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Auf dünnem Eis : Covid und Kino – wie geht das?

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Besprechung am Set von „Ich und die anderen“ in Wien
Besprechung am Set von „Ich und die anderen“ in Wien : Bild: Superfilm/Pertramer/Sky

Henning Kamm, Produzent bei der Real Film, einem Tochterunternehmen der Studio Hamburg Gruppe, steht auf der anderen Seite der Corona-Vorbeugung. Als Produzent macht er sich haftbar, wenn am Set das Virus ausbrechen sollte. Er trägt die Verantwortung für sichere Dreharbeiten. Bis vor zwei Wochen hat er mit seinen Kollegen an einer neuen „Tatort“-Folge aus Berlin gearbeitet. Die Entscheidung zur Wiederaufnahme sei dem Leitungsteam nicht leichtgefallen. Denn die Regularien der Ämter verteuern die Dreharbeiten, und die Konzeption eines Maßnahmenkatalogs sei zeitaufwendig gewesen. Alle Arbeitsschritte mussten erfasst werden, um einen hermetisch abgeriegelten Drehort zu sichern.

Das Team des „Tatorts“ hat aus der Quarantäne heraus mit den Dreharbeiten begonnen. Zwei Motive und vierzehn Tage später war die Folge abgedreht. Einige Szenen, die im Mai aufgenommen werden sollten, hätten den Sicherheitsauflagen nicht standgehalten. Daher mussten Kamm, die Regisseure und Drehbuchautoren Szenen umschreiben. Dies sei ein interessanter Kreativprozess gewesen, aus dem einige visuelle Spielereien hervorgegangen seien, sagt der Produzent. So wurde aus einer Kopfnuss, die ein Darsteller dem anderen verpassen sollte, ein Schlag mit einem Motorradhelm. Bei Dreharbeiten für den „Tatort“ gelte jetzt der hundertprozentige „Closed Set Standard“, der sonst bei Nacktszenen angewandt wird. Das bedeutet, dass nur das notwendige Minimum an Mitarbeitern vor Ort ist und im besten Fall in einem geschlossenen Raum arbeitet. Viele Maßnahmen erfolgten auf freiwilliger Basis. So kann sich jeder im Team vor und nach dem Dreh die Temperatur messen lassen. Kamm appelliert dabei an die Eigenverantwortung seiner Mitarbeiter. Zur Durchsetzung gibt es auch am Set medizinisches Fachpersonal, das die Teammitglieder überwacht. Das sei nicht immer einfach und führe auch zu Konflikten. Dennoch bleibt er optimistisch, denn Corona habe geholfen, das deutsche Filmgeschäft zu digitalisieren. Bei Real Film nutze man vermehrt Kameratechnik, welche die Live-Aufnahmen direkt in die Büros von Regisseur und Produzenten übertrage. Dadurch sei es nicht mehr notwendig, ständig vor Ort zu sein.

Dreh auf höchster Sicherheitsstufe

Starke Sicherheitsvorkehrungen wurden auch am Set der von Sky produzierten Serie „Ich und die anderen“ getroffen. Showrunner David Schalko dreht momentan in Wien mit Tom Schilling, Lars Eidinger und Mavie Hörbiger unter österreichischen Schutzauflagen. Das Set wurde in drei Sicherheitszonen unterteil, die jeweils unterschiedlichen Regularien unterworfen sind. Innerhalb der höchsten Sicherheitsstufe findet der Dreh statt. Die Zone eins sei hermetisch abgeriegelt, so Schalko. Hier werden alle Schauspieler, der Regisseur, Kameraleute und alle Assistenten im Abstand von zwei Tagen auf Corona getestet und sind kontinuierlich vom Rest des Produktionsteams isoliert. In den Drehpausen sind die Teammitglieder zudem in Hausquarantäne. Innerhalb dieser Zone sei normales Drehen ohne die Abstandsregeln möglich. In den anderen beiden Bereichen werden die Abstandsvorgaben durchgesetzt, und alle Teammitglieder müssten Masken tragen. Auch wegen dieser strikten Trennung gebe es keine Verzögerungen im Drehablauf. Große Statistenszenen will Schalko allerdings erst im August aufnehmen und hofft dafür auf Lockerungen.

Für Regisseur Andres Veiel, der ein Gerichtsdrama zur Klimakrise in Berlin dreht, hat die Corona-Pandemie hingegen direkte Auswirkungen auf den filmischen Prozess. Besonders im Frühjahr war die Verunsicherung bei ihm groß, ob ab April gedreht werden könne. Zudem wollte Veiel trotz der Abstandsregeln nicht das Drehbuch ändern, da während der ersten Proben auf die Abstandsregeln geachtet wurde und dadurch eine extreme Steifheit in den Probeaufnahmen sichtbar gewesen sei. Es mussten andere Lösungen gefunden werden. Nach einer langen Phase des Nachdenkens, wie der Gerichtsprozess dennoch szenisch dicht inszeniert werden könne, fanden Veiel und seine Kollegen die Lösung im Szenenbild.

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