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Digitalisierung im Hörfunk : Genug geredet, das digitale Radio dreht jetzt auf

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Die Autoren weisen auf die Entwicklung im Automobil-Sektor hin. Wo die relevanten Hersteller ihre markenbezogenen und aufs Internet aufsetzenden Geschäftsmodelle entwickeln und angeblich DAB nicht wollen. Es empfiehlt sich abermals ein Blick nach Großbritannien. Dort bieten alle Marken, auch die deutschen, DAB als Standard-Autoradio. Und realisieren dennoch ihre weiteren digitalen, mit Zusatzkosten verbundenen Geschäftsmodelle. Als Erster wird Opel dies ab 2017 auch im deutschen Markt tun. Andere Hersteller, die bisher DAB als Sonderausstattung anbieten, werden nachziehen. Sollen wir wetten?

Ein technologischer Paradigmenwechsel

Frank Nowak, bei Ford zuständig für Multimedia und Infotainment, erklärte vergangene Woche - in Düsseldorf: „DAB ist die Zukunft des Radios.“ DAB passt als „digitales Grundmodul“ nämlich hervorragend zu den optionalen, markenbezogenen Geschäftsmodellen. DAB ist „broadcast“, das heißt eine Sender-Quelle für eine unbegrenzte Zahl von Nutzern ohne zusätzliche Kosten. Internet heißt: für jede einzelne Nutzung eine individuelle Verbindung zum digitalen Absender, einschließlich zusätzlicher Kosten.

Brautmeier und Eumann machen einen Kardinalfehler: Bei DAB+ geht es nicht allein um die moderne und erheblich kostengünstigere Verbreitung von Radio. Diese Betrachtung ist zu kurz. Der technologische Paradigmenwechsel ist auch Grundlage zum Beispiel für eine deutlich verbesserte Verkehrssteuerung, nicht nur des Automobilverkehrs. Über den digitalen DAB-Weg kann neben dem Radio-Signal eine Fülle zusätzlicher Informationen übermittelt werden, der Phantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt.

Eigentlich ist genug geredet

DAB+ hat jenseits der verengten Radio-Diskussion erhebliche wirtschafts- und industrierelevante Implikationen. Erkannt hat dies das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Deshalb hat Staatssekretärin Dorothee Bär im vergangenen Jahr ein fünfzehnköpfiges „Digitalradio-Board“ gegründet. Neben dem privaten und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind mit einem Vertreter der Länder, der Landesmedienanstalten, der Automobil- und Gerätehersteller sowie der Netzbetreiber alle relevanten Partner vertreten. DAB+ ist Teil der digitalen Agenda der Bundesregierung.

Nur auf den ersten Blick scheint die Volte von Brautmeier und Eumann diskussionswürdig zu sein, wenn sie lediglich Deutschlandradio und bundesweite Anbieter auf DAB verweisen wollen. Ein gesplitteter Radio-Markt soll zukunftsfähig sein? Und wer bitte sollte die DAB+Empfänger bauen und kaufen, die Brautmeier und Eumann im gleichen Atemzug für die Kommunikation in Krisensituationen fordern? Da trauen sie ihrem Internet also doch nicht.

ARD und Deutschlandradio haben ein mit konkreten Meilensteinen verbundenes Übergangsmodell zu DAB vorgelegt. Die KEF hat ihre Finanzierungsentscheidung auch auf dieser Grundlage getroffen. Der DAB-Kurs von ARD und Deutschlandradio steht fest. Auch für die Union der Europäischen Rundfunkanstalten (EBU) liegt die Zukunftssicherung des Radios ausdrücklich in DAB, kombiniert mit dem Internet. Eigentlich ist genug geredet. Es geht um Entscheidungen und um konkrete Schritte, um diese Zukunft zu sichern. Digital und in DAB+.

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