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Christoph M. Ohrt : Mann im Umbruch

Schwarzes Schaf: Christoph M. Ohrt in „Allein unter Bauern” Bild: Sat.1

Als Anwalt Felix Edel in „Edel und Starck“ hat sich Christoph M. Ohrt in die Herzen vor allem der weiblichen Zuschauer gespielt. Nun spielt er in „Allein unter Bauern“ (heute Abend bei Sat.1) einen Politiker in der Provinz - und dabei gegen sich selbst an.

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          Nur ein Schauspieler, der sich seine Verletzlichkeit bewahrt, kann überzeugen, sagt Christoph M. Ohrt, und es klingt wie ein Geständnis. „Es hat Jahre gedauert, das zu begreifen und umzusetzen. Dass ich sage, ,es tut weh', wenn mich jemand piekst, und nicht so tue, als sei ich ein harter Kerl durch und durch.“ Coole Macker zu spielen, findet er langweilig. Viel lieber kitzelt Christoph M. Ohrt an den menschlichen Schwächen einer Figur.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

          Der sechsundvierzig Jahre alte Schauspieler sitzt vor seinem Wohnwagen und wartet auf den Einsatz in der nächsten Szene. Ohrt trägt teuren, grauen Zwirn, die schwarzen Lederschuhe verschluckt das hohe Gras. Eine alte Dame winkt aus einem Haus, freundlich winkt Ohrt zurück. Die ländliche Idylle von Brandenburg, in der die neue Sat.1-Serie „Allein unter Bauern“ von Drehbuchautor Marc Terjung spielt, gefällt dem Schauspieler.

          „Ein sehr unsympathischer Typ“

          In seiner Rolle als Politiker Johannes Waller darf er das allerdings nicht zeigen: Fallengelassen von seinen Berliner Parteikollegen strandet Waller in Kudow, einem kleinen Ort in der Provinz. In der Not nimmt er das Amt des Bürgermeisters an. Der Ehrgeiz des Berufspolitikers geht den Bewohnern bald gehörig auf die Nerven. „Wir versuchen, die menschlichen Seiten eines Mannes zu zeigen, der eigentlich ein sehr unsympathischer Typ ist. Der Beruf Politiker ist bei uns ja leider fast schon ein Schimpfwort“, sagt Ohrt und lächelt sein charmantes Lächeln, mit dem er sich als Anwalt Felix Edel in „Edel und Starck“ die Herzen vor allem der weiblichen Zuschauer erspielte. Die Serie, ebenfalls geschrieben von Marc Terjung, brachte dem Schauspieler mehrere Fernsehpreise ein.

          In der Tür zum Wohnwagen taucht ein hübsches Mädchen mit langen Haaren auf, Lilli, Ohrts elfjährige Tochter. Der Schauspieler strahlt. Mit drei Jahren habe seine Tochter ihn zum ersten Mal zu Dreharbeiten begleitet, sagt der Schauspieler. Seither seien sie und ihr kleiner Bruder immer wieder dabei. „Ich will, dass meine Kinder ein bisschen verstehen, wie ein Film entsteht. Mir fiel einfach nicht ein, wie ich ihnen meinen Beruf anders erklären kann“, erzählt Orth. Der Regieassistent kommt über die Wiese gestapft und rudert mit den Armen. Das stille Vater-Tochter-Glück ist vorbei.

          „Trete gegen mich selber an“

          Ein halbes Jahr später im Berliner Sat.1-Gebäude nahe des Gendarmenmarkts: Die Dreharbeiten sind abgeschlossen. Christoph M. Ohrt sitzt in einem eleganten Lederschwinger. Wieder trägt der Schauspieler Anzug, diesmal ist er aus Kord, die Füße stecken in bequemen Trekkingschuhen. „In gewisser Weise trete ich in der Serie gegen mich selber an. Vielleicht wird der eine oder andere irritiert sein, denn Johannes Waller ist nicht Felix Starck“, sagt Christoph Ohrt, holt tief Luft und beginnt zu erzählen: Von seiner Liebe zur Komödie und der Schwierigkeit, sich in diesem Genre immer wieder neu zu erfinden. Von der Angst, seit dem großen Erfolg von „Edel und Starck“ auf der komischen Schiene festgefahren zu sein, und von seinem Wunsch, sich für eine Rolle auch einmal äußerlich stärker zu verändern.

          Er, für den sich der Charakter einer Figur genauso an ihren Äußerlichkeiten, wie an Gestik und Mimik festmacht, durfte sich bisher bei Dreharbeiten nur wenig verwandeln. „Oft wollte ich mir einen Bart wachsen lassen oder eine andere Frisur. Doch die Regisseure verlangten immer das typische Ohrt-Gesicht: graue Haare, glattes Kinn. Wenn ich in den Spiegel blicke, sehe ich seit Jahren das gleiche Gesicht“, sagt Ohrt und verdreht die Augen. Für „Allein unter Bauern“ ließ er seine Haare ein wenig dunkler färben. Bei den Dreharbeiten von „König Drosselbart“ Anfang dieses Jahres verwandelte er sich mit Hilfe einer Lockenperücke zum Edelmann. „Damit sah ich aus wie ein durchgeknallter Hardrocker - das hat Spaß gemacht“, sagt Ohrt und zeichnet mit den Händen ein Ungetüm aus Haaren in die Luft.

          Keine Versagensängste mehr

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