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In der Corona-Quarantäne : Laufen, um zu überleben

  • -Aktualisiert am

Applaus und helfende Hände: Szene beim Boston-Marathon im Jahr 2012. Bild: AP

Ein Franzose läuft auf seinem Balkon hin und her, bis er 42,195 Kilometer geschafft hat. Warum? Er will ein Zeichen der Hoffnung setzen.

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          Diese Instagram-Story geht um die Welt: Ein Mann läuft einen Marathon – auf seinem sieben Meter langen Balkon. Sechs Stunden und 48 Minuten joggte der Franzose Elisha Nochomovitz hin und her, bis seine Sport-App ihm sagte, dass er die klassische Langlaufdistanz von 42,195 Kilometern unter die Sohlen gebracht hatte.

          Was unter normalen Umständen eine Challenge für das unterhaltungssüchtige Publikum in den sozialen Netzwerken gewesen wäre, weiter nichts, erscheint jetzt als mehr als der Beweis dafür, dass man noch im strengsten Lockdown körperlich fit bleiben kann.

          Nochomovitz, der in einem Vorort von Toulouse lebt, sagt über seine Aktion, dass er mit ihr habe zeigen wollen, was in der häuslichen Quarantäne alles möglich ist und er seine Unterstützung für das medizinische Personal, das Covid-19 trotzt, demonstriere.

          Helfen könne er diesen Helden nicht, aber irgendetwas habe er tun wollen, das auch ein bisschen verrückt, lustig und aufmunternd sei. Abseits des virtuellen Raums, im realen öffentlichen Leben, wird der Balkon zur Kanzel des Zusammenhalts, auf der sichtbar füreinander in sicherem Abstand gemeinsam applaudiert, gesungen, musiziert wird – oder eben gerannt.

          Der Marathon-Mann hat mit seiner Performance auf treffende Weise inszeniert, was Millionen erdulden: Die Pandemie fordert von uns keinen Sprint, sondern einen Marathonlauf, der Ausdauer und mentale Stärke braucht. Wir treten gegen das Virus vereinzelt oder zusammengedrängt in unseren Wohnungen an. Das ist zum Die-Wände-Hochgehen.

          Aber wie war das noch der Legende nach 490 vor Christus? Damals soll ein Bote vom Schlachtfeld in Marathon, wo die Griechen den Ansturm der Perser abwehrten, den Weg nach Athen gerannt sein um zu verkünden: Wir haben gesiegt.

          Das ist der schöne Teil der alten Geschichte. Der bittere ist, dass der Bote danach tot zusammengebrochen sein soll. Auch jetzt geht es wieder um Leben und Tod. Wer den Marathonlauf der Corona-Abwehr, diese neue und quälende Distanz-Disziplin, auf sich nimmt, wer zu Hause bleibt, wo es geht, Abstand hält und nicht frustriert hinschmeißt, der tut viel dafür, dass möglichst viele Menschen unbeschadet das Ziel erreichen und auch wir in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft sagen können: Wir haben gesiegt.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

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