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Leere Stadien wegen Corona : Geisterspiele sind Geistesspiele

Ja, wo spielen sie denn? Das Arthur Ashe Stadium in New York entfaltet seine Ausstrahlung als Tennis-Tempel auch mit leeren Rängen. Bild: dpa

Wer in Corona-Zeiten Sport im Fernsehen schaut, blickt auf leere Stadien. Doch ist das so schlimm? Ist es nicht, im Gegenteil.

          7 Min.

          Die schönste Sportszene dieses Pandemiejahres stammt von den Offenen Amerikanischen Tennismeisterschaften, den US Open in New York. Allen Widrigkeiten und mancher Athletenabsage zum Trotz fand das Turnier wie geplant in den ersten beiden Septemberwochen statt. Ohne Publikum auf der riesigen Anlage des Nationalen Tenniszentrums im Stadtteil Queens, aber an leere Ränge hatten wir uns seit dem Frühjahr gewöhnt. Der Spartensender Eurosport zeigte sich in Bestform und bot mit dem Reporterteam um Matthias Stach, Benjamin Ebrahimzadeh und Markus Zoecke sowie den Experten Barbara Rittner und Boris Becker vierzehn Tage lang exzellentes Fernsehen.

          Jochen Hieber
          Freier Autor im Feuilleton.

          Dass sich im Herrenfinale der Wiener Neustädter Dominic Thiem und der Hamburger Monegasse Alexander Zverev duellierten, war eine fabelhaft grenzüberschreitende Pointe. Zum Symbol weit über den Sport hinaus wurde die Japanerin Naomi Osaka, die nicht nur das Damenendspiel gewann, sondern mit den täglich wechselnden „Black Lives Matter“-Namen auf ihrer Corona-Maske auch die Turnieratmosphäre prägte. Für die schönste Sportszene des Jahres aber sorgte das Arthur Ashe Stadium selbst, mit 22500 Sitzplätzen die weitaus größte Tennisarena der Welt. Nun war dieses enorme Stadion bis auf ein paar Betreuer und Funktionäre leer und still – in all seiner stoischen Erhabenheit fingen es die Kameras wieder und wieder ein. Leere und Stille sind die Sport-Embleme des Pandemie-Moments und der ästhetische Ausdruck eines der Not gehorchenden, dabei wie ein Schönheitswunder wirkenden Innehaltens. Das leere, stille Sportstadion: eine säkulare Kathedrale, ein profaner heiliger Hain. Das vergisst sich nicht.

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