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Christoph Blocher und die „Basler Zeitung“ : Das weiß ich jetzt gerade nicht

Mann im Dunkeln: Lange hat Christoph Blocher geleugnet, an der „Basler Zeitung“ beteiligt zu sein Bild: Reuters

Lange wurde spekuliert, lange hat Christoph Blocher dementiert. Jetzt ist klar: Der Milliardär und Populist ist doch der Drahtzieher bei der „Basler Zeitung“.

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          Die Sendung ist nach ihm benannt: „Tele Blocher“. Dass sie der Milliardär und populistische Politiker Christoph Blocher selbst finanziert, darf angenommen werden. Sie ist sein wöchentliches Propagandainstrument. Man kann sie im Internet und auf ein paar privaten Lokalsendern verfolgen. In der 223. Ausgabe erlebte sie am vergangenen Freitag eine Sternstunde. Der Moderator, Autor des Buchs „Das Blocher-Prinzip“, befragte seinen Gastgeber zum Beginn der ersten Legislaturperiode im neu gewählten eidgenössischen Parlament.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Blocher gehört ihm als Nationalrat an - widerwillig: Er wäre lieber Mitglied der kleinen Kammer, des Ständerats, geworden. Doch bei der Wahl hatte er seine größte Schlappe seit dem Rauswurf aus der Landesregierung erlebt. „Langweilig“ sei der Auftakt gewesen, sagte der schlechte Verlierer. „Zu fein“ seien sich die Parlamentarier, um die Nationalhymne selbst zu singen. Deshalb habe man zur Feierstunde eine Sängerin engagiert. Auf den hinteren Bänken aber hätten er und ein paar Kollegen in den Schweizerpsalm eingestimmt.

          Selten war Skrupellosigkeit so offensichtlich

          In seinem Solo in „Tele Blocher“ hat er dann nur noch falsch gesungen. Am selben Morgen hatten die Zeitungen neue Informationen über die Besitzverhältnisse bei der „Basler Zeitung“ (BaZ) veröffentlicht. Dass ihr Eigentümer Moritz Suter nur ein Strohmann ist, hatte die „NZZ am Sonntag“ längst aufgedeckt. Sie wurde deswegen von Blocher der „salonfähigen Verlogenheit“ geziehen. Seither dementierte er stets, der Geldgeber hinter Suter zu sein - vor ein paar Monaten auch im Gespräch mit dem Journalisten Roger Schawinski. Der fragte, wer denn sonst den Kredit von siebzig Millionen Franken gewährt habe: „Das weiß ich jetzt nicht.“ Es war Blochers Tochter Rahel, mit der gemeinsam er eine Beratungsfirma führt. Auch bei „Tele Blocher“ fragte der Interviewer: Gehört Ihnen die BaZ? Blocher wiederholte sein Dementi. Und sagte dann überraschend: „Aber ich habe Einfluss bei der ,Basler Zeitung’, das ist klar.“ Wie denn? Blocher: „Das weiß ich auch nicht.“ Und überhaupt: Das interessiert die Leser rein gar nicht, „sie müssen einfach wissen, die ,Basler Zeitung’ ist eine gute Zeitung, und sie besteht. Überall, wo ich kann, sage ich: Schaut, dass die Zeitung unabhängig bleibt! Das ist ein Pfahl im Fleisch, für eine Meinungsvielfalt“ gegen den „Mainstream“ der anderen.

          Dass Christoph Blocher falsche Töne spuckt, weiß man längst. Aber nur selten ist die Skrupellosigkeit, mit der er Wähler und Leser für dumm verkauft, so offensichtlich geworden. Die Halbwahrheiten im Umgang mit der „Basler Zeitung“ haben Blocher endgültig entblößt.

          Ein dubioser Besitzerwechsel

          Seine undurchsichtige Rolle - zunächst als „Berater“ - hatte in der Stadt am Rhein für einen Volksaufstand gesorgt. Massenhaft kündigten Leser ihr Abonnement, zahlreiche Journalisten verließen das Blatt und entschieden sich für eine alternative Wochenzeitung, die seit diesem Herbst erscheint. Für deren Finanzierung ist Beatrice Oeri aufgekommen, eine Erbin des Pharmakonzerns Hoffmann-LaRoche: Auch im Basler Establishment ist der Milliardär aus Zürich nicht gern gesehen.

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