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Dänische Nacktsendung : Uns fehlen die Worte

  • Aktualisiert am

Die im Dunkeln: Der Talkmaster Thomas Blachman (Mitte) betreibt ein recht seltsames Casting. Bild: DR 2

Die dänische Talkshow „Blachman“ empört die Gemüter. Dabei dient es einem guten Zweck, Männer über nackte Frauen reden zu lassen, findet die zuständige Redakteurin im Gespräch.

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          Dem dänischen Fernsehen schlug zuletzt viel Bewunderung entgegen. Bei der Talkshow „Blachman“ stockt uns etwas der Atem. Wie kamen Sie auf die Idee, zwei Männer vor eine nackte Frau zu setzen - um sie über deren Körper reden zu lassen wie Juroren eines Casting-Wettbewerbs es tun?

          Die Idee stammt von Thomas Blachman, der ein bekannter dänischer Künstler ist und die sechsteilige Sendung moderiert. Als er mir das Konzept in einer E-Mail schilderte, dachte ich als DR2-Redakteurin spontan: unmöglich, kann man nicht machen. Zugleich fragte ich mich aber: warum nicht?

          Sie stört der Automatismus der Reaktion?

          Wir leben in einer Gesellschaft, die für Gender-Fragen sehr sensibilisiert ist. In dieser Gesellschaft wagen es Männer kaum noch, im öffentlichen Raum über den weiblichen Körper zu reden. Es gibt nur noch Puritanismus und Pornographie, und Blachman wollte untersuchen, was das für das Verhältnis zwischen Männern und Frauen bedeutet. Das fand ich spannend.

          Haben das alle Kollegen im Sender verstanden?

          Eine Kollegin war stark dagegen, okay (Fromberg lacht schallend). Doch die meisten im Sender fanden es interessant, sich auf diese Frage einzulassen. Als öffentlicher Sender sollen wir gesellschaftspolitische Themen diskutieren. Das hier ist ein wichtiges.

          „Unmöglich, kann man nicht machen“, sagte sich Sofia Fromberg. „Zugleich fragte ich mich aber: warum nicht?“
          „Unmöglich, kann man nicht machen“, sagte sich Sofia Fromberg. „Zugleich fragte ich mich aber: warum nicht?“ : Bild: DR 2

          Die Kritiker, die es nun zuhauf gibt, sprechen eher von einer geschmacklosen und auf Quote zielenden Provokation.

          Es ging nicht um Provokation. Wir wollten eine Debatte anstoßen: Ist der weibliche Körper zum Tabuthema geworden? Wir sollten das Gespräch über den weiblichen Körper nicht der Werbung, den Modemagazinen und der Pornoindustrie überlassen. Dort findet der Sexismus statt, wird respektlos über den Körper gesprochen, und genau das wirkt sich schädlich auf den Umgang zwischen Männern und Frauen aus.

          Auch Sie stellen nackte Körper aus.

          Aber doch auf eine recht ästhetische und ruhige Weise. Und ohne Retusche. Wir zeigen die Körper, wie sie wirklich aussehen. Vor allem merken Sie als Zuschauer, wie selbst Thomas Blachman und seine Gäste um Worte ringen. Weil diese Situation für sie ebenfalls fremd ist. Die Männer sind unsicher, wenn sie über Körper reden. Das ist der entscheidende Punkt. Es geht nicht um plumpe Provokation.

          Das verstehen nicht alle Zuschauer.

          Die härteste Kritik wurde bezeichnenderweise vor der Ausstrahlung der ersten Folge geäußert. Sie kam von Bloggerinnen und Frauenverbänden. Heute bekommen wir Zuschauerpost wie diese Nachricht, die uns eine junge Frau über Facebook schickte. In einer Folge schwärmten die beiden Männer auf dem Sofa ganz ehrlich und glaubwürdig über einen Hintern mit Orangenhaut. Das fand sie super - weil es den ganzen Optimierungskult entzaubert.

          Braucht es dafür eine solche Show?

          Ja, die Sendung ist ein ziemlich mutiges Experiment, finde ich. Aber wenn Sie wollen, können wir gern weiter so tun, als würden Männer nicht über weibliche Körper reden. Wir können auch weiter so tun, als würde es Frauen nicht interessieren, was Männer über weibliche Körper denken. Dann kopieren die jungen Leute einfach, was ihnen andernorts präsentiert wird. Was sie in Werbung und Pornoindustrie erleben, fördert den Magerwahn, brutalen Sex und schlimme Respektlosigkeiten.

          Hätten Sie dann nicht zumindest auch zwei Frauen über einen nackten Mann reden lassen müssen? So antwortete ein schwedischer Sender auf „Blachman“.

          Interessanterweise schien das völlig okay zu sein.

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