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Coronakrise trifft Film und TV : Testbild der Krise

Im Augenblick wird kaum eine Klappe geschlagen. Dreharbeiten für Film und Fernsehen machen zurzeit eine Pause. Bild: dpa

Die Corona-Krise trifft auch die Film- und Fernsehwirtschaft. Es wird kaum etwas gedreht. Wie lange halten das die Produzenten aus?

          3 Min.

          Während sich die einen fragen, was wohl das Fernsehen in Zeiten, in denen Unterhaltung weitgehend zu Hause stattfinden muss, zu bieten hat, fragen sich die anderen, wie sie diese Unterhaltung überhaupt noch produzieren können. Bei Netflix wurden die Dreharbeiten für die zweite „The Witcher“-Staffel am Montag zunächst für zwei Wochen unterbrochen, berichtet „Blickpunkt Film“. Produktionsfirmen schicken ihre Büroangestellten ins Home Office und passen ihre Filmsets an, soweit es irgend geht. Auch die Sender müssen reagieren. Nachdem beim ZDF der erste Fall einer Corona-Infektion bekanntgeworden war, schickt der Sender einen Großteil der Belegschaft zur Heimarbeit. Auch RTL versetzt 2500 Mitarbeiter ins „Mobile Office“.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat seit dieser Woche vorerst alle Drehgenehmigungen zurückgezogen. Gewerkschaften raten Filmschaffenden, kein Risiko einzugehen. Der Berufsverband Kinematografie (BVK) hatte empfohlen Dreharbeiten und Vorbereitungen, die nicht der Information dienen, auszusetzen. Alle am Set tätigen müssten dann auf unbestimmte Zeit ihre Arbeit niederlegen. Die BVK empfiehlt ihnen, den Produktionsfirmen schriftlich zu versichern, dass sie ihre „vereinbarte Arbeitsleistung“ gleichwohl anbieten.

          Die „Produzentenallianz“, der Verband der Filmproduzenten, hat am Montagnachmittag eine Stellungnahme „zu den Auswirkungen des Coronavirus auf die Film- und Fernsehwirtschaft“ abgegeben, die der Vorstand vormittags diskutiert hatte. „Die durch das Coronavirus ausgelöste weltweite Pandemie trifft auch die Film- und Fernsehproduktionswirtschaft in Deutschland mit voller Wucht“, heißt es dort. Man wolle „unsere uneingeschränkte Solidarität gegenüber unseren Partnern zum Ausdruck bringen – diese im Gegenzug aber auch einfordern“, sagte Alexander Thies, Vorsitzender der Produzentenallianz.

          Der Verband fordert die betroffenen Firmen auf, zügig die von der Regierung bereitgestellten Schutzmaßnahmen zu beantragen. Gewünscht werde der „Schulterschluss aller Branchenteilnehmer“. Deshalb bitte man auch „die Hauptauftraggeber ARD, ZDF, RTL, Pro Sieben Sat.1 und RTL II, um eine verantwortungsvolle und transparenten Vorgehensweise. Diese dürften mit den Risiken und Zusatzkosten abgebrochener oder nicht begonnener Produktionen „nicht alleine gelassen werden“. An die Filmförderung ergeht der Appell, die „Förderrichtlinien umgehend der Ausnahmesituation anzupassen“. „Nachfinanzierungsmöglichkeiten für abgebrochene oder verschobene Produktionen“ müssten in den Richtlinien ebenso Platz finden wie die Aussetzung von Rückzahlungen.

          Der Produzent und Ufa-Chef Nico Hofmann erklärt auf Anfrage, dass aktuell zwar viele Produktion seines Unternehmens betroffen sind – die Ufa produziert unter anderem die Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL) sowie die Serie „Ku‘damm 63“ (ZDF) –, man versuche jedoch, die Sets an die Gegebenheiten anzupassen, um die Produktionen am Laufen zu halten. „Allerdings nur“, betont Hofmann, „solange es im Rahmen der behördlichen und medizinischen Richtlinien ist. Das Wohlergehen aller steht für die Ufa an erster Stelle.“ Bereits am Samstag hatte Hofmann seine Mitarbeiter per Rundmail weitestgehend ins Home Office beordert. Andererseits gebe es Lieferverträge mit den Sendern. Also hafte er als Produzent auch für den Abbruch einer Produktion, solange es von Behördenseite kein explizites Verbot gibt. Die Gespräche mit den Verantwortlichen aber, sagt Hofmann, seien von Solidarität geprägt. „Die wissen auch, dass wir alle in einem Boot sitzen.“

          Zurzeit versucht der Ufa-Chef persönlich am Set zu klären, was noch möglich ist. Beispielsweise seien Tanzsequenzen und Massenszenen, bei denen mehr als fünfzig Menschen involviert sind, unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich. Zudem werde man in Absprache mit den Sendern jeden Neubeginn einer Produktion prüfen und eher verschieben wollen.

          Währenddessen versucht man in Berlin, der Lage an allen Fronten Herr zu werden. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte der Kreativwirtschaft bereits am Wochenende „Sofortmaßnahmen“ zugesprochen: Die beschlossenen Schritte, darunter die Ausweitung des Kurzarbeitergelds, Liquiditätshilfen, die Stundung von Steuerzahlungen, sollen auch den Kreativen zugutekommen. Was im Kultur- und Medienbereich an gewachsenen Strukturen einmal wegbreche, sagte Grüttesr zu „Blickpunkt Film“, lasse sich so schnell nicht wieder aufbauen.

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