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Coronavirus in Amerika : Seuchenvorbeugung zum Ausmalen

  • -Aktualisiert am

Für manche Zeitschriftenmacher kann das Corona-Szenario gar nicht dramatisch genug sein. Bild: Verlag/Rehfeld

An falschen Rezepten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ist in Amerika kein Mangel. Fernsehexperten drehen auf, und Amazon verkauft jeden Mumpitz.

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          Mit besorgtem Blick schaut der Mann mit der hellblauen Atemmaske in die Kamera, von links und oben rechts ragen in blau Virus-Grafiken ins Bild. Über der Stirn des Mannes prangt in warnendem gelb das Wort „Coronavirus“, darunter eine rote Banderole: Survival Guide. Unten rechts steht in großen Blockbuchstaben „Are you ready?“ Den Rest des Hochglanz-Titelblatts machen dramatische Mini-Blöcke („Katastrophen-Checkliste“, „25 unverzichtbare Sicherheitstipps“, „Vorausplanung kann Ihr Leben retten“) aus. Für 9,95 Dollar liegt dieses Magazin an der Kasse eines Drogeriekonzern in Arizona aus.

          Das auf 129 Recyclepapierseiten gedruckte Magazin, das mit dramatischen Bildern von Menschenmassen, Staus, Krankenhäusern und Leuten in Schutzanzügen gespickt ist und den Kapiteln „Weltweiter Ausbruch“ und „Überlebensstrategien“ sicherheitshalber noch Informationen zu „Naturkatastrophen“ folgen lässt, ist Ausdruck eines Goldrauschs, der die amerikanische Medienlandschaft erfasst hat. Findige Unternehmer schlagen Kapital aus der Angst vor dem Virus und spielen mit einer Stimmung, die zuletzt die sogenannten Prepper-Serien – TV-Shows über Menschen, die sich für Katastrophenszenarien eindecken – von 2012 befeuerten. Damals stand vermeintlich das Ende der Welt vor der Tür, nachdem windige Propheten das „Auslaufen“ eines antiken Maya-Kalenders ausgemacht hatten. Nun sind angesichts des Coronavirus und weltweiter Maßnahmen zu seiner Eindämmung Hamsterkäufe von Toilettenpapier, Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln en vogue, und mancher, der einen schnellen Dollar zu machen hofft, veröffentlicht auf Amazon einen selbstverlegten Leitfaden.

          Anleitung für „Do-It-Yourself-Atemmasken“

          Mehr als tausend Ergebnisse erzielt die Suche nach „Coronavirus“ in der Abteilung Bücher, und gleich auf der ersten Seite fällt der Blick auf eine schräge Bibliothek – vom „Ultimate Coronavirus Survival Guide“, der im Untertitel die Enthüllung von „Geheimnissen zur Vermeidung der ansteckenden Krankheit“ verspricht, über „Holistische Hilfe“ mit Nahrungsmitteln, die das Immunsystem stärken sollen, bis hin zu einer Anleitung für „Do-It-Yourself-Atemmasken“ aus „Materialien vom örtlichen Wal-Mart“ – für den Fall, dass die Profimasken ausverkauft sind. Manche dieser Publikationen sind von Menschen verfasst, die sich Doctor oder Dr. nennen, und gerade diese weisen oft abenteuerliche Rechtschreibung und Grammatik auf: „2019/2020 Most terrific disease“ lautet der Untertitel des Werks von einem Dr. Benson A. John, was übersetzt eine eher „wunderbare“ als „schreckliche“ (terrifying) Krankheit umreißt. Offenbar hat man einige der Leitfäden schlicht durch Google Translate gejagt. Die meisten Werke umfassen höchstens ein paar Dutzend Seiten und sind für unter fünf Dollar zu haben. Sogar von dem Promi-Mediziner Dr. Sanjay Gupta finden sich zwei Bücher: „Coronavirus and Me“ und „Coronavirus is in/near my country“. Allein – es handelt sich hier nicht um den CNN-Kommentator, sondern um eine geschickte Irreführung mitsamt einer umfangreichen Liste angeblicher medizinischer Qualifikationen.

          Und doch sind auch Amerikas Promi-Mediziner fleißig dabei, mit der Angst vor dem Virus Kasse zu machen. Der echte Gupta, der unter dem Titel „CNN Chief Medical Correspondent“ firmiert, macht neben seinen bezahlten Auftritten im Programm von CNN einen CNN-Podcast zum Thema, der aufgeregte Titel wie „Virus-Jäger“, „Fakten kontra Befürchtungen“ oder „Flugrisiken“ trägt, aber immerhin Experten zu Wort kommen lässt und nüchterne Informationen auflistet.

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