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Demoskopen-Streit mit Civey : Der Wert von Online-Umfragen

Zusatzaufgabe für Meinungsforscher: Mehr Wähler denn je geben ihre Stimme nicht erst am Wahltag ab, sondern per Briefwahl. (Symbolbild) Bild: dpa

Die Meinungsforscher von Forsa haben zwei Prozesse gegen die Firma Civey gewonnen. Es geht um unzulässige Aussagen und die Frage, welche Umfragen repräsentativ sind. Für Ärger sorgt das Start-up Civey allerdings weiterhin.

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          Es war Ende März, als ein Umfrageergebnis für Jubel im rechtspopulistischen Lager sorgte. „Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre?“ Die von Demoskopen gern gestellte Sonntagsfrage ergab in der betreffenden Umfrage, ausgeführt augenscheinlich von Civey: 29,3 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt. Auf Twitter schlug ein Screenshot dieser Angabe hohe Wellen, in der es auch hieß, die CDU komme auf lediglich 18,3 Prozent. Repräsentativ erhobenen Zahlen waren das nicht. Sie wurden von Civey selbst auch nicht als repräsentativ verbreitet. Gleichwohl stellt sich die Frage: Wo kommen solche Zahlen her? Und wie repräsentativ sind die Ergebnisse des Berliner Start-ups Civey, das von zahlreichen renommierten Soziologen und Branchenexperten wegen seiner Methoden kritisiert wird?

          Johanna Christner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft & Stil.

          Ende März entschied auch das Landgericht Köln gleich zweimal zu Ungunsten des Unternehmens, das seine Umfrageergebnisse mit einem Online-Panel, ohne ergänzende Telefonumfragen erhebt. Gegner in den beiden Gerichtsverfahren ist das Meinungsforschungsinstitut Forsa. In einem für das „Handelsblatt“ aufgenommenen Podcast hatte die Civey-Geschäftsführerin Janina Mütze behauptet, Forsa-Chef Manfred Güllner rufe Civey-Kunden an und bedrohe diese. Civey schneide bei Wahlumfragen „überdurchschnittlich gut“ ab, sagte Janina Mütze. Forsa ging gegen beide Aussagen juristisch vor und strengte eine einstweilige Verfügung gegen Civey an. Am 23. März hat das Landgericht Köln die einstweilige Verfügung bestätigt.

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