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Pistolen aus dem 3D-Drucker : Das Internet liefert jetzt Waffen für jeden

Er nennt sich „Crypto-Anarchist“: Cody Wilson Bild: Susannah Ireland /eyevine

Cody Wilson hat etwas für Pistolen übrig und will, dass jeder den Finger am Abzug haben kann. Deshalb stellt er Anleitungen für den 3-D-Druck ins Netz – und kommt damit durch.

          3 Min.

          Der 1. August wird ein schwarzer Tag für die Menschheit. Für Cody Wilson ist es ein Feiertag. Denn dann legt der ehemalige Jurastudent mit seiner Website wieder los, die er vor fünf Jahren schließen musste. Damals kam ihm das amerikanischen Außenministerium in die Quere und drohte mit strafrechtlichen Konsequenzen. Cody Wilson hatte eine Waffe entwickelt, die man im 3-D-Drucker ausdrucken kann. 129 Euro kostet sein „Liberator“. „Glückseligkeit“, sagt der Waffennarr aus Texas, „ist eine Waffe aus dem 3-D-Druck“. An diesem „Glück“ wollte Wilson alle teilhaben lassen, und so stellte er die Anleitung zum Bau seiner 3-D-Waffe online. Binnen Kurzem wurde sie hunderttausendfach kopiert. Jetzt wird er sein Portal für die Freunde selbstgemachter Waffen wieder öffnen. Cody Wilson gibt Feuer frei. Am 1. August, teilt er jubelnd mit, beginne „das Zeitalter von Waffen zum Herunterladen“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dem vermeintlichem Glück des Schusswaffen-Fetischisten hatte sich die amerikanische Regierung bis dato entgegengestellt. Sie warf Wilson vor, er verstoße gegen die Waffenexport-Richtlinie Itar (International Traffic in Arms Regulations), durch welche der Handel mit Waffen kontrolliert werden soll. Wilson drohten empfindliche Strafen, er machte seine Website auf Anraten von Anwälten zunächst dicht. Klein bei gab er jedoch nicht. Er gründete die Organisation „Defense Distributed“ und sammelte Geld für den Rechtsstreit mit der amerikanischen Regierung. Und diese gab Ende Juni überraschend nach, wie jetzt bekannt wurde. Vor Gericht machte sie einen Vergleichsvorschlag: Wilson darf mit einer Sondergenehmigung vom 1. August an Anleitungen zum Bau von 3-D-Waffen in jedweder Form anbieten. Die Regierung erstattet ihm sogar, wie die „New York Times“ berichtet, seine finanziellen Auslagen für den Rechtsstreit von 40000 Dollar.

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