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CNN-Reportage : Tod in der Wüste

Bilder von CNN: Ein Flüchtling wird beerdigt - auf einer Müllhalde Bild: CNN

Auf dem Sinai werden Flüchtlinge abgeschlachtet: Schon die erste Ausstrahlung einer CNN-Reportage, die unfassbare Gräuel schildert, hatte Folgen. An diesem Samstagnachmittag wird sie ein zweites Mal gezeigt.

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          Die Geschichte, die der CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen in seiner Reportage „Death in the Desert“ erzählt, ist von unfassbarer Grausamkeit. Es geht um afrikanische Flüchtlinge aus Eritrea und Sudan, welche den Sinai durchqueren, um nach Israel zu gelangen. Dort hoffen sie ihr Glück zu machen. Nur die wenigsten kommen an.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Denn vor der Grenze warten ägyptische Soldaten, die ohne Vorwarnung schießen, und vor diesen Sklavenhändler eines Beduinenstamms. Wer ihnen in die Hände fällt, dessen Schicksal ist besiegelt. Mehrere tausend Dollar werden pro Kopf als Lösegeld gefordert, die Verschleppten werden gefoltert, die Frauen vergewaltigt, viele werden ermordet. Und einige der Afrikaner werden in den geheimen Lagern in der Wüste selektiert - als Organspender. In mobilen Kliniken weidet man sie aus und wirft sie dann zum Sterben wie menschlichen Müll in die Wüste.

          Mehr als sechshundert Flüchtlinge sollen freigekommen sein

          Man will es kaum glauben, doch die Indizien, die Pleitgen und sein Team sammeln, sind erdrückend. Die Fotos der grob zusammengeflickten Leichen sprechen für sich, die Schilderungen eines Ägypters, der sich um die Flüchtlinge kümmert, tun es auch. Mehr als tausend Menschen habe er schon beerdigt, sagt er. Ein Mitwisser der Organsklavenhändler berichtet derweil am Telefon, was das Geschäft mit den Menschen einbringt: Je nach Organ sind tausend bis 20.000 Dollar drin, Ärzte aus Kairo geben regelmäßig Bestellungen durch. Die ägyptische Polizei ist machtlos, sie ist noch keines einzigen Verdächtigen habhaft geworden.

          Am 5. November lief die CNN-Reportage zum ersten Mal. Sie hatte Folgen: Mehr als sechshundert afrikanische Flüchtlinge seien nach der Ausstrahlung aus den Lagern freigekommen, sagt der ägyptische Gewährsmann, den Frederik Pleitgen in seiner Reportage begleitet. 650 Flüchtlinge hätten die Grenze zu Israel überschritten, bestätigt das Flüchtlingshilfswerk der UN. Doch man darf kaum annehmen, dass der Menschenmordhandel auf dem Sinai gestoppt ist.

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