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Facebooks Fake-News-Kampf : Maschinen statt Moderatoren

Seine neuen Maßstäbe sind nicht mehr die alten: Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Bild: AP

Facebook gerät in der Corona-Pandemie unter Druck. Es gilt, mehr Falschmeldungen auszusortieren denn je. Doch müssen 15.000 Mitarbeiter ins Home Office. Für sie übernimmt künstliche Intelligenz.

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          Die Corona-Pandemie bringt Unternehmen weltweit in Schwierigkeiten, doch der Netzwerkkonzern Facebook hat ein Problem, dass vor allem seine Nutzer zu spüren bekommen könnten. Laut einem Bericht der „Washington Post“ musste der Konzern die Arbeitsplätze von 15.000 Moderatoren an zwanzig Orten schließen, nachdem sich öffentlich Protest geregt hatte und behördliche Maßnahmen zur Eindämmung des Virus angeordnet worden waren.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Einen Plan, wie sich eine der wichtigsten Qualitätsmaßnahmen des Netzwerks – das Löschen terroristischer, gefährdender und desinformativer Inhalte – von zuhause aus bewerkstelligen ließe, gab es nicht. Arbeiter von nicht zertifizierten Subunternehmern daheim arbeiten zu lassen, ist für den Konzern keine Lösung, weil persönliche Accounts der Nutzer untersuchen werden. Dies wird von Facebook in Call-Center-artigen Strukturen scharf überwacht. Nur ein Bruchteil dieser Mitarbeiter werde mit reduzierten Möglichkeiten von zuhause wirken, heißt es in einem offiziellen Blog-Eintrag. Deshalb steht der Konzern vor der Aufgabe, seinen Stall weitgehend ohne menschliches Zutun säubern zu müssen.

          Seit langem wird postuliert, künstliche Intelligenz sei die Zukunft derartiger Qualitätssicherung, erfahrungsgemäß sind Menschen beim Auffinden und Löschen sensibler Inhalte immer am zuverlässigsten. Statt jedoch an einer Lösung zu arbeiten, die unterbezahlten Teilzeitarbeiter weiterhin zu beschäftigen, sagte Unternehmenschef Mark Zuckerberg laut „Post“, man müsse sich nun zunehmend auf künstliche Intelligenz verlassen, wolle aber Vollzeitbeschäftigte abstellen, Inhalten mit Bezug zu „Selbstmord, Kindesmisshandlung und Terrorismus“ ein „Extra an Aufmerksamkeit“ zu widmen. Er räumte ein, es werde zu einer höheren Fehlerquote kommen, wenn etwa Beiträge zu Unrecht entfernt würden.

          Sowohl Facebook als auch die Öffentlichkeit sind nun mit der Frage konfrontiert, wie wichtig derartige Netzwerke in diesen Zeiten für die Gesellschaft ist und ob man es sich leisten kann, den Einfluss, den es auf einen Großteil derer, die zu Hause bleiben müssen, ausübt, den Trollen und einem Sturm aus fehlerhaften Entscheidungen und Informationen zu überlassen.

          Der Druck erhöht sich vor allem dort, wo wie in Amerika Wahlen anstehen und die Verbreitung faktengetreuer, medizinischer Informationen entscheidend ist. Weltweit werden die Netzwerke von einer ganzen Batterie von Verschwörungstheorien zu Covid-19 beschossen. Betroffen ist indes nicht nur Facebook. Auch andere Netzwerke wie Twitter und Youtube kündigten an, sich vermehrt auf die automatisierte Arbeit von Algorithmen zu verlassen. Laut Blogeintrag vom Montag will Facebook Nutzern verstärkt die Möglichkeit einräumen, Beschwerde gegen den etwaigen Bann ihrer Inhalte einzulegen. Man werde diese Beschwerden zwar beobachten, um die Genauigkeit zu verbessern, den Inhalt jedoch kein zweites Mal analysieren.

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