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Neues von Kommissar Clüver : So gut wie hier sah ein Mord noch selten aus

  • -Aktualisiert am

Er sucht den Durchblick: Inselkommissar Theo Clüver (Robert Atzorn, Mitte) bei seinen Ermittlungen. Bild: dpa

Wenn der Sylt-Krimi „Clüver und der tote Koch“ mit etwas besticht, dann mit schönen Bildern. Die Frage ist nur, ob man noch von einem Krimi oder doch schon von Inselmarketing sprechen muss.

          Für neue Episoden von „Nord Nord Mord“ verbrachten sie einige Tage am Meer. Axel Milberg fuhr Boot und trug Latte macchiato spazieren, Nadeshda Brennicke wehte über den Strand, und Robert Atzorn sagte einer Reporterin des „Hamburger Abendblattes“, die zu den Dreharbeiten nach Westerland gefahren war, er genieße den starken Wind, mache zweimal Yoga pro Tag und seine Frau sei auch zu Besuch. Wenn das Wetter stimmt, ist die Nordsee ein Kracher im Herbst.

          Das kann man von der ersten der beiden frischen Folgen eher nicht behaupten, und es liegt nicht allein an der Nullacht-fünfzehn-Handlung, die sich der Drehbuchautor Berno Kürten für „Clüver und der tote Koch“ hat einfallen lassen. Mehr noch leidet der Film darunter, dass der Regisseur Anno Saul die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht ausloten mag, die das Ermittlerteam um Kommissar Theo Clüver auf die Spur des Täters bringen könnten. Wir wissen nicht wirklich, mit wem wir es zu tun haben. Es wird viel behauptet und wenig gespielt.

          Selbst die beiden erfahrensten Schauspieler der Produktion, der ehemalige Hamburger „Tatort“-Kommissar Robert Atzorn als Clüver und der aktuelle Kieler „Tatort“-Kommissar Axel Milberg in der Rolle des jovial auftretenden Restaurantbesitzers Josef, stehen in „Clüver und der tote Koch“ lustlos in der Gegend herum wie bestellt und nicht abgeholt.

          Den einzigen großen Auftritt hat ein Hund, den Moritz Antons Kamera aus allen denkbaren Winkeln beim Galopp vom Strand in die Dünen verfolgt. Wie sich die Kamera überhaupt erfolgreich bemüht, eine Rechtfertigung für die Fortsetzung der 2011 begonnenen Sylt-Serie zu finden, ob sie nun ein schnell identifizierbares Restaurant mit Strandkorb inszeniert, deutsche Mittelklassewagen in der Wildbahn präsentiert oder ein frischgezapftes Blondes über dem Tresen anhimmelt wie in der Halbzeit-Reklame: „Dann genießen Sie mal ihr Bier, das Leben ist kurz.“

          Ist das ein Krimi oder Inselmarketing?

          Schönstes Insel-Marketing, aber reicht das, wenn die Krimis nicht gut sind? Nein, es ist vielmehr ärgerlich, wenn ein Krimi dermaßen als Instrument der Tourismusförderung auffällt, weil die Story nicht auffallen will, wie in „Clüver und der tote Koch“. Jene Story beginnt im Morgengrauen. Noch bevor der Himmel Licht und Farbe erhält, klemmt sich ein übergewichtiger Inselbewohner auf ein Rennrad, um einen Teil der Kalorien abzustrampeln, die er mit einem Matjes-Brötchen an der Fischbude wieder einwerfen will, und sein Zeitplan geht perfekt auf: Als die Sonne hervorlugt, steht der Mann, der von Beruf Polizist ist, genießerisch schmatzend am Meer.

          Für den zweiten Strandbesucher läuft es weniger gut. Der liegt tot in der Reuse eines Fischers, und obwohl er Koch ist, kann man nicht davon ausgehen, dass sich der Mann auf der Suche nach Nachschub im Garn verheddert hat. Er wurde ermordet. In dem Restaurant, in dem er für bescheidene 4500 Euro netto im Monat gearbeitet hat, um seine Schulden aus dem Kölner Nachtleben begleichen zu können, sind die Rotweingläser schon mittags halb leer. So ist das, wo die Nobelkarossen vor dem Eingang stehen, jeder Tag ist ein Fest, und weil auch alles andere so ist, wie man sich Sylt in den Jahren der Enthemmung vorstellt, streunt Bibi (Nadeshda Brennicke), die Gattin des Restaurantbesitzers Josef, als Art Neureichen-Poster-Girl zwischen den Markenschal-Trägern umher - Neureichen-Poster-Hund inklusive. Ihr Mann hat sein Boot nach ihr benannt.

          Inselhauptkommissar Clüver kennt Bibi, Josef und Bongo, den Hund, genauso gut wie den Banker vor Ort. Er beteuert, keine Rücksicht nehmen zu können: „Ein Mann ist ermordet worden, und ich werde herausfinden, warum.“ Dann legt er los - ohne Hast, so dass der erste Teil der Ermittlungen mit einem Blick auf das Meer, der zweite mit einem Strandspaziergang und der dritte auf der Restaurant-Terrasse stattfinden darf. Erst später beginnen die Reifen zu quietschen. Na ja, ein bisschen zumindest. Moin? Moin.

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