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Coronavirus in Italien : Der Kapitän geht von Bord

Gennaro Arma verlässt die Diamond Princess als Letzter, wie es sich gehört. Bild: Princess Cruises

Das Coronavirus bringt den Alltag in Italien zum Erliegen. In der Not aber zeigen Menschen, wie „sozial“ das Internet wirken kann. Und am Bild von „Diamond Princess“-Kapitän Gennaro Arma richten sich die Italiener auf.

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          In der italienischen Realität klafft in diesen Tagen eine Lücke. Ist man in Mailand oder in anderen Orten in Norditalien unterwegs, trifft man kaum auf Menschen, die eine Atemschutzmaske tragen. In den italienischen Zeitungen hingegen, in denen die Ausbreitung des Coronavirus das bestimmende Thema ist, sind auf Bildern fast nur Menschen mit Atemmasken zu sehen. Gestellt sind die Fotos nicht, wahrscheinlich warten die Fotojournalisten geduldig, bis ihnen jemand mit Maske vor die Kamera läuft.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

          Denn wie ließe sich die unsichtbare Gefahr sonst bebildern? Auch die unheimliche Leere markanter Orte und Plätze, an denen bis vor kurzen noch das Leben brodelte, erzählt von Covid-19. Und so sieht man in den Zeitungen vor allem Fotos vom ausgestorben daliegenden Mailänder Domplatz, über den ein Mann oder eine Frau mit Atemmaske läuft; man sieht Menschen mit Maske in der normalerweise überfüllten Galleria Vittorio Emanuele oder einen einsamen Fahrgast mit Mundschutz in der Metro. Es ist eine Bilderparade der Traurigkeit, die jedem Hollywood-Katastrophenfilm gut stehen würde – und zwar an genau der Stelle, an der gezeigt werden soll, dass die Katastrophe nur wenige Überlebende übrig gelassen hat.

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