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Auf dünnem Eis : Covid und Kino – wie geht das?

  • -Aktualisiert am

Auf Abstand: Lars Eidinger (rechts) und David Schalko bei den Dreharbeiten zu der Serie „Ich und die anderen“ in Wien Bild: Superfilm/Pertramer/Sky

Es werden wieder Filme und Serien gedreht. Aber wie soll das funktionieren – mit Abstand und fachfremden Corona-Aufsichten? Eine Umfrage unter Schauspielern, Produzenten und Regisseuren.

          6 Min.

          Durch die Corona-Krise ist die Stimmung im deutschen Filmgeschäft stark eingetrübt. Dreharbeiten wurden verboten. Schauspieler verloren Engagements, eine unkalkulierbare Situation für die Filmbranche entstand, die in absehbarer Zeit auch nicht enden wird. Doch seit dem letzten Monat haben viele Produktionsfirmen ihre Dreharbeiten wiederaufgenommen. Sie sprechen allerdings nur zögerlich darüber, weil die Angst besteht, dass ihr Film mit dem Stempel der Pandemie versehen wird. Denn die Regeln, die unter der neuen Normalität das gesellschaftliche Leben einschränken, gelten auch vor und hinter der Kamera.

          Einer, der mitten in der Pandemie gedreht hat, ist der Schauspieler Max Simonischek. Für die ZDF-Krimiserie „Sarah Kohr“ hat er bis zum Lockdown gearbeitet. Für ihn sei es ein surreales Spiel gewesen, sagt er, schon kurz vor der Krise. Denn während sich das Land auf den Ausnahmezustand vorbereitete, war beim Film alles wie zuvor. Dreharbeiten wurden weitergeführt, was zu Kritik und einer Gegenkampagne von Schauspielern führte. Dass so lange gearbeitet wurde, sagt Simonischek, habe daran gelegen, dass viele Produktionsfirmen sich nicht für den Fall einer Pandemie versichert hätten und Schauspieler aufgrund der rechtlichen Unsicherheit nicht einfach Dreharbeiten abbrechen konnten.

          Für „Sarah Kohr“ wurden die Dreharbeiten am 24. Mai wiederaufgenommen. Simonischek hat freiwillig vorab einen Corona-Test gemacht und sich so gut wie möglich isoliert. Am Set sind die Sicherheitsbedingungen restriktiv. Dennoch würden die Regeln nicht immer eingehalten. „Es ist alles ein Versuch. Der Wille war zu Beginn da, aber die Praxis ist kompliziert“, sagt er. Das führe zu absurden Situationen am Set. Einmal habe man eine Szene zu viert in einem Auto gedreht. Vor der Klappe mussten alle ihre Schutzmaske tragen, mit dem Action-Ruf nahmen sie die Maske ab, als wäre nichts gewesen.

          Fußtritte statt Faustschläge

          Wie gelingt es der Filmbranche in diesen komplexen Situationen, Regularien einzuhalten? Die Produktionsfirmen nutzen zwei Strategien zur Verhinderung von Infektionen. Zum einen schicken sie das Produktions- und Schauspielteam in Quarantäne, um die Abläufe beim Dreh so normal wie möglich zu organisieren; zum anderen werden die Abstandsvorschriften am Set und die damit verbundene Abänderung von Drehbüchern, Kameraeinstellungen und Szenen durchgesetzt. Für „Sarah Kohr“ wurde die zweite Strategie gewählt. Deswegen hat die Produktionsfirma Corona-Beauftragte eingestellt, die mit Messstangen überwachen, ob der Abstand von 1,50 Meter eingehalten wird. Daneben gibt es Mitarbeiter mit Desinfektionsflaschen und mobilen Waschbecken, die ständig über das Set laufen und das Team ermuntern sollen, sich regelmäßig die Hände zu waschen.

          Bei Krimiserien seien Stuntszenen momentan besonders schwierig, sagt Simonischek. Aber auch dafür haben die Regisseure Ideen entwickelt. So werde bei der Darstellung von Schlägereien auf Fußtritte gesetzt und nicht auf Faustschläge; oder die Kamera ist auf eine Person gerichtet, während der andere Schauspieler nur mit Füßen und Händen zu sehen ist und hinter der Kamera eine Schutzmaske trägt.

          Einfachste Prozesse, wie der Transport der Schauspieler von einem Drehort zum anderen oder das Catering, nehmen nun viel mehr Zeit in Anspruch. Auch die Maskenbildner sind in ihrer Arbeit eingeschränkt. Es gibt „Maskenmobile“, transportierbare Styling-Studios, die jeweils einen Schauspieler schminken. Trotz der Regulierungen, die bei einigen Dreharbeiten durch Kontrollen der Polizei zum Drehabbruch geführt haben, ist Simonischek glücklich, dass die Arbeit an Filmen und Serien weitergeht. Die Unterbrechung des Drehprozesses sei für ihn und seine Kollegen wie ein „Coitus interruptus“ gewesen. Auch die Stille, die in ein Geschäft einkehre, das von Hektik und Zeitdruck geprägt sei, sei neu für ihn gewesen.

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