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CNN-Berichterstattung : Faxen machen in Ferguson

  • -Aktualisiert am

Bürger in Ferguson beobachten den CNN-Reporter Don Lemon mit Argwohn Bild: CNN

CNN glänzt in letzter Zeit durch Fettnäpfe, in die seine Reporter treten. So verhielt es sich auch bei der Berichterstattung aus Ferguson. Hier fiel Don Lemon aus der Rolle.

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          Was ist eigentlich bei CNN los? Der Sender gerät bei dem Versuch, mit einem frecheren Tonfall den Abstand zu den mit Meinungsjournalismus davonziehenden Konkurrenten Fox News und MSNBC aufzuholen, auf die schiefe Bahn. Die Berichterstatter schlagen Kapriolen.

          Im Frühjahr machte sich eine Reporterin über die traditionelle Maori-Begrüßung des britischen Thronfolgerpaares in Neuseeland lustig. Die Zeremonie, sagte sie, sei „irgendwo zwischen einem Lapdance im Chippendales und dem Paarungstanz eines Emu angesiedelt“. Dafür musste sich die CNN-Reporterin postwendend entschuldigen. Die Nachrichtensprecherin Carol Costello musste kürzlich ebenfalls Abbitte leisten. Sie hatte voller Schadenfreude einen Filmclip kommentiert, der einen tätlichen Angriff auf Sarah Palins Tochter Bristol während einer Familienfeier zeigte. Bei den Berichten aus Ferguson benahm sich nun der CNN-Nachrichtensprecher Don Lemon wie ein Clown. „Vor einigen Minuten haben wir einen Schuss gehört und gesehen, wie die Leute sich zerstreuten. Wir beobachten Leute auf Dächern, auf Autodächern, und natürlich hängt hier auch der Geruch von Marihuana in der Luft.“

          Eine Nummer zu groß

          Selbstverständlich Marihuana? Mit dieser Bemerkung hat sich Lemon, der selbst Afroamerikaner ist, nicht nur bei der schwarzen Bevölkerung in die Nesseln gesetzt. Die Berichterstattung aus Ferguson sei für ihn wohl eine Nummer zu groß gewesen, schrieb die „New York Daily News“. Lemon hatte unter anderem in einer Tränengaswolke gestanden, seine Schutzmaske abgesetzt und - wie nicht anders zu erwarten - einen dramatischen Hustenanfall bekommen. „Danke, Don“, höhnte die Website TMZ, die sich ihren Spott normalerweise für Hollywoodpromis aufhebt, nun aber ein Don-Lemon-Spezial veröffentlichte: „Wir freuen uns schon auf dein nächstes Fiasko.“

          Lemon ist zum Hofnarren von CNN avanciert. Im März hatte der Achtundvierzigjährige in einem Gespräch mit verschiedenen Gästen zum möglichen Absturz des Air-Malaysia-Flugs 370 gefragt, ob womöglich „übernatürliche Kräfte“ für das Verschwinden des Jets verantwortlich seien. Ein Gespräch mit dem Rapper Talib Kweli zur Lage in Ferguson endete mit einem albernen Rechthaber-Match, wer wen aussprechen lassen sollte. Vor wenigen Tagen machte Lemon schließlich Schlagzeilen mit einem besonders peinlichen, pietätlosen Interview. Er sprach mit Joan Tarshis, einer der zahlreichen Frauen, die den Schauspieler Bill Cosby bezichtigen, sie unter Drogen gesetzt und sexuell belästigt zu haben. Als Tarshis schilderte, wie Cosby sie zum Oralsex gezwungen habe, fragte Don Lemon, ob sie nicht wisse, „dass es Mittel und Wege gibt, sich oralem Sex zu entziehen, wenn man ihn nicht will“. Während Tarshis noch nach Worten rang, erläuterte Lemon en detail, wie er sich das vorstellt. 2011 hatte er berichtet, selbst Opfer eines Missbrauchs geworden zu sein. Für das peinigende Interview entschuldigte er sich inzwischen.

          CNN meint, den „zuverlässigsten Namen im Nachrichtengeschäft“ zu besitzen. Einer aktuellen Studie des Umfrageinstituts Pew zufolge sehen das die Zuschauer offenbar auch so - noch, muss man sagen. Denn zurzeit wartet CNN „zuverlässig“ nur mit einer Reporterpleite nach der nächsten auf.

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