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Corona-Krise und Lokalpresse : Die Länder sind in der Pflicht

  • -Aktualisiert am

Rückläufige Werbeeinahmen gegen steigende Digitalabos: Vor allem kleinere Lokalblätter leiden wirtschaftlich unter der Corona-Krise. Bild: dpa

Anzeigenrückgänge gefährden regionale Medienvielfalt. Wie geht es im Lokalen nach der Pandemie weiter? Die Presse zu fördern, ist der Politik möglich. Wenn sie es will.

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          Es hört sich wie ein Antagonismus an und ist doch die Realität: Die Nachfrage nach Informationen ist dieser Tage – über alle Medien hinweg – stark gewachsen, zugleich hat sich für viele Medienhäuser der wirtschaftliche Spielraum verschlechtert. Im März haben nach Angaben des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland im Alter ab sechzehn Jahren die Informationsangebote der Zeitungen im Internet genutzt. Ende Januar lag die wöchentliche Reichweite noch bei fünfzig Prozent. Die überregionalen Zeitungen konnten ihre Reichweite seit Ende Januar sogar um fast zwei Drittel steigern. Zudem werden mehr Digitalabos abgeschlossen als in den Monaten zuvor. Auch die Zeitschriften schließen mehr Abonnements fr Print- als auch Online-Angebote ab.

          Auf der anderen Seite sind die Werbeeinnahmen stark rückläufig. Allein für den April geht der Spitzenverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) über alle Medien hinweg von einem Rückgang der Werbeinvestitionen von mindestens vierzig Prozent aus. Im vergangenen Monat lagen die Werbeausfälle vom 10. März an zwischen dreißig und achtzig Prozent. Im Ergebnis haben viele Medienhäuser, etwa „Die Zeit“, die Funke-Gruppe und die Südwestdeutsche Medienholding Kurzarbeit beschlossen, die Umfänge der Zeitungen reduziert oder wie bei der „Neuen Rottweiler Zeitung“ die Druckausgabe ganz eingestellt. Die „Spiegel“-Gruppe plant ein Sparprogramm von zehn Millionen Euro. Besonders stark betroffen Lokalzeitungen, Anzeigenblätter und lokale Rundfunkanbieter. So hoffen kleinere Verlage, dass die Zustellkosten für die nächste Zeit komplett vom Bund übernommen, beziehungsweise die im vergangenen November zugesagte Zustellförderung von vierzig Millionen Euro endlich ausgezahlt wird. In Brandbriefen an ihre Landesregierungen haben Medienanstalten finanzielle Hilfe für die privaten Hörfunkanbieter angemahnt.

          Ob der Anstieg bei den Abonnements die Ausfälle bei den Werbeumsätzen ausgleicht, ist mehr als fraglich und bei den privaten Rundfunkveranstaltern besteht noch nicht einmal eine solche Kompensationsmöglichkeit. Die Gefahr, dass die Corona-Krise zu einem Abbau von Medienvielfalt führt, ist also groß. Eine Vertriebsförderung des Bundes, die zudem zeitlich befristet erfolgen soll, kann hier nur ein Trostpflaster sein und zudem sind hier verfassungsrechtlich die Länder in der Verantwortung.

          Sicherung lokaler Vielfalt

          Die Sicherung der lokalen und regionalen Medienvielfalt steht seit einiger Zeit weit oben auf der medienpolitischen Agenda der Staatskanzleien, ohne dass bisher substantielle Beschlüsse gefasst worden sind. Um Fördermaßnahmen für regionale und lokale Medien zu prüfen, haben die Bundesländer 2019 eine Arbeitsgruppe „Regionale Vielfalt“ gegründet. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, der Chef der sächsischen Staatskanzlei Oliver Schenk, sagte, man werde „das Thema umfassend betrachten. Deshalb werden wir auch die Situation der regionalen und lokalen Zeitungen in den Fokus nehmen.“ Die Einrichtung der Arbeitsgruppe war notwendig, so Schenk, da gerade lokale und regionale Medienanbieter zunehmend unter Druck gerieten. Folge dieses Drucks seien Monopoltendenzen, aber auch ein Wegfallen der Berichterstattung aus verschiedenen Regionen, was wiederum Desinformationen, Filterblasen und das Erstarken der politischen Ränder jenseits des demokratischen Spektrums Vorschub leiste.

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