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„Cosplay“ : Zu jedem Manga den passenden Tanga

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Für Missgunst und Neid ist die Szene zu klein, noch kann jeder mit seiner Kreation glänzen. „Bewundern und bewundert werden“ scheint ein Motto der Gemeinschaft zu sein. Um ihre Schöpfungen zu präsentieren, treten einige Cosplayer im Wettbewerb gegeneinander an. Zusätzlich zu den Kostümen entscheidet hier eine Showeinlage über den Erfolg. Nachgestellte Szenen, selbstgeschriebene Monologe, Playback-Gesang, Live-Musik und Tanznummern werden auf die Bühne gebracht. Auch wenn das Niveau der Vorführungen stark variiert, ist das Gezeigte oftmals erstaunlich originell. Die Helden der Comics werden persifliert, Shakespeares Sommernachtstraum mit japanischen Feen verquirlt und die Fiktionalität der eigenen Darstellung thematisiert. Hier ist die Postmoderne lebendig.

Aus schüchternen Teeanagern werden strahlende Helden

All das geschieht mit beeindruckender Unbeschwertheit. Die Freude an der eigenen Schaffenskraft ist die Motivation. Der Mut zum Auftritt wird von den Zuschauern stets mit einem Mindestmaß an Applaus gewürdigt - egal, wie hölzern einige schlecht geschriebene Dialoge auch vorgetragen werden. Die Benotung von Darbietung und Kostümen durch eine Jury aus erfahrenen Cosplayern und Mangazeichnern erfolgt geheim. Voyeurismus, wie er vom Fernsehen durch tränenreiche Niederlagen in Castingshows befriedigt wird, findet hier keine Nahrung. Im paradiesischen Miteinander sind auch die spärlichen Kostüme vieler weiblicher Cosplayer kein Grund zum Anstoß. Der Bikini sei im Schwimmbad angemessen und dafür hier eben der äußerst knappe Minirock oder das rücken- und bauchfreie Oberteil.

Im Alltag trägt man die Kostüme natürlich nicht. Ein Cosplay-Treffen ist ein Mikrokosmos, der getrennt vom Alltag existiert. Aus schüchternen Teeanagern werden hier unter dem Schutz der Maskerade strahlende Helden oder finstere Bösewichte. Zugehörigkeit ist nicht abhängig von Statussymbolen, der Zugang zur Gemeinschaft entsteht über das Interesse an der japanischen Popkultur. Andere Bedingungen gibt es nicht. Auch wenn die Mehrzahl der Cosplayer zwischen achtzehn und fünfundzwanzig Jahre alt ist, werden jüngere wie ältere gleichermaßen akzeptiert.

Die Weltmeisterschaft läuft im japanischen Fernsehen

Internationale Vernetzung ist auch selbstverständlich. Deutsche Cosplayer fahren zu Treffen und Wettbewerben nach Frankreich, Italien, Dänemark - und nicht zuletzt nach Japan. Zum World Cosplay Summit, der Weltmeisterschaft des Cosplay, die im japanischen Fernsehen übertragen wird, reisen mittlerweile Teilnehmer aus zwölf Nationen an. Wenn Englisch als Lingua Franca versagt, wird auf Basis des gemeinsamen Hintergunds mit Händen und Füßen kommuniziert - auch Comics bedienen sich schließlich der Bildsprache. Ein Dialog über Bildästhetik zwischen jugendlichen Mexikanern, Deutschen und Chinesen in Japan ist keine Zukunftsvision von kultureller Globalisierung, sondern für Cosplayer längst Realität.

Die Nebeneffekte ihres Hobbys - der kulturelle Dialog, die Entfaltung der eigenen Kreaitivität, die kritische Auseinandersetzung mit Medien - sind den Cosplayern jedoch nicht besonders wichtig. Für sie steht allein die Freude am Kostümieren im Vordergrund. Selbst wenn dabei philosophische Ansätze entstehen - wie bei der Showtruppe „Daijoubu“, die Tanz, Schauspiel und Cosplay verbindet und sich einmal in die Lage der Bösewichte versetzte. Denn wenn für die Bösen das Böse gut ist und das Gute der Guten somit eigentlich böse, sind moralische Standpunkte doch relativ. Das trotzdem das Böse verliert und das Gute gewinnt zeigt, dass im Cosplay die Welt eben doch eine heile ist.

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