistoriker Martin Zimmermann und der Psychologe Gerd Gigerenzer in zu kleinen Sinneinheiten zerhackten Gesprächen mit Kluge vom Edlen, Hilfreichen und Guten. Man lernt jedoch vor allem den rhetorischen Unterschied kennen zwischen einem ständig nach Bestätigung heischenden „Ja?“, wie es Kluge alle zwei Sätze in seine Rede einflicht, und einem aus der Irritation geborenen „Ja!“, wie es Baecker auf fast jede Frage von Kluge antwortet, um dann rasch wieder den Gedankengang aufzunehmen, bei dem ihn die Frage unterbrochen hatte.

          Dann unterbricht Klamauk die Erörterungen: Kein Geringerer als Helge Schneider tritt im Film als Doktor Mabuse auf – Journalisten geht der Name leicht von der Tastatur; warum wohl? –, der über das Los eines Meisterverbrechers in der Finanzkrise reflektiert. Daimler hat aber noch viel mehr für sein Geld bekommen, nämlich Kluge selbst, der vor der Vorführung höchstpersönlich erläutert, warum sein Film nur achtzig Minuten dauert: „damit man noch zehn Minuten darüber reden kann, denn mehr als neunzig Minuten überfordern uns“. Dass er dann zwanzig Minuten vorab extrapoliert und der Projektion eine einstündige Diskussionsrunde folgen lässt, ficht ihn nicht an. Das ist ja noch wenig! Fünf weitere Filme sind doch nebenbei noch entstanden, auch die werden wohl im Fernsehen laufen: die neue K-Klasse. Wir danken Daimler für seine Förderung des Schaffens von Alexander Kluge und damit auch dieser Glosse.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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