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Digitalisierung im Hörfunk : Genug geredet, das digitale Radio dreht jetzt auf

  • -Aktualisiert am

Radio aktiv: Die vier Herren der Popgruppe Kraftwerk haben schon im vordigitalen Zeitalter an den richtigen Reglern gedreht. Doch wie sollen wir sie in Zukunft hören? Bild: dpa

Welche Zukunft hat das Radio? Soll es digital werden und DAB+ heißen? Soll es auf UKW bleiben? Oder soll es im Internet laufen? Die ARD und das Deutschlandradio haben eine eindeutige Antwort. Ein Gastbeitrag.

          Wir müssen über die Zukunft des digitalen Radios reden“ - der Titel in dieser Zeitung vom 15. April versetzt ins Grübeln: Ist da an Marc-Jan Eumann (SPD), Staatssekretär für Medien in NRW, und Jürgen Brautmeier, Direktor der Düsseldorfer Landesanstalt für Medien LfM, etwas vorbeigegangen? Worüber reden wir denn eigentlich schon seit Jahren?

          Die Vorteile von Digitalradio liegen auf der Hand: DAB+ ist deutlich kostengünstiger, ist bei erheblich geringerem Stromverbrauch ökologischer und ohne jedes Rauschen glasklar zu genießen. DAB+ bedeutet aber vor allem das Ende der Frequenzknappheit im UKW-Band. Und das heißt: mehr Programme, auch für den Privatfunk, also (leider?) mehr Konkurrenz.

          Ein klarer Vorteil für die Hörer, wenn auch nicht für den, der heute im Besitz einer knappen UKW-Frequenz ist, die ihn vor dem Wettbewerb bewahrt. Brautmeier und Eumann stellen völlig zu Recht fest, dass es eine zentrale medienpolitische Herausforderung ist, im Radiobereich die Vielfalt zu sichern. DAB+ bedeutet nicht nur Sicherung, sondern sogar mehr Vielfalt, da mehr Programme zu erheblich niedrigeren Kosten möglich werden.

          Der Blick nach Bayern hilft

          Der „Diskussionsbeitrag“ aus Nordrhein-Westfalen beschränkt sich auf die Sichtweise etablierter, privater Lokalanbieter in NRW. Wie sehr diese Sicht von Partikularinteressen geprägt ist, zeigt sich daran, dass sie den großen Zuwachs an Vielfalt, der durch Digitalradio möglich wird, schlicht ignoriert. UKW ist auch in NRW seit dreißig Jahren ausgereizt.

          Das Mantra aus Düsseldorf ist so alt wie die Diskussion: „Unsere UKW-Radiolandschaft ist im digital terrestrischen DAB+ nicht abzubilden.“ Punkt. Für etablierte UKW-Anbieter eine komfortable Blockade: keine neuen Wettbewerber für die in NRW monopolartig zugeschnittenen Privatradios um den Preis technologischer Rückständigkeit und Verhinderung längst möglicher Vielfalt.

          So legitim und nachvollziehbar der Wunsch von Verlegern in NRW nach Wahrung ihrer Geschäftsinteressen ist, so legitim und nachvollziehbar ist es, wenn Medienpolitik dies mit berücksichtigt. Aber der protektionistische Blick verhindert die offene Beschäftigung mit möglichen Lösungen. Selbst wenn dies in NRW schwerfällt, ein Blick nach Bayern zeigt, dass es anders geht. Hier sind subregional geschnittene DAB-Netze im Aufbau, zwischen dem Bayerischen Rundfunk und der Landesmedienanstalt BLM verabredet. Intelligent kombiniert, bieten sie auch den Privatradios eine kostengünstige Verbreitung mit neuer Vielfalt für die Hörerschaft.

          Täglich über 200.000 Hörer

          Die Autoren unterstreichen, dass die Digitalisierung der entscheidende Treiber in der Medienwelt ist. Sie erinnern daran, dass im terrestrischen Fernsehen die Umstellung von Analog auf Digital längst erfolgt ist und auch die Einführung des neuen Standards DVB-T2 anläuft. Um dann aber zu fragen: „Ist DAB wirklich die digitale Zukunft des Radios?“ Ihre Antwort: Die Zukunft des Radios liege im Internet und parallel daneben in der alten analogen UKW-Verbreitung.

          Falsch: Auch die Zukunft des Radios ist digital, und sie liegt in der parallelen digitalen Verbreitung über DAB+ und über das Internet. Was für Fernsehen richtig ist, das ist auch für das Radio die Sicherung seiner Zukunft. Völlig unglaubwürdig sind Brautmeier und Eumann, wenn sie Krokodilstränen über angeblich mangelndes Interesse für DAB+ in ihrem Bundesland vergießen, wo doch die Medienanstalt gemeinsam mit der Staatskanzlei die Ausstrahlung eben dieser DAB-Angebote blockiert. Dem WDR wurde erst jüngst ein solches Angebot untersagt.

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