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Clay Felker gestorben : Er nannte es „New York“

Clay Felker erlangte vor allem mit dem Magazin „New York“ seinen Ruf im amerikanischen Journalismus. Es konnte darin alles gar nicht urban genug sein, und urban, das hieß: unverschämt arrogant, versnobt, aber auch furchtlos radikal. Im Alter von 82 Jahren ist er in Manhattan gestorben.

          Die Idee war so einfach wie unwiderstehlich: „New York“ sollte das Magazin heißen, und die Stadt, deren Namen der Magazintitel sich kurzerhand aneignete, darin in all ihrem verrückten Überschwang die Hauptrolle spielen. Im Jahr 1964, als es den Typ Stadtmagazin noch nicht gab, kam das einer journalistischen Revolution gleich. Der Mann, der sie in Gang setzte, hieß Clay Felker. Innerhalb weniger Jahre verwandelte der gelernte Journalist die Zeitschriftenszene Amerikas und schließlich auch der westlichen Welt. Als Rupert Murdoch ihm „New York“ dreizehn Jahre später nicht einfach abkaufte, sondern kaltblütig entriss, war Felker schon eine Legende.

          Jordan Mejias

          Feuilletonkorrespondent in New York.

          „New York“ erblickte als Sonntagsbeilage der „New York Herald Tribune“ das Licht der Welt, mit der die Insel Manhattan gemeint war. Darum hätte die Illustrierte eigentlich „Manhattan“ heißen müssen. Sie hielt aber an ihrem ersten Namen fest, auch als die Mutterzeitung einging und „New York“ den Soloauftritt am Kiosk wagte. Es wurde dort nichts Vergleichbares angeboten. Das Hochglanzmagazin, von dem Grafiker Milton Glaser frech und schmissig in Szene gesetzt, bot ein abenteuerliches Gemisch aus knappen, witzig aufgemachten Tipps fürs konsumfreudige Stadtleben und langen Geschichten über die Reichen und Mächtigen, über Mafiabosse, gestrauchelte Politiker und gefeierte Künstler. Es konnte alles gar nicht urban genug sein, und urban, das hieß: unverschämt arrogant, kritisch, furchtlos, dem Klatsch durchaus zugetan, aber ebenso die geheimen Mechanismen des Ortes enthüllend, dabei radikal manhattanzentrisch.

          Blüte des „New Journalism“

          Felker beschäftigte Starschreiber mit Namen wie Tom Wolfe, Nicholas Pileggi, Gloria Steinem, die er dann bei der Gründung ihres feministischen Magazins „Ms.“ unterstützte, und Jimmy Breslin. Der New Journalism mit seinen persönlich grundierten, bis in die Fiktion ausufernden Erzählformen blühte bei ihm auf, etwa in Wolfes „Radical Chic“, jenem sagenhaften, zwanzigtausend Worte umfassenden Partybericht, der einen Skandal auslöste, weil er Leonard Bernstein, seine wohlhabenden Freunde und die von ihnen hofierten Black Panthers unbarmherzig der Lächerlichkeit preisgab.

          Felker kaufte die alternative Wochenzeitung „Village Voice“ ein, gründete „New West“, das Westküstenpendant von „New York“, und arbeitete auch nach Murdochs Raubzug weiter an Magazinen wie „Esquire“, „Manhattan, inc.“ und „Adweek“. Aber ihm, dem schnell aufbrausenden, im zwischenmenschlichen Bereich nicht eben feinfühligen Magazinmacher, konnte ein Wurf wie „New York“ nicht mehr gelingen. Im Alter von zweiundachtzig Jahren ist Clay Felker jetzt gestorben, nicht nur in New York, sondern natürlich in Manhattan.

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