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Relotius geht gegen Moreno vor : Der Fälscher will richtigstellen

Meint, er werde falsch dargestellt: Claas Relotius. Bild: Picture-Alliance

„Erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen“? Der als Fälscher überführte frühere „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius geht juristisch gegen Juan Moreno und dessen Buch „Tausend Zeilen Lüge“ vor. Was will Relotius?

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          Der frühere „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius wirft dem „Spiegel“-Reporter Juan Moreno vor, in seinem Buch „Tausend Zeilen Lüge“ verbreite er „erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen“ über ihn. Relotius verlangt Unterlassung. Der Rowohlt Berlin Verlag, in dem Morenos Buch erschienen ist, bestätigte, dass die Unterlassungsforderung eingegangen sei. In dieser werde „an keiner Stelle bestritten, dass Claas Relotius zahlreiche Reportagen frei erfunden oder gefälscht hat“, ebenso wenig würden „Morenos Beweise, die zur Überführung von Claas Relotius geführt haben, angezweifelt“. Auch Darstellung und Ereignisse des im Buch geschilderten Fälschungsskandals würden nicht in Frage gestellt. Bei den behaupteten, „erheblichen Unwahrheiten und Falschdarstellungen“ handele es sich um den Versuch, „mit Randfragen und Nebenschauplätzen den Reporter Moreno zu diskreditieren“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          In seinem Buch beschreibt Moreno das Wirken des als Fälscher großen Stils überführten Relotius. Moreno war mit Relotius für eine Reportage zusammengespannt worden, die im November des vergangenen Jahres im „Spiegel“ unter dem Titel „Jaegers Grenze“ erschien. Während der Arbeit an der Geschichte waren Moreno Ungereimtheiten in Relotius Arbeit aufgefallen. Er recherchierte den Teil, den Relotius beigesteuert hatte, nach und stellte fest, dass der Kollege seine Passagen des Textes erfunden hatte. So brachte Moreno das Lügengebäude von Relotius zum Einsturz, der rund sechzig Artikel beim „Spiegel“ veröffentlicht hatte, die sich als größtenteils gefälscht erwiesen (drei Artikel hatte Relotius in der F.A.S.).

          Wie die „Zeit“ berichtet, beanstandet Relotius in Morenos Buch mehr als zwanzig Stellen als angeblich unrichtig. Sie betreffen Relotius Essensgewohnheiten, seine Büropartner, die „mehr als vierzig Journalistenpreise“, die er gewonnen habe – diese Zahl hatte auch der „Spiegel“ in seinem Abschlussbericht zum Fall Relotius genannt. Tatsächlich sollen es neunzehn Preise und zwei Auszeichnungen gewesen sein. Ein weiterer Punkt ist die von Relotius erfundene, angeblich kranke Schwester. Diese hatte er angeführt, als ihm der „Spiegel“ eine Festanstellung anbot. Er sagte ab, da er sich um seine kranke Schwester kümmern müsse. Bei Moreno heißt es, Relotius’ Schwester sei an Krebs erkrankt. Das Detail der Krebserkrankung wird von Relotius nun bestritten. Moreno beruft sich laut „Zeit“ bei der Angabe auf den einstigen Leiter des Gesellschaftsressorts beim „Spiegel“, Matthias Geyer, der dies unter Kollegen erzählt habe. Doch Geyer bestreitet das demnach.

          Relotius wehrt sich auch dagegen, von einer „Spiegel“-Sekretärin auf dem Rad „in Hamburg“ gesehen worden zu sein, während ein Kollege Moreno gegenüber von einem Telefonat berichtet habe, in dem Relotius angegeben habe, er sei in einer Klinik in Süddeutschland zur Behandlung.

          Er sei sich seiner „eigenen großen Schuld“ bewusst, wird Relotius von der „Zeit“ zitiert. Er stelle sich allem, „wofür ich verantwortlich bin“. Doch müsse er keine Falschbehauptungen Morenos hinnehmen. „Ohne mich persönlich zu kennen oder mit Menschen in meinem persönlichen Umfeld gesprochen zu haben, konstruiert Moreno eine Figur,“ sagt Relotius. Für sein Handeln sei nicht „eigensinniges Kalkül“ verantwortlich gewesen, sondern „krankhaften Realitätsverlust“. Zu Relotius Vorwürfen im einzelnen machte dessen Anwalt Christian Schertz auf Anfrage der F.A.Z. keine weiteren Angaben.

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