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Comedy-Schmiede Brainpool : Alles muss man selber lachen

  • -Aktualisiert am

Gut lachen mit Brainpool: Stefan Raab Bild: picture-alliance/ dpa

Wenn es lustig wird im Fernsehen, liegt das meistens an der Produktionsfirma Brainpool und ihrem Comedy-Clan. Manchmal aber ist es kaum zu unterscheiden: Wer darf auftreten, weil er lustig ist, und wer bloß deshalb, weil er unter Vertrag steht?

          Der nächste Fernsehstar kommt aus dem Internet, da ist sich Jörg Grabosch ziemlich sicher. Woher auch sonst? „Die neue Generation der Comedians steht nicht automatisch bei Stefan Raab im Studio, sondern irgendwo auf einer kleinen Bühne oder mit einem eigenen Video im Internet. Diese Leute zu finden - das ist unsere Aufgabe.“ Grabosch ist Geschäftsführer der Kölner Produktionsfirma Brainpool, die mit Stefan Raab, Anke Engelke, Bastian Pastewka, Oliver Pocher und Mario Barth zusammenarbeitet. Und er sagt: „Man muss immer auch den nächsten Mario Barth haben.“

          Der nächste Mario Barth - das klingt, als würde Pro Sieben bald eine Show draus machen. Aber erst mal braucht es geeignete Bewerber. Vor kurzem hat Brainpool im Netz die Videoplattform Myspass.de gestartet. Wenn mal wieder nichts im Fernsehen läuft, kann man sich dort Brainpool-Produktionen wie „Stromberg“ oder „Pastewka“ noch mal in voller Länge ansehen. Viel wichtiger ist aber, dass jeder, der glaubt, er könne andere zum Lachen bringen, künftig sein eigenes Video hochladen soll. Womöglich ist ja ein Star dabei. So funktioniert Talentsuche im Jahr 2008: Man muss gar nicht mehr suchen.

          Sie machen es einfach

          Früher standen die jungen Leute, die unbedingt zum Fernsehen wollten, beim Musiksender Viva Schlange, wo hätten Raab oder Pocher denn sonst auch was werden sollen? „Heute setzen sich die Zuschauer selbst in Szene“, sagt Grabosch. „Sie drehen mit ihren Kameras, stellen das ins Netz und müssen niemanden fragen, ob das lustig ist. Sie machen es einfach.“

          Brainpool-Chef Jörg Grabosch

          Grabosch muss auch niemanden mehr fragen. Na ja, fast niemanden. Seit der Gründung vor vierzehn Jahren ist Brainpool zu einer der wichtigsten deutschen Produktionsfirmen geworden. Das ist erst einmal erfreulich, weil man das Gefühl hat, dass es dort noch nicht verboten ist, gute Ideen zu haben, die dann auch umgesetzt werden und nicht an irgendwelchen übellaunigen Marktforschern scheitern oder daran, dass einer sagt: Das ist aber zu frech, zu laut, zu unkonventionell. Als Stefan Raab vor anderthalb Jahren zum ersten Mal in einer mehrstündigen Live-Show gegen einen Zuschauer antrat, der eine halbe Million gewinnen konnte, galt die Samstagabendunterhaltung fürs junge Publikum als erledigt. „Schlag den Raab“ hat den Gegenbeweis angetreten.

          Die einzigen beiden Preise

          Im vergangenen Jahr wurde das mit dem Deutschen Fernsehpreis belohnt, dieses Jahr mit der Goldenen Kamera. Und bei der Verleihung des Grimme-Preises in Marl räumt Brainpool am Freitag gleich beide Auszeichnungen in der Kategorie Unterhaltung ab: einmal für die Sat.1-Parodie „Fröhliche Weihnachten mit Anke Engelke und Bastian Pastewka“, zum anderen für die Pro-Sieben-Serie „Dr. Psycho“ mit Christian Ulmen, die leider mehr Fans als Zuschauer hat.

          Es ist also doch noch möglich, Fernsehunterhaltung nicht bloß aus dem Ausland zu kopieren oder das zu wiederholen, was schon hundertmal da war. Manchmal muss man einfach ausprobieren, selbst wenn sich dann nicht gleich Quotenrekorde brechen lassen. Brainpool ist ganz gut im Ausprobieren - und das bedeutet, dass auch ziemlich viel danebengeht. Erinnert sich noch jemand ans „RTL Promi-Boxen“? „Witzig ist Witzig“? „Freispruch - Die Comedy-Jury“? Oder die furchtbare Kuppelshow „Der Bachelor“? Besser nicht.

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