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Benefizkonzert : Was fehlt beim Pandemie-TV

  • -Aktualisiert am

Lady Gaga beim Konzert in ihrem Haus Bild: AFP

Was die Hungerhilfe-Gala „Live Aid“ 1985 für die Weltgemeinschaft war, das sollte „Together At Home“ für den Planeten im Griff der Pandemie sein. Doch es gab ernste Versäumnisse.

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          Es war ein ambitioniertes Unterfangen, das die allgegenwärtige Lady Gaga da mit dem Event „One World: Together At Home“ auf die Beine stellte: ein sechsstündiges „Konzert“, in Coronavirus-Zeiten also ein Zusammenschnitt aus Selbstaufnahmen von mehr als hundert Promis – Musiker, Schauspieler, Sportler, Talkstars. Und tatsächlich war dies, zu den geringsten Produktionskosten aller Zeiten, Pandemie-TV der Extraklasse: Man sah die Popstars im Wohnzimmer musizieren, wurde Zeuge ungeschminkter Auftritte von Elton John, Taylor Swift, John Legend, Kesha, Stevie Wonder, Billie Eilish, Celine Dion und Andrea Boccelli. Es gab Mahnungen zum Händewaschen und Abstandhalten, Lobreden übers Krankenhauspersonal, Appelle an ein Gemeinschaftsgefühl: „We are all in this together!“ Man sah einen rührend nervösen Chris Martin von „Coldplay“ Musikwünsche von Zuschauern entgegennehmen, und man erlebte die Rolling Stones bei einer grandiosen Zoom-Version von „You Can’t Always Get What You Want“.

          Was die Hungerhilfe-Gala „Live Aid“ 1985 für die Weltgemeinschaft war, das sollte „Together At Home“ für den im Griff der Pandemie befindlichen Planeten sein – eine Art Superstar-Verlängerung der Applaus-Momente für Krankenschwestern, Ärzte, Notfallretter, Fabrikarbeiter, Lieferfahrer und Supermarktkassierer. Das „Konzert“ wurde auf allen erdenklichen Plattformen gestreamt und dann in einer zweistündigen Zusammenfassung auf den amerikanischen Network-Sendern übertragen. Es war eine willkommene Ablenkung in den langen Wochen der Quarantäne und dem bangen Blick voraus, eine schöne und seltsam intime Geste des Zusammenhalts, fanden viele. Sie habe die Fähigkeit des Fernsehens unterstrichen, Menschen zusammenzubringen, hieß es bei CNN – „so selten, wie das in diesen Tagen ist.“ Das Hollywood-Branchenblatt „Variety“ meinte, die Show habe die Kurve gekriegt: „positiv, aber nicht zu sehr darauf versessen, uns aufzumuntern, und ernst, ohne schmalzig zu werden.“

          Und doch tat sich eine Schere auf. Das Ganze lief im Schatten der Berichterstattung über den Tag mit der bislang höchsten Zahl von Covid-19-Todesfällen in den Vereinigten Staate; im Schatten erregte Proteste gegen den Shutdown; im Schatten des politischen Fallout der Coronavirus-Krise in Amerika, die das Land spaltet. Die „Washington Post“ bemerkte leicht irritiert, dass „Together At Home“ ganz ohne Erwähnung von Präsident Trump oder der Politik auskam und verlinkte diesen Satz prompt auf eine Themenseite zu politischen Auseinandersetzungen um die Bekämpfung des Coronavirus. Dabei erinnerten sowohl Beyoncé als auch Alicia Keys daran, dass die afroamerikanische Bevölkerung unverhältnismäßig schwer von der Pandemie betroffen ist. Aber es blieb bei allgemeiner Feelgood-Haltung, und die hinterließ einen schalen Nachgeschmack. Denn bei allem Trost wirkt es schon unpassend an, in die Paläste der Superstars zu lugen und auf wie zufällig im Hintergrund arrangierte Preise zu blicken, während es heißt, man verneige sich vor den todesmutigen Alltagshelden der Pandemie. Für die „New York Post“ war das eine „Nacht des Narzissmus.“ Die „New York Times“ sieht bestätigt, dass die Musikszene immer noch um die angemessene Haltung zur Krise ringt: „Trauer? Empathie? Gelassenheit? Trost? Entschlossenheit? Trotz? Versuchen wir einfach, zu vergessen?“ Das Showbusiness sollte sich eingestehen, dass hohler Glanz nicht mehr passt. Und dass Popmusik wirklich politisch sein muss.

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