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Christoph Blocher und die „Basler Zeitung“ : Das weiß ich jetzt gerade nicht

Darum wurde bei der BaZ als „Verleger“ Moritz Suter vorgeschoben, der erfolgreiche Gründer der Fluggesellschaft Crossair. Er hatte selbst nur eine Million in den Kauf investiert. Vor der dubiosen Übernahme gehörte das Blatt dem Unternehmer Tito Tettamanti, der schon die „Weltwoche“ an Roger Köppel verkauft hatte. Der Rummel um Blocher hatte Tettamanti die Lust am Zeitungsmachen vergällt.

Hohe Schulden und ein Loch in der Rentenkasse

Vor wenigen Tagen kündigte Moritz Suter an, dass die BaZ als letztes der bedeutenderen Blätter in der Schweiz eine Sonntagszeitung einführen werde. Und dass er versuche, die Leser zu Aktionären zu machen - möglichst breit möchte er siebzig Prozent der Anteile streuen. Freunden gegenüber hat er erstmals erzählt, dass er es immer öfter mit Christoph Blocher zu tun habe. Und dass er seit Monaten vergeblich versuche, den Chefredakteur Markus Somm abzusetzen. Somm, früher bei der „Weltwoche“, hatte sich der Redaktion als „Statthalter Blochers“ vorgestellt. Die Lage der Zeitung ist katastrophal.

Zum Leser- und Vertrauensschwund kommen Schulden von hundert Millionen Franken. Die Druckerei ist defizitär, in der Rentenkasse klafft ein gigantisches Loch. Blocher will, dass Suter mit eisernem Besen saniert. Ein nochmaliger Stellenabbau sei nicht zu vermeiden. Suter hat ganz andere Versprechungen gemacht. Doch ihm sind die Hände gebunden: Blocher - respektive dessen Tochter - kann seine Aktien zurückfordern. So soll es in den Verträgen stehen. Auch der entlassene UBS-Chef Marcel Ospel spielt eine undurchsichtige Rolle.

Fehler folgt auf Fehler

Blocher als Besitzer der „Basler Zeitung“ bedeutet deren Aus. Von einer Zusammenlegung mit der „Weltwoche“ ist die Rede - Köppel dementiert. „Blochers Endspiel in Basel“ titelte die „NZZ am Sonntag“. Es ist ein End- und Trauerspiel von nationaler Bedeutung. Morgen, am Mittwoch, bestimmt das Schweizer Parlament die neue Regierung. Seit der Abwahl von Blocher als Justizminister geht es bei jeder Erneuerung des „Bundesrats“ nur um die Frage der Rache und den Anspruch von Blochers Partei SVP. Sie ist noch immer die stärkste Partei, hat aber Stimmenanteile verloren. In den Kantonen, in denen es für den Ständerat zu einem zweiten Wahlgang kam, versprach sie einen „Sturm aufs Stöckli“ (Ständerat), erlitt aber mehrere peinliche Niederlagen.

Blocher selbst war in Zürich chancenlos. Sein unsinniges Verhalten schwächt die Partei, die führungsschwach geworden ist. Mit ihrer Krise könnte sogar ihre zwei Jahrzehnte währende Vorherrschaft über die eidgenössische Politik zu Ende gehen. Blochers Pleite am Rhein könnte zum politischen Menetekel werden. „Ein Fehler nach dem anderen“ titelte seine eigene „Basler Zeitung“ schon vor „Tele Blocher“. In letzter Minute hatte die SVP ihren Kandidaten für die Wahl der Regierung zurückziehen müssen. Er war in einen Erbskandal verstrickt und ist im Wissen darum nominiert worden. Abgeschossen hat ihn - ausgerechnet - die „Weltwoche“.

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